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Skifahren auf einem schmalen Streifen unterm Lift

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Ein dickes Nervenkostüm brauchen derzeit die Liftbetreiber. Die Westernbergpiste lässt dank Kunstschnees auf einem schmalen Streifen direkt unter dem Lift noch Skibetrieb zu. (Foto: Schick)

Ruhpolding. Sepp Oberleitner schaut mit sorgenvollem Blick hinauf zum Westernberg, wo sich inmitten der aperen Wiese nur noch ein schmales weißes Band bis zur Baumgrenze hinaufzieht. Am sogenannten Sonnenhang in Ruhpolding betreibt der 55-Jährige zusammen mit seiner Familie das kleine Skizentrum, das sich besonders bei Anfängern und Kindern besonderer Beliebtheit erfreut. Die spärlichen Kunstschneeüberbleibsel sind derzeit Sepp Oberleitners wichtigstes Kapital, denn längst ist der natürlich gefallene Schnee dahingeschmolzen.


Skifahren auch am Kessellift und der Steinplatte möglich

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Sepp Oberleitner ist erleichtert, dass die verbliebene durchschnittlich 40 Meter breite Kunstschneeauflage trotz frühlingshafter Temperaturen bis jetzt einen Skibetrieb zulässt. Und der soll nach dem Willen der Liftbetreiber so lange wie möglich aufrecht erhalten bleiben. Denn abgesehen vom Skigebiet Winklmoos-Steinplatte und dem Inzeller Kessellift ist der Westernberg die einzige Möglichkeit in der gesamten Region, wo man derzeit in absoluter Tallage noch Skifahren kann.

»Wenn wenigstens die Nächte kälter wären«, hadert Sohn Max Oberleitner mit der derzeitigen Situation, »dann könnten wir Schnee ohne Ende machen!« Seit neun Jahren ist der 25-jährige Kraftfahrer für die Beschneiung und Pistenpflege zuständig. »Dafür brauchen wir aber mindestens drei bis vier Grad Minus, sonst geht da gar nichts«, meint der junge Schneetüftler.

Immerhin zahlt es sich jetzt aus, dass Anfang Dezember die sieben modernen Schnee-Erzeuger auf Volldampf liefen. Um die Kapazitäten auszuweiten, wurde dafür vor drei Jahren die Pumpleistung um das Dreifache erhöht. Etwa die Hälfte der produzierten Menge ist noch da. Gerade soviel, dass es für das Kindergelände reicht und dadurch die Kurse für die Kleinsten abgehalten werden können.

Und da der Teufel in der Not bekanntlich Fliegen frisst, nutzen auch einige alpine Nachwuchskader aus den umliegenden Orten den Ruhpoldinger »Dorfgletscher«. »Stangerlfahren geht natürlich momentan nicht, aber für ein freies Training reicht's schon noch«, meint Sepp Oberleitner, der allerdings hofft, dass es bald richtig kalt wird und schneit. ls