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Sie kümmern sich in vielfacher Weise um Flüchtlinge

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Traunreut – Ein Kreis von rund 50 ehrenamtlichen Helfern kümmert sich in Traunreut in vielfacher Weise um die Flüchtlinge. Als kleines Dankeschön der Stadt wurden die Mitglieder des Helferkreises jetzt zu einem gemeinsamen Abendessen in das Gasthaus Namberger in Hörpolding eingeladen. Bürgermeister Klaus Ritter dankte allen Helfern für ihren Einsatz. Sozialreferentin Helga Zembsch wiederum hob die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Helferkreis und Stadt hervor.


Der harte Kern des Helferkreises ist schon seit rund zwei Jahren aktiv und wendet zahlreiche Stunden auf, um den Flüchtlingen in allen möglichen Belangen beizustehen. Eine wichtige Hilfe ist der Deutschunterricht, der von den Ehrenamtlichen im Mehrgenerationenhaus und in der Gesamtunterkunft angeboten wird. Doch damit nicht genug. Einzelne Personen kümmern sich intensiv um die jeweiligen Asylbewerber, helfen bei der Arbeits- oder Wohnungssuche, gehen mit ihnen auf Ämter und sind in manchen Fällen so etwas wie eine Ersatzfamilie.

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Ehepaar als Beispiel für das Engagement der Helfer

Ein Ehepaar aus Stein, das nicht namentlich genannt werden will, ist beispielhaft für den großen Einsatz aller ehrenamtlichen Helfer. Anfangs gab die Frau »nur« Deutschunterricht im Mehrgenerationenhaus, dann kümmerte sie sich nach und nach um einzelne junge Männer aus verschiedenen Herkunftsländern und wird dabei tatkräftig von ihrem Mann unterstützt. Er hat sich nach und nach viel Wissen angeeignet, bei Behörden immer wieder nachgefragt, wenn ein konkretes Problem eines seiner Schützlinge auftauchte, in den letzten Monaten unzählige Anträge ausgefüllt. Er fährt mit den jungen Männern, die er und seine Frau betreuen, persönlich zu Terminen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach München oder auch mal zum Deutschtest bis in die Oberpfalz. Als ein Eritreer, um den sich die beiden kümmern, die Asyl-Anerkennung erhielt, dachten sie eigentlich, die Betreuung könnte damit beendet werden. Aber das Gegenteil war der Fall, es wurde eher noch mehr. Nun hieß es, eine Wohnung für den jungen Mann suchen, diese einrichten und dazu die Bekannten »abgrasen« nach Möbeln und Einrichtungsgegenständen.

Für ihre Schützlinge sucht das Paar Arbeitsplätze, wird selber bei den Firmen vorstellig und war auch schon erfolgreich. Sie helfen beim Lernen für die Berufsschule, begleiten zum Arzt und vieles mehr. Die jungen Männer sind den beiden inzwischen sehr vertraut und gehören zur Familie fast wie zusätzliche Kinder, »ich könnte es mir gar nicht mehr ohne sie vorstellen«, betonte die Frau. »Ich weiß gar nicht mehr, was wir vor zwei Jahren mit unserer freien Zeit angefangen haben, bevor wir uns um die Flüchtlinge kümmerten«, ergänzt der Mann.

Diese beiden sind nur ein Beispiel für das Engagement aller Männer und Frauen im Helferkreis. Ein Großteil von ihnen ist bereits in Rente. Sie sind oft viele Stunden und mehrmals in der Woche in den unterschiedlichsten Angelegenheiten unterwegs. Doch auch wer noch in Arbeit ist, nimmt sich zumindest ein- oder zweimal pro Woche die Zeit dazu.

Bemühungen um Integration werden zunichte gemacht.

Sehr frustrierend empfinden die Helfer derzeit die Situation, dass immer mehr Ablehnungsbescheide erlassen werden und die Abschiebung der Flüchtlinge droht. Ihre Bemühungen um Integration würden damit zunichte gemacht. Selbst bestehende Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisse seien offenbar kein Hinderungsgrund, die Menschen des Landes zu verweisen. »Da stellt doch kein Arbeitgeber mehr einen Asylbewerber ein«, so die Helfer.

Annett Parthum von der Stadtverwaltung freut sich weiterhin über jeden neuen ehrenamtlichen Helfer, den sie in ihre Liste aufnehmen und bei Bedarf anfragen kann. »Ein Herr, der demnächst in Rente gehen wird, hat schon angekündigt, dass er sich dann mit einbringen will«, erzählte sie. Beim geselligen Abend kam auch die Sprache auf günstige oder kostenlose Gebrauchsgegenstände für Flüchtlinge, die eine eigene Wohnung beziehen. Annett Parthum verwies auf die Internetseite der Stadt Traunreut, wo unter dem Punkt »Asyl« in einer »Hilfsbörse« Gegenstände eingestellt und angesehen werden können, die zur Verfügung stehen. mix