weather-image

Siegsdorf hat eine »Schule ohne Rassismus«

1.0
1.0
Bildtext einblenden
Schülersprecherin Franziska Grafetstetter (links) und Pate Stephan Zinner (rechts) halten das Schild in den Händen, das aussagt: Die Mittelschule in Siegsdorf gehört nun zu den rund 2000 Schulen in Deutschland, in denen Ausgrenzung keine Chance mehr hat. (Foto: Peter)

Siegsdorf – Der Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« ist eine Auszeichnung, die mit Leben erfüllt ist und von den Schülern wie auch den Lehrern gelebt wird. Die Mittelschule Siegsdorf nimmt an der bundesweiten Aktion teil und erhielt nun offiziell die Anerkennung dafür. Die Ehrung wurde im Rahmen einer Feierstunde in der Aula zusammen mit dem Paten Stephan Zinner und Michael Schneider-König von der Landeskoordinationsstelle für »Schule ohne Rassismus« übergeben.


Schüler mit Zivilcourage und Demokratie vertraut machen

Anzeige

An der Mittelschule in Siegsdorf wird es als selbstverständlich angesehen, dass niemand aufgrund seiner Kleidung, sexuellen Orientierung, Behinderung, Hautfarbe oder Sprache benachteiligt wird oder sich psychischer oder körperlicher Gewalt aussetzen muss. Um diese klare Haltung näher zu definieren und die Schüler mit den Themen Zivilcourage und Demokratie vertraut zu machen, hat man sich entschieden, den Weg der offiziellen Anerkennung zur »Schule ohne Rassismus« gemeinsam als Schulgemeinschaft zu beschreiten. Ab sofort weist ein Schild darauf hin, dass dieser Schritt gelungen ist.

Er war sehr überrascht, als er als Kabarettist und Schauspieler gefragt wurde, ob er die Patenschaft übernehmen wolle, sagte Stephan Zinner. Doch habe er gerne zugesagt, denn von Rassismus könne jeder schnell betroffen sein.

Rektorin Johanna Lechner wies auf die Ausstellung der verschiedenen Projekte hin, die von den Schülern für die »Schule ohne Rassismus« umgesetzt wurden. Der Anstoß für die Teilnahme am Projekt sei von Stephan Stieglhofer gekommen, der für die Jugendsozialarbeit an der Schule verantwortlich ist. Mit der Anerkennung sei der erste Schritt getan. Nun müsse man dran bleiben.

»Rassismus beginnt mit der Erziehung«

Kinder seien von Grund auf immun gegen Rassismus, er beginne erst mit der Erziehung, meinte Bürgermeister Thomas Kamm. Für ihn sei es erschreckend, was alles an rassistischen Äußerungen ins Internet gestellt werde, ohne dass sich der Großteil der Gesellschaft darüber etwas denke und daran Anstoß nehme. Die Globalisierung bedeute nicht nur einen Eingriff in die Wirtschaft, sie bedeute auch, dass wir Menschen aus anderen Kulturen begegneten, so der Bürgermeister.

Die Aktion »Schule ohne Rassismus« wurde in den 80er Jahren in Belgien ins Leben gerufen. In den vergangenen 15 Jahren entwickelte sich das Projekt auch verstärkt in Deutschland, so Michael Schneider-König. Er sagte, dass die Menschen von Geburt an alle gleich sind, und wenn Ausgrenzung geschieht, dieses Verhalten erlernt wurde. Mit dem Projekt »Schule ohne Rassismus« könne jedoch erlernt werden, etwas dagegen zu tun. Sicher habe schon jeder einmal erlebt, wie weh Ausgrenzung tue. Nachdem alle, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Größe, unterschiedlich seien, gehe es darum hinzuschauen und zu erkennen, dass die Menschen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede hätten. Ausgrenzung sei nie gänzlich zu verhindern, sagte Schneider-König. Doch wer behaupte, es gebe keine Ausgrenzung und keinen Rassismus, der verschließe die Augen und schaue weg.

Projekt auch künftig am Leben erhalten

Es sei schon an der Durchführung der Verleihung erkennbar, dass Siegsdorf eine sehr aktive Schulgemeinschaft habe, so Schneider-König weiter. Da sich die Schulgemeinschaft durch den Schüler- und Personalwechsel ändere, sei es wichtig, dass das Projekt am Leben gehalten werde. Es müsse geschaut werden, wie die neuen Schüler sowie die neuen Lehrkräfte in das Projekt eingebunden werden könnten.

In Deutschland sind es rund 2000 Schulen und in Oberbayern 75 Schulen, die erfolgreich am Projekt »Schule ohne Rassismus« teilnehmen. MP

Mehr aus der Stadt Traunstein
Schreibwaren Miller