weather-image
14°

»Siegfried« eilt Menschen in Seenot zu Hilfe

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Seinen Segen spendete Gemeindereferent Richard Mittermaier für das neue Boot und die Mannschaft. (Foto: vom Dorp)

Übersee. »Heute ist ein großer Tag für unsere Wasserwacht«, freute sich Bürgermeister Marc Nitschke. »Nach vier Jahren der Ideensammlung, Planung, Arbeit, Rückschlägen und Vorfreude kann das neue Rettungsboot nun endlich seiner Bestimmung übergeben werden.«


Strahlender Sonnenschein, Musik eines Bläserquartetts aus der Überseer Jugendblaskapelle unter der Leitung von Constantin Zill, Fahnenabordnungen, Festzelt und ein ökumenischer Gottesdienst am Seeufer: Es herrschte Festtagsstimmung auf dem Gelände der Wasserwacht in der Feldwieser Bucht. Bürgermeister und Gemeinderäte, auch aus Nachbarorten, viele Vertreter der Rettungsdienste rund um den See und aus dem ganzen Landkreis, von Vereinen und Institutionen sowie zahlreiche Bürger waren gekommen, um das zu begutachten, was blumengeschmückt auf den Wellen schaukelte: das neue 300 PS starke neue Rettungsboot.

Anzeige

Wasserwachtvorstand Markus Konstantin ließ noch einmal die vergangenen vier Jahre Revue passieren. Begonnen hatte alles mit einem Motorschaden des alten Bootes im Sommer 2010. Kostenvoranschläge über Reparaturen von rund 50 000 Euro und die Tatsache, dass das kleine Boot auch bereits 40 Jahre alt war, ließen schnell Wünsche und Überlegungen für ein neues großes Boot aufkommen. Noch Ende 2010 wurde ein Anforderungsprofil erstellt und an die Kreis- und Bezirksverbände geschickt. Nach deren Zustimmung für ein neues Boot wurden etliche Kostenvoranschläge eingeholt.

Das Rennen machte schließlich die »Christian Maier KG – Mercury Service Center« in Grassau. Es folgte die Planungszeit mit immer wieder neuen Verbesserungsideen. »Anfang 2012 dachten wir schon an eine Fertigstellung zur Saison 2013, doch Lieferengpässe für die Einzelanfertigung und Neuentwicklung des Bootes führten zu einer einjährigen Verzögerung«, so Vorstand Konstantin.

Bei der Namensgebung für das neue Boot haben sich die Wasserwachtler für den althochdeutschen Namen »Siegfried« entschieden. Zum einen wollte man damit laut Konstantin den verstorbenen Siegfried Berthold, Gründungsmitglied und langjährigen Förderer der Überseer Wasserwacht, ehren. Zum anderen passe ihrer Meinung nach die Bedeutung des Namens von »Sieg, Friede, Schutz und Sicherheit« zur Mission des Bootes. Die Sekttaufe des Bootes nahm später die Enkelin von Siegfried Berthold, Flora Bachmann, vor.

Den kirchlichen Segen spendeten der katholische Gemeindereferent Richard Mittermaier für den schwer erkrankten Pfarrer Makanga und der evangelische Pfarrer Wolfgang Schmidt-Pasedag. »Hier geht es ums Leben. Und hier braucht es Menschen die wissen, was zu tun ist und die eine gute Ausrüstung haben«, betonte Mittermaier. Pfarrer Schmidt-Pasedag erinnerte daran, dass 1896 erstmals in Deutschland vier Wasserrettungsstationen am Staffel-, Ammer, Boden- und Chiemsee gegründet worden waren. Heute gibt es 137 000 aktive Mitglieder in den Wasserwachten, davon alleine 51 000 aktive Rettungsschwimmer.

Nach der Segnung von Boot und Mannschaft gab es Grußworte, Geschenke und Spenden von Bürgermeister Marc Nitschke, vom Vorsitzenden des Kreisverbands, Konrad Schupfner, vom stellvertretenden Bezirksvorstand Claus Hieke, vom Vorsitzenden der Kreiswasserwacht, Hans-Michael Weisky, vom Vorstand des Anglerbundes, Sepp Haiker, von Bootsbauer Christian Maier und vom stellvertretenden Feuerwehr-Vereinsvorstand, Stefan Berres.

Alle gratulierten zum schmucken »Siegfried« und drückten die Hoffnung auf stets gesunde Rückkehr von Mannschaft und Geretteten zur Wasserwachthütte aus. Die Einweihungsfeier klang mit Musik vom Trauntal-Duo im Festzelt aus.

Das Boot

Das Rettungsboot ist von der „Christian Maier KG – Mercury Service Center“ in Grassau nach den Plänen von Konstrukteur Franz Bodmeier vom gleichnamigen Konstruktionsbüro in Grafing als Einzelanfertigung und Neuentwicklung gebaut worden. Es ist 7,5 Meter lang, 2,6 Meter breit und hat ein Leergewicht von zwei Tonnen. Mit einem Jet-Antrieb ausgerüstet, hat es einen 300 PS Benzinermotor 350 MAG V 8. Das Boot ist für acht Personen zugelassen, wobei eine Person auch liegend transportiert werden kann. Das Besondere an der Konstruktion ist die stabile Schwimmlage und die scharfe Bugform, um gut durch die Welle zu kommen. Planung und Herstellung des Bootes haben zwei Jahre gedauert. Insgesamt hat das Boot rund 120 000 Euro gekostet. Fachleute schätzen den Wert jedoch auf gut 150 000 Euro. „Es ist uns klar, dass wir beide und alle am Bau Beteiligten Federn gelassen haben“, sagen Maier und Bodmeier übereinstimmend. „Alle wollten aber, dass das Boot bei uns gebaut wird und nicht in irgendeiner norddeutschen Werft.“ bvd