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»So schlimm war es bisher noch nie«

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Traunstein. Pünktlich zum Septemberbeginn starteten gestern Hunderte Jugendliche im Landkreis ihre Ausbildung. Doch bei vielen Betrieben blieben die Stellen unbesetzt. Während die Unternehmen angesichts des erwarteten Fachkräftemangels und gut laufender Geschäfte weiter kräftig in die Ausbildung investierten, zeigt sich die Zahl der Bewerber rückläufig. »Der Mangel an Bewerbern hat eine neue Größenordnung erreicht und zieht sich durch alle Branchen«, sagt Werner Linhardt, Vorsitzender des IHK-Gremiums Traunstein. Allein im Landkreis waren Ende August noch 283 Lehrstellen unbesetzt.


Stellen wurden schon im Frühjahr ausgeschrieben

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Freie Stellen gibt es unter anderem in der Gastronomiebranche noch genügend. So sucht etwa Geschäftsführer Hans Kofler einen Koch bzw. eine Köchin und einen Restaurantfachmann bzw. -frau für den Brauerei-Ausschank Schnitzlbaumer in Traunstein. »Wir hatten die Stellen schon seit dem Frühjahr ausgeschrieben und bis heute hat sich keiner gemeldet«, berichtet Kofler. So schlimm sei es bisher noch nie gewesen.

Dabei kann er beide Berufe nur empfehlen. Zwar muss man sich mit Wochenenddiensten und ungewöhnlichen Arbeitszeiten abfinden, jedoch zähle man dafür nach der Ausbildung zum gefragten Fachpersonal. »Man kann die Welt bereisen oder auf einem Schiff anheuern und kommt oftmals auch mit viel Prominenz in Kontakt.« Auch würden Hotels in den Emiraten immer nach in Deutschland und Österreich ausgebildetem Personal suchen.

Während in der Gastronomie besonders die Arbeitszeiten in den Abendstunden die Bewerber abhalten, kommen allgemein noch die geburtenschwächeren Jahrgänge und der immer stärker werdende Trend zum Studium und zu weiterführenden Schulen hinzu.

Da heißt es gegenzusteuern: Der IHK-Gremiumsvorsitzende ruft die Betriebe dazu auf, frühzeitig auf den potenziellen Fachkräftenachwuchs zuzugehen, Bewerbern mit weniger guten Noten eine Chance zu geben sowie passgenaue Angebote zu machen. »Über Schulpatenschaften können Betriebe den Schülern bei der Berufsorientierung helfen und die guten Karriereaussichten nach einer Ausbildung aufzeigen«, so Linhardt. Immer mehr Betriebe würden zudem bei Bedarf Nachhilfe anbieten, um Defizite in Mathematik oder Deutsch auszugleichen.

In der Jobbörse: Auflistung der freien Lehrstellen

Insgesamt beginnen mit dem Start des Ausbildungsjahres 694 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen im Landkreis Traunstein. Dies entspricht einem Plus von 3,6 Prozent gegenüber demselben Zeitpunkt im Vorjahr. In ganz Oberbayern haben die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen 0,7 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr.

Noch freie Lehrstellen mit sofortigem Ausbildungsbeginn finden sich in der Jobbörse der Agentur für Arbeit sowie der Lehrstellenbörse der IHK. apo