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»Sie glauben gar nicht, was wir alles erleben«

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»Es gibt nichts, was es nicht gibt«, sagt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern zur Begründung der »Durchfahrt verboten«-Schilder an den Wasserrückhaltebecken bei der Anschlussstelle Bergen-Hochfelln. (Foto: Hohler)

Bergen – »An dieser Stelle Verbotsschilder aufzustellen, ist doch was für die ganz Blöden«, schüttelt Michael Kain den Kopf. Der Bergener ist beruflich viel auf der Autobahn unterwegs und konnte es kaum glauben, als er zum ersten Mal die Schilder in der Mitte der Autobahnauffahrt bei Bergen-Hochfelln in Richtung München sah.


»Sie glauben gar nicht, was wir alles erleben«, sagt dagegen Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern dazu. Die »Durchfahrt verboten«-Taferl stehen bei Bergen-Hochfelln auch an der Zufahrt zu dem neuen Wasserrückhaltebecken in der Abfahrt in Richtung Salzburg. Dabei seien die Wasserrückhaltebecken technische Einrichtungen, die der Entwässerung der Autobahn bei Starkregen dienen.

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Die Schilder seien zum einen rechtlich notwendig: »Wir haben da auch eine Verkehrssicherungspflicht. Würden wir die Zufahrt nicht verbieten und es würde jemandem etwas passieren, wären wir haftbar. Außerdem hat nur so die Polizei eine Handhabe«, sagt Seebacher.

Natürlich muss der Autobahnbetriebsdienst von dem Verbot ausgenommen sein, müssen die Mitarbeiter doch zweimal im Jahr die Umrandung mähen und je nach Bedarf den Schlamm ausbaggern, der sich im Laufe der Zeit in den Becken absetzt.

»Aber sie glauben gar nicht, was wir da alles erleben. Sämtliche Betriebszufahrten werden für alles Mögliche genutzt, zum Abstellen von Wohnwagen, Lastwagen oder mal zur Brotzeitpause, die auch gern mal auf dem Standstreifen gemacht wird. Wir haben auch Motocrosser, die die Wände der Becken besonders spannend finden und Mountainbiker, die meinen, sich hier etwas beweisen zu müssen.« Und je weiter man in Richtung München komme, desto unglaublicher seien die Ideen zur Nutzung. So hätten auch schon Angler ihr Glück in den Becken versucht und Hundebesitzer ihre Hunde frei durch Vogelbrutgebiete laufen lassen. Dabei sei die Autobahndirektion rechtlich dazu verpflichtet, ökologische Ausgleichsflächen von jedweder Nutzung freizuhalten. »Es gibt da nichts, was es nicht gibt. Deshalb wird die Durchfahrt generell verboten«, so Seebacher. coho