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Sie kam selbst vor vielen Jahren als Fremde ins Land

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Wenn Mahmoud Yacob und Salomon Mebrahtom zu Terminen müssen, dann hilft ihnen Mara Gerullis (links) und fährt sie hin. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen und die Sprache nicht zu sprechen. (Foto: Mix)

Traunreut – Mara Gerullis hatte nicht vor, sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe zu betätigen. Doch durch die unmittelbare Nachbarschaft zu Asylbewerbern in ihrem Wohnblock entstand der Kontakt und die damit nun schon seit drei Jahren andauernde Hilfe ganz von allein. Sie selber stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien und weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man als Fremder in ein Land kommt, wo alles ganz neu ist und man die Sprache zunächst nicht beherrscht.


Für Mara Gerullis ist es gar nichts so Besonderes, was sie seit einiger Zeit für eine ganze Reihe junger Asylbewerber tut. »Man hilft halt«, lautet ihre lapidare Auskunft. Ursprünglich wohnten gleich neben ihr acht junge Männer aus verschiedenen Ländern in einer dezentralen Flüchtlingsunterkunft. Jetzt sind dort noch drei Eritreer, die inzwischen anerkannt sind und die Wohnung gemietet haben.

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»Sie hilft uns bei der Suche nach Arbeit«

»Mara ist so eine nette Frau, sie fährt uns immer zu Terminen, hilft uns bei Briefen, die wir nicht verstehen und bei der Suche nach Arbeit«, betont Salomon Mebrahtom. Er hat mit ihrer Hilfe einen Ausbildungsplatz als Altenpfleger im AWO Seniorenzentrum gefunden, einer seiner Mitbewohner macht eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Der Dritte im Bunde, Mahmoud Yacob, ist noch auf der Suche. Er möchte gerne KFZ-Mechatroniker werden.

»Du musst die Sprache können«

Mara Gerullis nimmt sie alle wie Enkel an und kümmert sich um sie. Voraussetzung dafür ist aber auch, dass die Männer selber was beitragen. »Sie sind sehr eifrig, wollen lernen«, erzählt sie. Als erstes habe sie ihnen damals klar gemacht, dass sie so schnell wie möglich Deutsch können müssen. Für sie gilt ganz klar: »Wenn du hier leben willst, musst du die Sprache können, das ist schon die halbe Integration.«

Bei ehrenamtlichen Helfern und der Volkshochschule lernten sie auch eifrig und sprechen heute ein gut verständliches Deutsch. »Ich bin extrem dahinter, dass sie alle Arbeit bekommen, und sage ihnen klipp und klar, wie die Regeln bei uns in Deutschland sind«, stellt die resolute Dame fest, die schon auch mal streng mit den jungen Männern sein kann und ihnen deutlich sagt, wenn sie was falsch machen. Gleichzeitig lobt sie sie aber auch, sie nähmen ihre Anregungen sehr ernst, seien überaus hilfsbereit, ordentlich und höflich. »Es gibt auch andere Asylbewerber, die kein Interesse zeigen. Mit denen will ich nichts zu tun haben. Ich investier meine Zeit in die, die es wert sind.«

Die aus Eritrea stammenden Männer sind nun seit drei Jahren in Traunreut und sehr froh um die Hilfe von Mara Gerullis: »Wir brauchen jemanden, den wir fragen können, einen festen Ansprechpartner.« Ein schönes gemeinsames Erlebnis war eine Hochzeit, bei deren Organisation die Traunreuterin mit eingebunden war. Eine junge Frau aus Eritrea, die in Traunreut wohnt, und ihr Bräutigam heirateten in München bei einem eritreischen Pfarrer. Die anschließende Feier fand in Traunreut statt mit traditionellen Trachten, Speisen und Tänzen. Mara Gerullis war mittendrin und begeistert.

»Auf freiwilliger Basis funktioniert das nicht«

Die Helferin sieht aber auch Schwächen im deutschen System, die sie klar anspricht. Ihrer Meinung nach sollte jeder Asylbewerber verpflichtet werden, einen Deutschkurs zu besuchen – »auf freiwilliger Basis funktioniert das nicht«. Lange Wartezeiten für einen Kurs dürfte es nach ihrem Willen nicht geben. Auch müsse man den Flüchtlingen gleich von Anfang an die in Deutschland herrschenden Regeln und Gesetze vermitteln. »Wir haben die Leute rein geholt, jetzt müssen wir auch was für sie tun«, lautet ihr Statement. Da sie selber 1980 nach Deutschland kam und kein Wort Deutsch konnte, weiß sie genau, wie das ist. Aber sie betont auch zu den Männern aus Eritrea: »Wenn ich es geschafft habe, schafft ihr es auch.« mix

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