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Sichtbarer Hinweis auf den Ruf Gottes

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Die Barbarazweige schneidet man am 4. Dezember und stellt sie dann in der Wohnstube ins Wasser. Sie sollen bis zum Heiligen Abend blühen.
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Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: die Barbarazweige.


Die beliebten Barbarazweige, also die Zweige von Kirsch-, Weichselbaum oder da und dort auch Forsythien, die man am 4. Dezember schneiden und dann in der Wohnstube ins Wasser stellen soll, sie haben, streng genommen, weder mit dem Namensfest der heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute, Artilleristen und Sterbenden, noch mit Weihnachten an sich etwas zu tun. Trotzdem wird dieser schöne »Brauch« bis heute ausgeübt.

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Er geht auf das 15. Jahrhundert zurück, auf die Legende, wonach sich ein Kirschzweig im Kleid der heiligen Barbara verfangen hat, als sie auf dem Weg ins Gefängnis gewesen ist. In ihrer Zelle stellte sie den Zweig dann in einen Krug mit Wasser. Ins Gefängnis hatte man sie wegen ihres beständigen Glaubens an Jesus Christus gesteckt, später wurde sie wegen ihres standhaften Glaubens sogar hingerichtet. Am Tag ihres Martyriums, so die Legende, soll der Zweig dann zu blühen begonnen haben. Das Zeichen der Blüte war für die heilige Barbara ein sichtbarer Hinweis auf den Ruf Gottes, in die himmlische Herrlichkeit zu kommen.

Die theologische Botschaft zu den blühenden Zweigen mitten im Winter ist wohl eine andere. Nachdem man das Blühen zu diesem Zeitpunkt als seltsam und außergewöhnlich empfand, weil es etwas war, was den gewohnten Rhythmus der Natur sprengte, verstand man es als Fingerzeig auf etwas Außergewöhnliches und Übernatürliches, ja sogar als etwas von Gott Gewolltes.

So etwas fordert den Menschen geradezu auf, dann darüber hinaus auch über das Rätsel der Geburt des Gottessohns an Weihnachten nachzudenken. Mit Christus kommt das wärmende Licht des Friedens in die kalte und finstere Welt. Er ist der Frühling der Welt, also die Zukunft des Menschen.

Die Theologie wusste immer schon, so Paul Werner in seinem Buch »Weihnachtsbräuche in Bayern«, »dass Mythos und Symbole, Vergleich und Gleichnis den Kern der religiösen Sprache bilden. Jedenfalls ist die bildliche Sprache der Legenden und Gleichnisse wärmer und wirksamer als abstrakte und kalte Begriffe.« Das Unbegreifliche lässt sich wenigstens ein Stück weit erahnen. fb