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»Singen ist gut für Körper, Geist und Seele«

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Beim Jahreskonzert des Männerchors Grabenstätt mit der »Saitnweis Musi« und dem unverwechselbaren Geschichtenerzähler, Mundartdichter und historisch bewanderten Ortsheimatpfleger Gustl Lex war für jeden Geschmack etwas dabei.

Grabenstätt – Zweieinhalb Stunden großartig unterhalten wurden die 130 Besucher des Jahreskonzerts des Grabenstätter Männerchors in der Schlossökonomie. Für die passende musikalische Begleitung sorgte die »Saitenweis Musi« mit Ramona Pfaffinger (Hackbrett), Dominik Pfaffinger (Zither) und Christina Hübner (Harfe). Der Vereinsvorsitzende, Sänger und Mundartdichter Gustl Lex begeisterte mit seinen ausgewählten Überleitungen und Geschichten.


Nachdem sich die stimmgewaltigen Männer mit dem Lied »Ja schaut euch um« vorgestellt hatten, blickte Lex auf ein arbeits- und auftrittsreiches Männerchor-Jahr mit zwei Serenaden, musikalischen Gastspielen im niederösterreichischen Mostviertel und in der Pfalz, die zweimal aufgeführte neue Messe und viele Proben zurück. Ein Sonderlob zollte er dem emsigen und geduldigen Chorleiter Martin Lex: »Sollte a mal was a weng daneben geh, es is net wia beim Fuaßball, bei uns liegts net am Trainer.« Das singende Erfolgsteam soll noch lange zusammenbleiben, trotzdem würde man sich auf allen stimmlichen Positionen über punktuelle Verstärkungen und Nachwuchs freuen: »Bitte sagt´s es weiter, der Männerchor hat jeden Donnerstag um 20 Uhr Chorprobe«, appellierte Lex und warb: »Singen ist gut für Körper, Geist und Seele und Miteinander singen ist eine Art Gruppentherapie, die für Entspannung sorgt und Gemeinsamkeit gibt.«

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Weiter ging es mit dem alten französischen Volkslied »Es löscht das Meer die Sonne aus« von Friedrich Silcher und den deutschen Volksliedern »Wer hat dich du schöner Wald« von Felix Mendelssohn Bartholdy und »Am Brunnen vor dem Tore« von Franz Schubert. Hubert von Goisern machte man mit »Heast as net, wie die Zeit vergeht« die Aufwartung.

500 Jahre seien vergangen, seitdem der Bayernherzog Wilhelm IV. mit dem bayerischen Reinheitsgebot »das erste Lebensmittelgesetz der Welt« erlassen und das Bier in Bayern den Wein zunehmend verdrängt habe, gab Lex zu bedenken, um sich sogleich zu wundern: »Was is anfangs net alles eine kemma ins Bier? Unter dem Motto 'Hauptsach es geht schnell und macht verruckt' hat ma Stechapfel, Tollkirsch, Schlafmohn und zwengs da Farb sogar Stierblut beigmischt.« Vielleicht ist damals auch das einzige Bierlied des Männerchors »Weint mit mir ihr Wirte und ihr Bräuer, denn das Bier ist schlecht und auch zu teuer« entstanden, das man zum Besten gab.

Wie Lex weiter ausführte, habe es um 1805 im Gebiet des heutigen Bayern rund 30 000 Brauereien gegeben und Traunstein sei eine der berühmtesten Braustädte gewesen, was er mit diesem Spruch belegte: »Traunstein und Erding, Vilshofen und Schärding, das sind der Städte vier, wo gebraut wird das beste Bier«. Auch Grabenstätt sei um 1900 berühmt für seinen Gerstensaft gewesen, bis der Erste Weltkrieg der Mayerschen Brauerei, die zur Blütezeit bis zu 59 Wirtschaften im ganzen Gau beliefert habe, den Garaus machte.

Mit den Liedern »La Pastorella – die Schäferin vom Val Gardena« und »Holzhacka-Thresei« ging es dann in die Pause, in der die Männerchor-Frauen das Zepter bei der Bewirtung übernahmen. »Die Pinzgauer wollten Wallfahrten gehn« gab es zum Auftakt des zweiten Programmteils zu hören. Auch die Chiemgauer Pfarreien östlich von Tiroler Achen und Alz seien bis 1788 Jahrhunderte lang zu ihrer Wallfahrt nach Salzburg aufgebrochen, betonte Lex, und das nicht nur aus religiöser Überzeugung, denn nur so habe der normale Christenmensch einmal für ein paar Tage den normalen Alltag hinter sich lassen können – zum Leidwesen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit.

Nach dem Lied »Bei da Lindn bin i gsessen« ging es mit »Capri Fischer« und »Träume aus der Kinderzeit« nach Italien. Auch die Liebeslieder »Frag mi net« und »Ich wollte meine Lieder« kamen bestens an. Mit der Hymne der italienischen Alpinisten »Signore delle Cime« setzte der Männerchor dann den stimmungsvollen Schlusspunkt unter einen Abend, der alle Erwartungen erfüllt hatte. Doch da noch niemand heimgehen wollte, intonierte man »Fein sein beinander bleibn« noch als Zugabe. mmü