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Sonnenstrom von Pettings Wiesen?

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Nördlich von Streulach, zwischen Schweighausen und Stötten, soll eine Photovoltaik-Freiflächenanlage entstehen. (Foto: Höfer)

Pettings Bürgermeister Karl Lanzinger sieht auch seine Gemeinde in der Pflicht, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten.


Auch 2016 kam immer noch mehr als die Hälfte der bayerischen Stromerzeugung aus Atomkraft. Pettings Bürgermeister Karl Lanzinger sieht auch seine Gemeinde in der Pflicht, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die große Mehrheit im Gremium folgte dieser Sicht und stimmte den Plänen der Firma MaxSolar GmbH und der VR Energiegenossenschaft Oberbayern Südost zu. Nahe Schweighausen und Kraxennest sollen auf je drei Hektar zwei Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit einer Leistung zwischen 1,5 und 2,0 Megawattpeak (MWp) entstehen.

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Eigentlich waren solche Anlagen nur mehr auf bereits beeinträchtigten Flächen wie Truppenübungsplätzen, Kies- oder Deponieflächen zulässig. Und entlang von Bahnlinien und Autobahnen. Jetzt aber hat der Freistaat Bayern weitere Flächen dafür freigegeben, um die Energiewende zu schaffen. »Es ist schwierig, Flächen zu finden«, gestand Thomas Hager von der Traunsteiner Firma MaxSolar. Nun aber sei es möglich, auf sogenannte benachteiligte Agrarzonen zuzugreifen, etwa Flächen im Voralpenland, die schwieriger zu bewirtschaften seien.

Zum 1. Juni wolle man in die Ausschreibung der Bundesnetzagentur gehen, erklärte Hager das Prozedere. Als »umkämpftes Volumen« beschrieb er es, man habe mit mehreren tausend Euro in Vorleistung gehen müssen. Vergeben würden dabei 200 Megawatt bei vermutlich rund 600 MW im Angebot. Einen Zuschlag erhalten würden wohl nur jene, die den Strom um rund sechs Cent pro Kilowatt anbieten könnten. »So mancher hier herinnen wird darüber schmunzeln«, vermutete Hager und erinnerte an Vergütungen früherer Jahre von 30, 40 oder mehr Cent.

Anlagen leicht abbaubar und einfach zu recyceln

Allerdings habe der Solarstrom heute ein Level erreicht, wo er sich wahrlich nicht mehr hinter anderen Produktionsformen verstecken müsse. Und das ohne die Altlasten von Atomstrom und die Belastung durch Kohlebergbau und -verbrennung. Photovoltaik-Anlagen stellten keine Bodenversiegelung dar, seien leicht wieder abzubauen und sortenrein zu recyceln. Hager räumte ein, dass die zweite Fläche bei Kraxennest eher aus der Not geboren sei, da der Leitungsweg bis zur Einspeisung bei Hunkling mit rund acht Kilometer extrem lang und damit teuer sei. Eine Zweitanlage am Weg verbessere somit die Gesamtkalkulation.

Für die Landwirtschaft verloren sieht Landwirt und Gemeinderat Klaus Haunerdinger den Grund. »Vor allem Schweighausen verstehe ich nicht, das ist bester Boden dort.« Norbert Zollhauser von der Volksbank-Raiffeisenbank sieht zwei Möglichkeiten einer Bewirtschaftung der Sonnenstrom-Fläche: Entweder durch Schafbeweidung oder aber dreimal pro Jahr mähen und das Mähgut abfahren. Die Areale werden mit einem Zwei-Meter-Zaun umgeben, der unten am Boden für Kleintiere offen bleibt.

Die Bedenken von Ludwig Prechtl, der Wasserabfluss könnte damit beeinträchtigt werden, zerstreute Hager, blieben doch zwischen den Paneel-Reihen fünf Meter frei. Durch erforderliche Ausgleichsflächen und die Beseitigung eines reinen Fichtenbestands sieht Hager eine Aufwertung in »Richtung mehr Ökologie«. Man gehe von 25 Jahren aus, beantwortete Hager die Frage von Elvira Kraller nach der Lebensdauer, allerdings mit der Option einer Verlängerung.

»Was hat die Gemeinde davon?«, fragte Andreas Götzinger. Gemeindebürgern würde sich damit eventuell die Möglichkeit eröffnen, in die Genossenschaft einzusteigen, für die es derzeit eine Warteliste gebe. Immerhin erhöhe sich die Kapazität der Energiegenossenschaft bei derzeit 30 Anlagen mit einer Gesamtleistung von acht Megawatt um rund vier Megawatt. Zollhauser sieht mit diesen Anlagen auch die Versorgungssicherheit der Gemeinde gestärkt. Selbst wenn der hier produzierte Strom nicht direkt den Ort versorge, so komme er über kleine Umwege doch wieder in Petting an. »Die CO2-Einsparung«, nannte der Geschäftsführer als weiteres Plus. Und weil die Anlage schon nach einem Jahr schwarze Zahlen schreibe, erhalte die Gemeinde rasch 70 Prozent der fälligen Gewerbesteuer.

Woher denn die Module kämen, fragte Haunerdinger. Dazu könne er nichts versprechen, gestand Hager, jedoch produzierten inzwischen auch chinesische Hersteller in der Bundesrepublik. »Schön ist es nicht«, urteilte Roland Krammer, »aber viel besser als Biogas.« Denn derartige Anlagen sind für ihn »Energievernichtungsanlagen«. Weil Windräder nicht möglich seien, müsse man es halt »so« machen, fasste Franz Vordermayer seine Sicht zusammen. »Grundsätzlich dafür« ist auch Haunerdinger, »aber nicht auf diesen Böden.«

»Die Leite und die Viecher bleiben ja«

Christian Mayer findet die »Viecher auf der Hangweide bei Kraxennest schön«, und relativierte damit die Ansicht, es handle sich dabei um ein eher minderwertiges Areal. »Die Leite und die Viecher bleiben ja«, tröstete Hager. Bis auf Haunerdinger stimmten dann Bürgermeister und Gemeinderäte einer nötigen Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung eines Bebauungsplans zu. Norbert Zollhauser appellierte an Gemeinderäte und Gemeindebürger: »Wenn jemand eine geeignete Fläche in dem betreffenden Gebiet anbieten kann, bitte melden.« Sie muss halt mindesten einen Hektar groß sein. höf