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Sie wollen »kämpfen, bis es keinen Schnee mehr gibt«

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Das Vorstandstrio der Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns (von links): Wolf Guglhör, Claudia Till und Walter Kellermann. (Foto: Höfer)

Traunstein. Ein Jahr lang gab es im Verein nur einen »Notvorstand«, zwei Stellvertreter, aber keinen Vorsitzenden. Nun läuft bei der »Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns« wieder alles in geordneten Bahnen. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Traunstein stellte sich Wolf Guglhör, der bereits etliche Jahre den Vorsitz innehatte, wieder zur Wahl. Sein Stellvertreter bleibt Walter Kellermann, als zweite Stellvertreterin neu im Team ist Claudia Till.


Stellvertreter Kellermann sagte zum Selbstverständnis des Vereins: »Wir sind wichtig und wir werden kämpfen, bis es keinen Schnee mehr gibt.« Die Verantwortlichen im Verein sind immer noch stolz auf ihren großen Erfolg. Mehr als 200 Skibergsteiger waren am 26. Januar diesen Jahres hinaufgestiegen zum Dürnbachhorn und hatten bei der Finsterbach-alm gegen die Skischaukelpläne Heutal-Winklmoosalm demonstriert. »Die Außenwirkung war hervorragend«, sagte Wolf Guglhör. Die Unterstützung der bayerischen Politik folgte auf dem Fuß: Alois Glück und Forstminister Helmut Brunner, zuständig auch für die Saalforste auf österreichischem Gebiet, stellten dem Begehren der dortigen Tourismuswirtschaft ein klares Nein entgegen. Auch die Almgenossenschaft Winklmoos hatte sich im Mai mit großer Mehrheit gegen das Projekt ausgesprochen.

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»Aber wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen«, warnte Guglhör seine Mitstreiter, unter ihnen viele Vertreter der umliegenden Alpenvereinssektionen. Denn es gehe nicht nur um eine mögliche Skiverbindung. »Die Unkener schielen auch in Richtung Sonntagshorn«, betonte Walter Kellermann. Dieser Gipfel ist ein beliebtes Ziel von Skibergsteigern.

Die Pinzgauer Nachrichten hatten Ende August von »Ernüchterung in Unken« geschrieben, davon, dass die ehrgeizigen Skischaukelpläne wohl kaum zu verwirklichen seien. Dennoch glaubt Kellermann, dass eine Mehrheit in dem Pinzgauer Ort nach wie vor die Erschließungspläne befürwortet. »Das sind nette Leute dort, aber die haben sich verrannt«, so sein Urteil. »Wir sollten sie zu einem sanften Tourismus ermutigen«, empfahl Guglhör und dachte laut darüber nach, eine wissenschaftliche Arbeit dazu in Auftrag zu geben.

Schatzmeister Klaus Herold sieht Unken als potenzielles »Bergsteigerdorf«. Solche auf naturverträglichen Tourismus ausgerichtete Orte gibt es in Österreich inzwischen einige und auch der Deutsche Alpenverein plant, sich dieser Initiative der österreichischen Kollegen anzuschließen, wie Manfred Scheuermann berichtete. Der Verantwortliche beim DAV-Hauptverein in Sachen Skibergsteigen sicherte der Aktionsgemeinschaft die »hundertprozentige Unterstützung« zu.

Noch vor einem Jahr hatte es Wolf Guglhör abgelehnt, das Amt des 1. Vorsitzenden weiterhin auszuüben. Eigentlich hätte er sich einen Jüngeren an der Stelle gewünscht, jemanden, der schnell mal am späten Nachmittag noch hinaufläuft zum Ort des Geschehens. »Ein schönes Arbeiten mit aktiven Mitstreitern«, ließ ihn noch einmal Ja sagen. Nachwuchs fand sich dennoch: Zur Freude der Versammlungsbesucher erklärte sich Claudia Till bereit, neben Walter Kellermann als weitere Stellvertreterin zu agieren. Schatzmeister bleibt Klaus Herold, unverändert auch der Schriftführer Rudolf Till.

Der langjährige Forstamtsleiter in den Saalforsten, Hans Sleik, hatte zuvor mit Bildern über die Gefährdung der Schutzwälder informiert, vor allem aber auf deren Bedeutung für die Siedlungsräume in den Alpentälern verwiesen. Ökologie und Ökonomie gingen hier Hand in Hand. Aus Sleiks Sicht wären bei einer Skierschließung technische Lawinenverbauungen unverzichtbar. »Meine Liebe gehört diesem Verein«, beteuerte er abschließend. »Wir haben gezeigt, an uns kann keiner vorbei«, erklärte selbstbewusst der ehemalige und neue Vorsitzende. höf