weather-image
25°

Sonderausstellung über den römischen Gutshof von Lohen

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Sonderausstellung »Der römische Gutshof von Lohen – eine Luxusvilla am Unterlauf der Alz« im Seebrucker Römermuseum zeigt die geschichtliche und kunsthistorische Bedeutung der »villa rustica« von Lohen. Auf dem Bild ein im Römermuseum ausgestelltes Modell.

Seeon-Seebruck. Bis Ende August läuft im Römermuseum Bedaium in Seebruck die Sonderausstellung »Der römische Gutshof von Lohen – eine Luxusvilla am Unterlauf der Alz«. Der Heimatverein Tacherting (Heimatmuseum Tacherting) hat sie zusammen mit dem Heimat- und Geschichtsverein Bedaium konzipiert. Bei der Ausstellungseröffnung verwies Museumsleiter Dr. Alfons Regnauer darauf, dass man mit den historischen Vereinen östlich und südlich des Chiemsees bestens vernetzt sei, während die Kontakte alzabwärts leider rar gesät seien. Umso mehr freue er sich über diese Gemeinschaftsausstellung.


Der römische Gutshof von Lohen (Gemeinde Tacherting) lag an der Römerstraße, die vom Drautal in Osttirol über den Pass Thurn ins Tal der Tiroler Achen zum Chiemsee und dann über Bedaium-Seebruck zum Inn führte. Lohen gehörte wie das 20 Kilometer südlich gelegene Seebruck zum Stadtterritorium Salzburgs (Juvavum). Schon dies verdeutliche, so Regnauer, dass hier viele Gemeinsamkeiten bestanden. Der Kontakt zwischen den beiden Siedlungen erscheine nahezu selbstverständlich, denn die Bewohner »nutzten dieselbe Straße nach Salzburg zum Einkaufen oder für den Gang aufs Amt«. Die Lohener »villa rustica« gehöre zu den über 60 bekannten Gutshöfen im bayerischen Teil der römischen Provinz Noricum. Was den Gutshof aber von allen anderen unterscheide, sei seine »außerordentlich luxuriöse und vornehme Ausstattung« gewesen, so der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins. Es sei anzunehmen, dass hier ein reicher Kaufmann oder ein höhergestellter Beamter seinen Sommersitz hatte. Eine Luxusvilla vor den Stadttoren zu besitzen, bedeutete schon damals hohes Ansehen und Prestige. Die Verbindung Seebruck-Lohen reicht sogar bis in die Gegenwart, denn beim Bau des Seebrucker Römermuseums (Einweihung 1988) erwarb man in Lohen einen antiken Türstock, der in die Fassade eingebaut wurde und seitdem das Museumsportal bildet.

Anzeige

Doch wer entdeckte eigentlich die kultur- und kunstgeschichtlich so bedeutsame »villa rustica« von Lohen? Wie Tachertings Heimatpfleger Christian Rieder ausführte, sei der Großhuberbauer aus Lohen 1807 bei der Suche nach Baumaterial für sein Bauernhaus auf Reste antiker Gebäude gestoßen. Die verfallenen Mauern waren farbig gestaltet und auf den Fundamenten lagen Mosaiksteinchen. Sogar eine Feuerstelle inmitten von Holzkohleresten kam zum Vorschein. Der örtliche Pfarrherr Rauschmair, ein begabter Zeichner, dokumentierte die Fundstelle und schaltete den zuständigen Kreisdirektor Josef von Obernberg aus Burghausen ein, der die Akademie der Wissenschaften in München benachrichtigte. Schon die ersten Untersuchungen ließen damals erahnen, dass es sich um die Überreste eines luxuriösen Landsitzes eines wohlhabenden Römers handeln musste.

Die Räume waren über Gewölbehypokausten beheizbar und reich mit Mosaik- und Marmorfußböden ausgestattet und die Wände trugen farbige Szenen aus der antiken Götterwelt. Vor allem die künstlerische Gestaltung der Mosaiken weckte das Interesse des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I. Er habe weitere Grabungen veranlasst, die von seinem obersten Baumeister Leo von Klenze beaufsichtigt worden seien, so Tachertings Bürgermeister Johann Hellmeier. Anlässlich der Enthüllung einer Gedenksäule sei der König sogar selbst vor Ort gewesen.

»Die ersten Ausgrabungen waren leider ein bisschen zu früh, als dass heute noch eine anständige wissenschaftliche Dokumentation vorhanden wäre«, betonte Archäologin Andrea Krammer. Diese sei über die Jahre verschwunden oder so einfach gehalten, dass heute leider viele Fragen offen bleiben. Nichtsdestotrotz handle es sich um eine sehr sehenswerte Sonderausstellung. mmü