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»So viel los war schon lange nicht mehr«

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Gina Reicheneder (von links), Marlene Sindelar, Vera Scheffler und Michael Praschberger von der Traunreuter Brücke versuchen immer am Mittwochnachmittag im katholischen Pfarrheim, die Probleme der Besucher zu lösen. (Foto: Mix)

Traunreut – Der Gang im katholischen Pfarrheim in Traunreut ist an jedem Mittwochnachmittag dicht besetzt mit Wartenden. Vorwiegend sind es Frauen und Kinder, die hier geduldig ausharren, um ihren Kummer den Mitarbeitern der Traunreuter Brücke vortragen zu können. Sie haben keine Arbeit, dafür aber oft große Probleme und erhoffen sich bei Vera Scheffler und ihren Mitstreitern Hilfe. Derzeit kümmert sich die Brücke unter anderem um eine alleinerziehende Frau mit drei Kindern, die dringend eine Wohnung braucht.


Nach vielen Problemen und finanziellen Schwierigkeiten droht der Mutter von drei Kindern in naher Zukunft die Räumung ihrer bisherigen Wohnung. Das Jobcenter unterstützt die Alleinerziehende zwar finanziell und übernimmt auch die Miete bis zu einer Höhe von 446 Euro. Doch es ist äußerst problematisch, eine geeignete Bleibe zu finden. Vera Scheffler hat schon Angebote von freien Wohnungen bekommen, musste aber dann von den Vermietern immer wieder Absagen hinnehmen, wenn diese hörten, dass es sich um eine alleinstehende Mutter handelt und dass diese in Schwierigkeiten steckt. Sie sucht weiterhin nach einer geeigneten Bleibe für die Familie.

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Einer ebenfalls alleinstehenden Mutter, die über mehrere Monate nicht mehr heizen konnte, weil sie die Gebühren nicht bezahlen kann, wurde inzwischen geholfen. Nachdem die Übernahme der Kosten vom Jobcenter bestätigt war, erreichte Vera Scheffler mit einem Anruf, dass der Gashahn für die Wohnung wieder aufgedreht wurde und die kleine Familie es jetzt wieder warm hat.

Kinder liegen Vera Scheffler besonders am Herzen. So organisiert sie auch heuer wieder eine Weihnachtsfeier für die Kinder von Hartz-IV-Empfängern und versucht, jedem Kind 50 Euro für ein Weihnachtsgeschenk zu überreichen. Im letzten Jahr waren 130 Buben und Mädchen bedürftiger Familien bei der Feier. Heuer hätte sie eigentlich 170 auf der Liste, »aber die kann ich nicht alle einladen, da reicht das Geld hinten und vorne nicht«. Jedes Jahr bekommt sie finanzielle Unterstützung vom Rotary Club Traunstein und sie hofft auch dieses Jahr noch auf Spenden, um den Kindern eine kleine Weihnachtsfreude bereiten zu können.

Derzeit ist der Andrang auf die Sprechstunde der Brücke besonders groß. »So viel los wie in den letzten Wochen war schon lange nicht mehr«, meint Vera Scheffler. Immer wieder suchen auch ältere Menschen Rat und Hilfe. Erst vor wenigen Wochen konnte die Brücke helfen, als in zwei Wohnblocks mit mehreren Wohnungen in Traunreut die Heizung ausgefallen war. Nachdem die frierenden Mieter, fast durchwegs Rentner, von der Hausverwaltung bereits eine Woche lang vertröstet worden waren, riefen sie bei Vera Scheffler an. Sie schaffte es nach längerem Hin und Her und zahlreichen Telefonaten, dass die Heizung nach rund zwei Wochen endlich wieder lief.

»Die alten Leute werden oft überhaupt nicht ernst genommen, ihre Anliegen werden nicht gehört«, empört sie sich. Für die Traunreuterin ist es wichtig, dass die Brücke allen in Not geratenen Menschen hilft und nie nach der Schuld frägt. »Ich würde es mir nicht anmaßen, zu sagen, da sei jemand selber schuld. Das kann man nicht beurteilen. Wir helfen allen«, so Vera Scheffler, die langfristige Hilfe verspricht.

Manche Hilfesuchenden kommen nur einmal und ihnen kann geholfen werden. Aber viele sind längst »Stammkunden« und stehen jede Woche vor der Tür, weil ein Problem das nächste hervorruft. »Die Leute kommen aber oft auch erst, wenn es schon überall brennt«, weiß die Brückenverantwortliche aus ihrer langen Erfahrung. Manchmal wäre die Hilfe einfacher, wenn sie gleich kämen, sobald sich ein finanzieller Engpass, eine drohende Wohnungskündigung oder anderes abzeichnet.

Seit kurzem wird die Brücke von Gina Reicheneder aus Traunreut unterstützt, die seit wenigen Wochen in Rente ist und nun mithilft, die Problemfälle zu bearbeiten. Sie sah schon vor einiger Zeit, wie es am Mittwoch immer zugeht, und versprach damals spontan ihre Unterstützung, sobald sie nicht mehr arbeitet. Als Schulsekretärin hat sie Erfahrung im Umgang mit Formularen, mit Behörden und diversen Verwaltungsaufgaben.

Wer helfen will, kann eine Spende auf das Konto der Traunreuter Brücke 58 17 889 bei der Volks- und Raiffeisenbank, Bankleitzahl 710 900 00, unter Angabe des Verwendungszwecks »Kinder-Weihnachtsfeier« überweisen. mix