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Sonntagseinkauf: Kritische Stimmen zum geplanten Wegfall

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In den Traunreuter Geschäften herrschte beim verkaufsoffenen Sonntag reger Betrieb. (Foto: Mix)

Traunreut – Einen enormen Ansturm hat der vierte und letzte verkaufsoffene Sonntag dieses Jahres den Geschäften in Traunreut beschert. In der ganzen Stadt war viel los, die Parkplätze in den großen Einkaufszentren waren am Nachmittag zum Bersten voll und zahlreiche Familien nutzten den Tag beispielsweise, um schon Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Im nächsten Jahr wird es, wie berichtet, diesen verkaufsoffenen Sonntag im November nicht mehr geben. Gerade jetzt vor der Adventszeit wäre er jedoch nach Aussage einiger Geschäftsinhaber von besonderer Bedeutung.


»Der vierte offene Sonntag im November war immer extrem wichtig, besonders für Artikel, die als Weihnachtsgeschenke gekauft werden«, erklärt der Stellvertretende Vorsitzende der ARGE, Eduard Schlögl. Dieser Tag sei immer gut frequentiert, »die Leute wollen diese Unterhaltung und geben da auch richtig Geld aus«, weiß er aus Erfahrung. Ganze Familien machten sich dabei auf den Weg, die am Wochenende gemeinsam Zeit zum Bummeln hätten und für jeden das Passende finden könnten.

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Schlögl war richtiggehend »entsetzt«, als der Stadtrat den Beschluss fasste, dass am Totensonntag keine Geschäfte öffnen dürfen. Seiner Meinung nach hätte es da eine andere, mit den Kirchen zu vereinbarende Lösung geben müssen. Für 2015 hat die ARGE nun nur drei Verkaufsoffene Sonntag geplant, die am 1. März, 19. April und 11. Oktober stattfinden werden. Als Ersatz für den vierten Sonntag wird in den Reihen der ARGE über einen langen Samstag oder eine Einkaufsnacht nachgedacht, ein Konzept dafür gibt es jedoch noch nicht.

Für Christian Gerer, Inhaber vom City Haus und Referent für Stadtplanung im Traunreuter Stadtrat, ist es von großer Wichtigkeit, dass ein Ersatz für den vierten Sonntag kommt. »Wir müssen unbedingt was finden, ansonsten besteht die Gefahr, dass viele Kunden ins Internet abwandern und die Geschäfte einen Großteil ihres Umsatzes verlieren«, fürchtet der Geschäftsmann. Für sein Kaufhaus sind die beiden zusätzlichen Öffnungstage im Oktober und November erfahrungsgemäß immer die besten und einträglichsten. Auch am vergangenen Sonntag war er mit Besuch und Umsatz, der innerhalb dieses halben Tages gemacht wurde, sehr zufrieden.

Den Wegfall des vierten offenen Sonntags bedauert Gerhard Jobst, Geschäftsführer der Jobst Wohnwelt, ebenfalls: »Das ist für die Geschäfte gar nicht gut und auch nicht für unsere Stadt. Da reden wir immer über eine Belebung der Innenstadt und dann streichen wir so einen wichtigen Verkaufstag, das passt doch nicht zusammen.« Er höre oft von Kunden, die den Sonntag als Familien-Einkaufstag nutzen: »Jetzt sind wir schon hier in Traunreut, jetzt schauen wir auch noch in die anderen Geschäfte.« In der Wohnwelt war auch dieses Mal wieder gewaltig viel los und Gerhard Jobst sah viele zufriedene Gesichter. »Die Leute hatten einen schönen Tag, es waren viele Familien bei uns, die mal gemeinsam in Ruhe schauen und kaufen konnten«, so der Geschäftsmann.

Die Kunden genießen die Möglichkeit, außerhalb der üblichen Öffnungszeiten zu shoppen, offenbar sehr. »Ich arbeite jeden Tag bis abends und kann unter der Woche nur schnell die wichtigsten Einkäufe erledigen. Da nutze ich diese Sonntage natürlich gerne, um auch mal ausgiebiger einzukaufen und durch die Geschäfte bummeln zu können«, betonte eine berufstätige Frau. Und sie bringt sogar noch einen ganz anderen Aspekt: »Für Singles und alleinstehende, ältere Menschen ist das eine willkommene Freizeitbeschäftigung.« Denn gerade die ruhigen Sonntage, an denen nichts los ist, seien für viele Einsame schwer zu ertragen. Das bunte Angebot in den einzelnen Geschäften sei daher eine schöne Abwechslung. mix