weather-image

So ein Fest gab's lange nicht: »Des hat's amoi wieder braucht«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Den Festgottesdienst zum 100-jährigen Bestehen des Grabenstätter Trachtenvereins »Chiemgauer« am Fuße des Kalsperges zelebrierte Pater Augustin (unser Bild) gemeinsam mit seinem Vorgänger Josef Kreuzpointner. (Fotos: Müller)

Grabenstätt. Nachdem beim Kirchenzug ein kräftiger Regenschauer niedergegangen war, hatte Petrus mit dem Festverein GTEV »Chiemgauer« Grabenstätt ein Einsehen: Die Wolkendecke riss urplötzlich auf und der Festgottesdienst und der Festzug durch den Ort konnten bei strahlendem Sonnenschein über die Bühne gehen. Dem Jubiläum wohnten neben den gut 20 Grabenstätter Ortsvereinen und 25 heimischen Trachtenvereinen auch zwei große Abordnungen aus der Pfälzer Partnergemeinde Meckenheim und vom US-Bruderverein Bavarian Club Edelweiß Westchester New York bei. Unter den rund 3000 Festgästen weilten auch Landtagsabgeordneter Klaus Steiner, Bezirksrat Markus Fröschl, stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser, diverse Bürgermeister und Gemeinderäte.


Grabenstätt habe schon lange nicht mehr so ein Fest gehabt, »des hat's a moi wieder braucht«, betonte Vorstand Sepp Fleischmann im voll besetzten Festzelt am Sportplatz. Kurz zuvor hatten die rund 3000 Teilnehmer und über 2000 Zuschauer einen imposanten Festzug mit wunderschön geschmückten Festwagen, Fahnenabordnungen und Musikkapellen genossen. Auch der eindrucksvolle Feldgottesdienst am Fuße des Kalspergs wird den Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben.

Anzeige

Zelebriert wurde er von Pater Augustin und dessen Vorgänger Josef Kreuzpointner. Pater Augustin betonte, dass man gerade heute wieder sehe, wie wichtig den heimischen Trachtlern der Glaube sei. Der Trachtenverein »Chiemgauer« habe es sich zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum und die Tradition zu erhalten. Dies sei ohne den Glauben gar nicht möglich.

Auch wenn die Bewährungsproben und Enttäuschungen im Alltag noch so groß seien, dürfe man den Glauben an Gott nie verlieren, denn »er ist immer für uns da und gibt uns Halt«. Als die Grabenstätter Böllerschützen ihren Salut in den weiß-blauen Himmel abfeuerten, senkten sich die Fahnen der Abordnungen.

Regina Wiesholler hatte die ehrenvolle Aufgabe, das Erinnerungsband von Schirmherrn und Bürgermeister Georg Schützinger an die Fahne des Festvereins zu heften. Vroni Huber tat dies im Namen der Ortsvereine. Das dritte Ehrenband kam vom amerikanischen Bruderverein Bavarian Club Edelweiß Westchester New York.

Bürgermeister Schützinger beglückwünschte den GTEV »Chiemgauer« zu seinem Jubiläum. In dessen langer Vereinsgeschichte habe sich dieser »herausragende Verdienste für den Erhalt von Brauchtum, Sitte und Tracht erworben«. Der Grabenstätter Trachtenverein sei ein »Eckpfeiler des blühenden Vereinslebens in unserer Gemeinde« und übernehme mit seiner vorbildlichen Jugendarbeit auch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. »Ich bin zuversichtlich, dass dieses Jubiläum erneut Kraft und Auftrieb gibt, das Erbe unserer Väter weiterzuführen und in die Herzen der Jugend hineinzutragen«, so Schützinger.

Gauvorstand Peter Eicher schloss sich den Glückwünschen an und lobte die Grabenstätter Trachtler, die den Festabend mit »lauter eigenen Leuten« famos gestaltet hätten. »Wir sind stolz auf euch und ihr könnt auch stolz sein«, bemerkte Eicher und schob hinterher: Die Jubiläumsfeiern würden eindrucksvoll verdeutlichen, dass »die bayerische Volkskultur lebt und die Trachtensache noch nie so anerkannt war wie heute«. Wenn die Jugend weiterhin so mitziehe, werde man »unser Brauchtum und Tradition auch in den kommenden 100 Jahren erhalten können«.

Ein Sonderlob gab es für Gauvorplattler Mathias Wiesholler sowie Schützinger, der dem Verein über 30 Jahre geführt und nach schwierigen Zeiten wieder zur Blüte verholfen habe. Für den ganzen Landkreis gratulierte der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser und ermunterte die Trachtler dazu »ihre wichtige Arbeit und Einsatz zur Erhaltung unserer Traditionen fortzusetzen – für unsere bayerische Heimat und die Menschen, die hier leben«.

Begonnen hatte der Festtag bereits um 6 Uhr mit dem Weckruf. Die meisten Mitglieder hatten kaum geschlafen, denn der Festabend zuvor hatte keine Wünsche offen gelassen. Um 8 Uhr folgte dann der Empfang der Vereine am Festzelt. Dort formierte sich gegen 9.15 Uhr der Kirchenzug in zwölf Zügen zum Feldgottesdienst am Fuße des Kalspergs. Gut 2000 Besucher säumten die Straßen beim anschließenden Festzug und jubelten den 3000 Teilnehmern aus nah und fern zu.

Im Festzelt ging es nach der Stärkung mit den Ehrentänzen und der Meistpreisvergabe weiter. Der erste Platz ging an den GTEV »Chiemseer« Chieming mit 241 Teilnehmern. Auf den Rängen zwei und drei reihten sich der GTEV Nußdorf (192 Teilnehmer) und der GTEV Bergen (154 Teilnehmer) ein. Der Festverein GTEV »Chiemgauer« war mit 229 Teilnehmern vertreten. mmü