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Sitzungssaal und Kurpark zu teuer

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Grassau. »Mir hat nicht alles gefallen, was in Grassau gelaufen ist und ich stehe dazu«, betonte der Bürgermeisterkandidat der Freien Wählergemeinschaft (FW) in der ersten und einzigen Wahlversammlung nach der Aufstellungsversammlung. Er wolle aber auch weiterhin den Mund aufmachen und das dürfe man nur, wenn man auch bereit sei, sich selbst politisch zu engagieren, fügte er in der Versammlung im Gasthof zur Post an.


Den neuen Sitzungssaal könne er nicht gut heißen, denn es sei schwer, dem Durchschnittsverdiener klar zu machen, dass für einen Dachausbau und für die Einrichtung eines Sitzungssaales 470 000 Euro aufgewendet wurden. Auch sehe er den Kurpark nicht als Treffpunkt für Alt und Jung und ein Wassertretbecken gehöre immer noch dahin, wo ein Bach fließe. Auch die Kosten für die Aussegnungshalle erachte er mit 270 000 Euro als zu hoch. Probleme sehe er in den überfüllten Linienbussen, die auch die Schüler nützen müssen, und in den steigenden Mietpreisen, die für Normalverdiener kaum noch bezahlbar seien.

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Wichtig sei ihm eine offene Informationspolitik und aktive Einbindung der Bürger in den Entscheidungsprozess. Er würdigte die SPD als Vorreiter umfassender Bürgerinformation. Ihm gehe es aber primär nicht um diese Art der Information, denn es werde über bereits Gelaufenes berichtet, sondern vielmehr um frühzeitige Beteiligung der Bürger – anders, als seiner Ansicht nach bei der Ortskernsanierung in Mietenkam geschehen. Wenn die Mietenkamer gleich zu Beginn ihre Vorstellungen hätten äußern können, dann müsste es nun nicht heißen, dass es nun auf die Mietenkamer ankomme, das Dorfzentrum mit Leben zu füllen, meinte er.

Nach dem Hochwasser halte er es für wichtig, auch ein Notfall- und Katastrophenprogramm auszuarbeiten. Auch hier sei übergemeindliche Zusammenarbeit gefordert. Diese dürfe sich nicht nur auf den Katastrophenfall beschränken, sondern müsse auch bei den Beseitigungen der Schäden greifen.

Ursprünglich wollte er nur als Gemeinderat kandidieren. Der Hauptgrund, nun doch als Bürgermeisterkandidat aufzutreten, hänge mit seinem Demokratieverständnis zusammen, denn der Wähler solle eine Wahlmöglichkeit haben.

Herbert Geschöderer betonte in der anschließenden Diskussion, dass er es super finde, wenn Verantwortung übernommen werde. Weiter erklärte der amtierende SPD-Marktgemeinderat, dass der Sitzungssaal in den alten Pfarrhof verlegt wurde, da im Rathaus der Raum für Verwaltungsbüros gebraucht werde. Der hohe Preis liege auch an den vielen Auflagen des Brandschutzes mit zweitem Rettungsweg. Der Kurpark habe die Gemeinde letztlich nur 250 000 Euro gekostet, der Rest der insgesamt 480 000 Euro teuren Maßnahme wurde aus Fördermitteln finanziert.

Dem hielt Genghammer entgegen, auch Fördermittel seien Steuergelder und würden letztlich wieder vom Bürger bezahlt. Zum Sitzungssaal meinte er, dass wohl ein Teil der Kosten über die Vermietung als Seminarraum refinanziert werden solle. Seiner Ansicht nach brauchen Seminarräume auch eine Gastronomie, wie im Sporthotel oder im kleinen Heftersaal möglich. Laut Genghammer hätte es sicher noch weitere Möglichkeiten als diese beiden Gebäude gegeben, um einen ansprechenden, kostengünstigeren Sitzungssaal zu realisieren.

Zu den Diskussionen im Marktgemeinderat fügte er an, ihm wäre eine Abstimmung mit einer Mehrheit von zwölf zu sieben lieber, als einstimmige Beschlüsse. Dafür stehe die Freie Wählerschaft, politisch unabhängig und ohne Fraktionszwang. FW-Gemeinderat Sepp Grießenböck senior betonte, dass die FW seit 1972 das Gemeindeleben immer mit zwei oder drei Räten mitgestaltet habe. 30 Jahre lang stellten die FW auch den zweiten Bürgermeister, der er selbst 18 Jahre lang war.

Grassau könne sich im Achental sehen lassen und dies sei auch ein Verdienst der FW. Letzte große Entscheidung sei der Neubau des »Rot-Kreuz-Gebäudes« gewesen, der ein schöner, anschaulicher Bau mit Notarztstation werde. Sicherheit für die Radfahrer sei den FW ebenfalls wichtig und so habe man angeregt, alle Radwegekreuzungen für Autofahrer deutlicher sichtbar zu machen. Dies werde im Frühjahr passieren. Ihm sei wichtig, dass im Gemeinderat möglichst viele Meinungen vertreten sind und die großen Fraktionen keine absolute Mehrheit hätten, denn dann würde sich eine Diskussion erübrigen.

»Egal, wie der Wahlkampf ausgeht, wichtig ist, dass jeder das Beste für die Gemeinde möchte« – in diesem Sinne organisiert die FW parteiübergreifend für alle interessierten Bürger eine Wahlparty am Sonntag um 20 Uhr im Gasthof zur Post. Natürlich werden dann auch die neuesten Hochrechnungen und Ergebnisse mitgeteilt. tb