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Sommertraum mit heißen Rhythmen auf der Alm

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Pünktlich zum »Kaibiziagn« vom Keller-Steff leuchtete ein bunter Regenbogen in allen schillernden Farben am Himmel.
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Mit einem Vibrations-Massagegerät demonstrierte der Keller Steff, wie ein Vibrato klingen muss. Unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos finden Sie weitere Bilder. (Fotos: Mergenthal)

Reit im Winkl. Da half zur Abkühlung nur noch ein Sprung in den Pool: Gut 1500 Musikfans aller Generationen rockten und tanzten am Samstag bei Gluthitze bis in die Nacht beim Finale des »Chiemgau Alm Festivals« auf der Winklmoosalm. Besuchermagnet war der Keller-Steff aus Übersee. Die Stimmung kam aber auch bei den anderen Bands, die der Grassauer Musiker und diesmal als Zuhörer genießenden Stefan Dettl ausgewählt hatte, schnell zum Kochen. Nur die ersten beiden Bands ErpfenBrass aus der Schwäbischen Alb und Candelilla hatten es bei der Gluthitze schwer, das Publikum vom Hocker zu reißen. Besser wurde es, als die Reit im Winkler Feuerwehr ein großes Plantschbecken vor der Bühne mit eiskaltem Wasser füllte und der niederbayerische Mundart-Pop-Stern Karin Rabhansl mit seiner Band loslegte.


Mit ihrer sympathischen, natürlichen Art brachte sie ihre Zuhörer schnell zum Mitsingen, ob beim »Schmuse-Reggae« oder einem Lied über einen chronischen Schwätzer. In einem hochdeutschen Lied lässt sie sich über einen aus, der »jeden Satz mit Aber und Fragezeichen beginnt«. Nach »I dad di gern wiedaseng, weil i dua di gern meng« als Zugabe ließen die Fans die 26-Jährige ungern ziehen.

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»Du brauchst net nach Finnland in die Sauna fahrn. Du gehst einfach do her«, war die Botschaft der sieben Inntaler von »Django S.«, die dem »bairischen Ska'n'Roll« frönen. Schnell und heiß war das Motto ihres Dauerlaufs auf der Bühne, oben ohne oder nur im Unterhemd. Im »Pornostar-Reggae« erzählten sie mit begnadetem Bläsertrio und tollem Schlagzeuger von ihrer angeblichen früheren Karriere in diesem Gewerbe. Mit einer russischen James-Bond-Variation ließen sie die Puppen im Pool tanzen, bis das Wasser überschwappte.

Knackiger, explosiver Klang und echte Leidenschaft für den Funk kennzeichnen »Düsenfried & the Stuffgivers« aus Oberösterreich, die mit genialem Gesang, funkiger Gitarre, Virtuosität an Sax und Trompete und ihrer Lässigkeit ein klarer Höhepunkt waren. Im kurzen weißen Baumwoll-Kleid über dem Bikini riss die charismatische Sängerin Martine-Nicole Rojina der Münchner Band »Weiter« zum Abtanzen mit: »Wir entfalten die Flügel und lockern den Stand, wir fliegen weg von hier!« Einmalig ist der Dialog zwischen Posaunist Matthias Götze und der Sängerin.

Da fand der Keller-Steff stimmungsmäßig eine »gmahde Wiesn« vor – und gab alles für die nun noch zahlreicheren Gäste, darunter viele Familien mit Kindern. Ob er vom »Ratschkönig« sang oder von vergeblichen Versuchen, sich nach vier Wochen Arbeitslosigkeit aus einem »Odelbanzen« seinen eigenen Hendlwagen zu bauen: Mit seinen drei Musikern erzählte er die verrücktesten Geschichten aus dem Leben eines Bauernbuben, der sich als Musiker selbstständig macht. »Mia miaßn do no mehra Operngsang eine bringa, no mehra Vibrato«, motivierte er alle zum Mitsingen und warf zur Unterstützung ein »Massage-Vibrationsgerät« an.

Immer wieder reagierte er spontan, wie auf das Wetterleuchten am Himmel, das bei der Schlussband »Bauchklang« einen starken Guss brachte: Das Lied »Hello Jesus« sollte Petrus im Himmel gewogener machen. Das Publikum durfte hier die Rolle des Pfarrers übernehmen, dem der Keller-Steff allerhand beichtete. »Nächste Sünde, pack’ mas!«

Bei einem bluesig-rockigen Song in Überseer Englisch mit Impros von Gerhard Zimmermann am Bass, Chris Stöger am Schlagzeug und dem Steff an der Mundharmonika – der vierte, ebenso versierte Mann ist Gitarrist Franz Gries – flippten die Zuhörer regelrecht aus. Mit aufgelösten wilden Haaren brachte der Keller-Steff einen fiktiven Dialog mit seinem Vater dar, der ihn beschwört, ein normales Leben mit Frau, Kindern und Hackschnitzelheizung zu führen. Zu den zwei Zugaben, darunter das bekannte »Kaibiziagn«, leuchtete ein Regenbogen am Himmel. vm