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Skulptur erinnert an Triftmeister Veit Oberhauser

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Bei der Vernissage »Wald und Kunst« im Bergwalderlebniszentrum Ruhpolding enthüllten der Künstler Walter Angerer der Jüngere (von links),  MdL Klaus Steiner  und  Amtschef Alfons Leitenbacher die Skulptur des kurfürstlichen Triftmeisters Veit Oberhauser. (Foto: Peter)

Ruhpolding – »Holz ist ein einsilbiges Wort. Doch verbirgt sich dahinter die Welt der Märchen und Wunder – der Wald fasziniert die Menschen seit jeher!«, sagte Alfons Leitenbacher, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, bei der Vernissage »Wald und Kunst« im Bergwalderlebniszentrum Ruhpolding. Der oberflächliche Betrachter finde sicher keinen Zusammenhang zwischen Wald und Kunst, der genaue Betrachter sehr wohl, sagte MdL Klaus Steiner dazu, denn der Wald zeige zu jeder Tages- und Jahreszeit verschiedene Gesichter. Er sei von vielen Mythen umrankt und inspiriere immer wieder Künstler.


Für Musik sorgte die Harfenistin Leoni Steinbeis Mit ihrer Virtuosität zeigte die junge Künstlerin zugleich auf, welchen Klang und welchen Stellenwert durch ihr Spiel der Werkstoff Holz für die Kunst bringt. Die Vernissage war zugleich der richtige Rahmen, die Skulptur des kurfürstlichen Triftmeisters und gebürtigen Ruhpoldingers Veit Oberhauser von Walter Angerer dem Jüngeren zu enthüllen.

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Das Motto »Wald und Kunst« der »Woche des Waldes« in Bayern biete gute Gelegenheit, den Wald und das Thema jenseits von Fakten und Daten aus künstlerischer Sicht zu betrachten, meinte Leitenbacher. Bei der Ausstellung im Bergwalderlebniszentrum werden Skulpturen der Schnitzschule Berchtesgaden und Bilder des Leiters des Bergwalderlebniszentrums, Thomas Dankemeyer, sowie Werke des Siegsdorfer Künstlers Walter Angerer der Jüngere präsentiert. Wobei Letzterer durch die von ihm entwickelte »Frastechnik« einen engen Bezug zu Bäumen und Wald habe, meinte Leitenbacher.

Jeder erlebe den Wald anders, die Fantasie sei vielfältig, so der dritte Bürgermeister Hermann Feil. Das Erlebnis Wald präge auch die Menschen, fügte er hinzu.

Vor rund 30 Jahren habe er bei einem Spaziergang einen Stamm mit dem Käferfrasbild gesehen und machte davon erste Abdrucke, sagte Angerer der Jüngere. Es dauerte mehrere Jahre, bis er mit dieser Zeichensprache Portraits und später Skulpturen geschaffen habe. Er habe an seinen Frasbildern rund 20 Jahre gearbeitet. Auch heute gehe die Entwicklung weiter. Kunst brauche Zeit, so Angerer der Jüngere.

Für die jungen Künstler der Schnitzschule ist die Wertschätzung ihres Materials Holz sehr groß, meinte Valentin Diem. Das Holz sei meist um vieles älter als sie selbst. Darum wollten sie wirklich etwas daraus schaffen, so Diem. Für Dankemeyer ist Kunst das Kind der Freiheit. Mit seinen stark vergrößerten Detailbildern will er den Betrachter an die Natur heranführen.

Auf Initiative von Leitenbacher hat Angerer der Jüngere eine Skulptur in Frastechnik auf der Basis eines Kupferstichs von Veit Oberhauser geschaffen. Der kurfürstliche Triftmeister wurde 1737 als Bauernsohn geboren. Mit 17 Jahren arbeitete er als Holzknecht. Mit 19 Jahren erlernte er das Zimmererhandwerk und wurde nebenbei in der Feldmesskunst unterrichtet. Nach seiner Lehrzeit unternahm er eine Reise nach Ungarn und kehrte mit Erfahrungen im Bauzeichnen nach zwei Jahren wieder zurück. Die freie Stelle als Triftmeister an der Saline Traunstein trat er 1764 für 25 Jahre an.

1789 schloss er einen Holzliefervertrag für die Saline Traunstein ab. Im Rahmen seiner Arbeit entwickelte Oberhauser Verbesserungen im Holzeinschlag. Der große Holzverlust durch die Späne beim Holzfällen mit der Axt war ihm ein Dorn im Auge und so führte er die Wiegensäge ein. Durch seine besonderen Fähigkeiten und Ideen machte er sich aber nicht nur Freunde. Die ständige Missgunst führte 1803 dazu, dass Oberhauser um die vorzeitige Kündigung des Holzliefervertrags bat. Sechs Jahre später verstarb er im Alter von 72 Jahren am Nervenfieber.

Damit die Skulptur richtig zur Geltung kommt, fertigte der Forstwirtschaftsmeister am AELF, Johann Staudinger, einen Sockel aus einem Lärchenstamm an. Er hat den Stamm geschöpst, um die glatte Holzstruktur zu erhalten. So wird die Technik bezeichnet, den Stamm nach dem Fällen noch im Saft stehend zu entrinden. Um Schwundrisse am Sockel zu verhindern, hat er den Stamm mit einem alten Deichbohrer per Hand ausgehöhlt. Die Ausstellung ist täglich bis einschließlich 1. August von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. MP

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