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So ein »Zirkus« in der Kommunalpolitik

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Die hausfraulichen Fähigkeiten der Sekretärin (Daniela Huber, links) sind begrenzt: So hat sie, als sie ein zerknittertes, wichtiges Dokument »aufbügeln« wollte, dieses ziemlich ramponiert. Der Bürgermeister (Franz Aicher) und die Reinigungsfachkraft sind schockiert. (Foto: H. Eder)

Wonneberg – Interessante Einblicke in die Kommunalpolitik gewährt das Stück »Immer dieser Zirkus«, mit dem das Wonneberger Dorftheater in seine heurige Theatersaison gestartet ist.


Die Besucher hatten ihren Spaß an dem etwas schussligen, sehr auf seinen eigenen Vorteil bedachten Bürgermeister Franz Goldmann (Franz Aicher), an seiner meist mit Schönheitspflege beschäftigten Sekretärin Silke (Daniela Huber), an dem orientalischen Flair der im wahrsten Sinn des Wortes »bezaubernden« Zirkusdirektorin Samira (Lucia Lohwieser) oder an der resoluten Reinigungsfachkraft Frau Säuberlich (Resi Fenninger). Der gesamten Truppe unter der Regie von Josef Eder muss man das Kompliment machen, dass sie alle perfekt in ihre jeweiligen Rollen geschlüpft sind.

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Bürgermeister Goldmann hat es zusammen mit seinem Parteifreund Josef Sorge (Christian Mühlthaler) auf das Grundstück einer alten Dame (Rosi Strohhammer) abgesehen. Dieses wollen sie billig kaufen und mit gutem Gewinn verkaufen.

Teil des Komplotts ist Gemeindesekretärin Silke. Stets ganz schnieke und körperbetont gekleidet, blond (wie könnte es anders sein), daher intellektuell mit gewissen Defiziten, aber das richtige Leben schlau meisternd. Sie lässt sich vom Bürgermeister nicht beeindrucken, und auch die Witwe Anna Wimmer (in erfrischender Resolutheit dargestellt von Rosi Strohhammer) redet Tacheles mit ihm. Mit ihr verbünden sich nach und nach die Frau des Bürgermeisters (Regina Hasenknopf), deren Sohn (Simon Kraller) zusammen mit seiner Freundin (Sandra Glaner), die Reinigungsfachkraft und nicht zuletzt die Zirkusdirektorin Samira, die sauer ist, dass der Bürgermeister den Antrag, ihren Zirkus auf Gemeindegrund überwintern lassen zu dürfen, einfach unter den Tisch hat fallen lassen.

Samira spielt dann mit ihrer ganzen fremdländischen Ausstrahlung und ihrer radebrechenden Sprechweise eine wichtige Rolle in diesem Ränkespiel der »Guten«. Sie verzaubert – mit Hilfe der anderen – den Bürgermeister und auch seinen nicht minder betrügerischen Stellvertreter (Christian Mühlthaler) auf ganz besondere Art. Sogar auf Voodoo-Zauber wird zurückgegriffen, dessen sich die Sekretärin dann noch für eigene Zwecke bedient: Glaubt sie doch, dass ihr Verehrer (Max Warislohner, der den sehr schüchternen Bauhofmitarbeiter brillant gibt) noch eine andere neben ihr hat. Der Zauber wird aber fehlgeleitet: Leidtragender ist dadurch der Herr von der Dienstaufsicht, der die dubiosen Vorgänge in der Gemeinde untersuchen soll: Richard Siglreitmaier, arg gebeutelt von den Auswirkungen des Zaubers, bringt als schwäbelnder Beamter viel Spaß in das insgesamt sehr amüsante, unterhaltsame Stück.

Wer live erleben will, ob sich die dreisten Praktiken des Bürgermeisters und seines Parteispezls durchsetzen oder ob die »Opposition« die Oberhand behält, kann sich das Stück zu folgenden Terminen im Gasthaus Gruber noch anschauen: am morgigen Samstag um 20 Uhr, am Sonntag um 14 Uhr, am Freitag, 16. Dezember, um 20 Uhr und am Sonntag, 18. Dezember, um 19 Uhr. Platzreservierung bei Hedwig und Josef Lohwieser unter Telefon 08681/4906 zwischen 17 und 20 Uhr. he