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»Sie sollen dort kandidieren, wo sie daheim sind...«

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Nach dem Parteiaustritt des Vorsitzenden der CSU-Mittelstandsunion, Heinrich Wallner aus Chieming und seinem Beitritt zur Bayernpartei kritisierte dieser gestern in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt die Partei, in der er 22 Jahre seine politische Heimat hatte. Gleichzeitig zeigte er sich optimistisch, über seinen Listenplatz bei der Bayernpartei einen Sitz im Bezirkstag zu erobern. Das blieb ihm bei der CSU verwehrt und war wohl auch der Auslöser für seinen Parteiaustritt.


Bei der Nominierungsversammlung am 31. Juli in Bergen war Wallner in der Stichwahl unterlegen. Mit 73 zu 67 Stimmen hatten sich die Delegierten für die Geschäftsführerin der Lebenshilfe im Landkreis Traunstein, Annemarie Funke, als Kandidatin für den Bezirkstag ausgesprochen. Die Verärgerung darüber, dass da jemand »wie Phönix aus der Asche gezaubert wird«, sei einer der entscheidenden Punkte für seinen Parteiaustritt gewesen, räumte Wallner ein. »Man soll dort kandidieren, wo man daheim ist« – seine Gegenkandidatin stammt aus Oberfranken und lebt erst seit einigen Jahren im Landkreis Traunstein. Wallner weiter: »Es fehlen Repräsentanten meines Alters, die mitten im Leben stehen.« Kritisch äußerte er sich auch zu der nicht nur in der CSU immer stärker in den Vordergrund tretenden Frauenquote: »Totaler Schwachsinn!«

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Überwiegend bedauernd haben Wallners ehemalige Parteifreunde dessen Schritt zur Kenntnis genommen. Sie hatten vergeblich versucht, den umtriebigen Mittelständler umzustimmen. Als »höchst unangenehm« bezeichnete gestern CSU-Kreisvorsitzender Klaus Steiner Wallners Schritt. Er habe mehrfach mit ihm gesprochen und versucht, ihn umzustimmen, betonte Steiner: »Schade, dass er weggeht.« Aber als Kreisvorsitzender müsse er das Abstimmungsergebnis der Delegierten akzeptieren. Dass der Austritt Wallners eine Signalwirkung haben und andere unzufriedene Parteimitglieder zum Austritt animieren könnte, glaubt Steiner aber nicht.

Im Kreistag wird Wallner voraussichtlich bis zum Ende der Legislaturperiode als fraktionsloses Mitglied weiterarbeiten. Am Donnerstag hatte Wallner den CSU-Fraktionsvorsitzenden Karl Kaditzky über seinen Schritt informiert. Die CSU-Kreistagsfraktion muss darüber entscheiden, ob Wallner seine Ausschusssitze als fraktionsloses Mitglied behalten kann oder die CSU die Sitze neu besetzt.

Abgeben muss Wallner seine Ämter bei der CSU als Vorsitzender der Mittelstandsunion, als stellvertretender Kreisvorsitzender und als Delegierter. Sein Amt als 3. Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Chieming wird Wallner wohl bis zum Ende dieser Legislaturperiode behalten. Entschieden wurde darüber gestern nach Redaktionsschluss in einer Sitzung der CSU-Fraktion im Chieminger Gemeinderat.

Für die Bayernpartei im Landkreis Traunstein ist der Wechsel Wallners höchst erfreulich. Ihr Stimmenanteil liegt zwar regelmäßig deutlich über dem oberbayerischen Durchschnitt; die Chancen, ins Bezirksparlament einzuziehen, hat man jedoch nur über die Liste. Der letzte Direktkandidat, Hans Schupfner, erreichte 2008 nicht einmal 5 Prozent der Stimmen, die Bayernpartei auf Bezirksebene kam auf nur knapp über 2 Prozent. - K.O.-