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Sicherheitswacht als eine Form von »Streetwork«

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Foto: dpa/Symbolbild

Waging am See – Um das Thema »Sicherheitswacht« ging es bei einem Treffen in der Waginger Tourist-Info, zu dem knapp 20 Besucher gekommen waren.


Der Laufener Polizeichef Erwin Wimmer und Polizeihauptkommissar Matthias Köppel informierten dabei über die Aufgaben einer Sicherheitswacht. Dem Vernehmen nach hätten sich bereits einige Interessierte aus dem Bereich Waging gemeldet.

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Die Sicherheitslage in Waging sei sehr gut, war es Wimmer wichtig, gleich zu Anfang zu betonen; Ziel sei es, dass das so bleibe. Daher sei auch für Waging angestrebt, eine Sicherheitswache auf die Beine zu stellen – als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Polizei, als »wandelnde Notrufsäulen und Auskunftsbüro«, wie er sagte. Schon seit 20 Jahren gebe es in Bayern Sicherheitswachten, und es sei politischer Wille, diese auszuweiten.

Dabei sollen die Sicherheitswachten die Polizei nicht ersetzen, weil es etwa zu wenig Polizisten gebe, so Wimmer weiter. Und man möchte damit, wie Köppel ausführte, auch »keine Hilfssheriffs« oder eine »Bürgerwehr« schaffen. Aufgabe der Sicherheitswacht sei es vor allem, Präsenz zu zeigen, Ansprechpartner der Bürger zu sein. So sei es im näheren Umkreis der Fall: Denn Sicherheitswachten gebe es bereits in Traunstein, Freilassing, Burgkirchen und Burghausen.

Wie die konkrete Arbeit der Sicherheitswacht aussieht, davon kann Rita Blum ein Lied singen. Sie ist eine Frau der ersten Stunde und arbeitet seit sechs Jahren in Burghausen als eine von elf Angehörigen der dortigen Sicherheitswacht mit. Und so, wie sie den Alltag auf ihren Streifengängen schilderte, ist dies mehr Sozialarbeit oder »Streetwork« als Polizeiarbeit.

Die Ehrenamtlichen sind, wo viel los ist

So halten sich die Mitarbeiter beispielsweise am Schulanfang im Umfeld der Schulen auf, was allein schon den positiven Effekt habe, dass die Autos langsam an den Schulen vorbei fahren und dass die Fußgänger die Ampeln beachten. Auch bei Festen und Fußballspielen seien die Mitglieder der Sicherheitswacht im Einsatz, sie machten regelmäßige Runden zu Spielplätzen und anderen Orten, wo viel los sei. Und sie informieren die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, wenn irgendwo Gullideckel ausgehoben wurden oder Lampen kaputt sind.

Und ganz und gar nicht zuletzt hören sie den Menschen zu, denen sie auf ihren Rundgängen begegnen, wie Rita Blum betonte. Denn die Leute sähen zwar vieles, was nicht in Ordnung sei oder getan werden sollte, aber wissen oft nicht, an wen sie sich damit wenden sollen. Immer wieder komme es auch vor, dass sie von Menschen angesprochen werden, die wirklich nur jemanden brauchen, dem sie ihr Herz ausschütten und Leid und Kummer los werden können: »Da versuchen wir zuzuhören, und geben auch mal Tipps. Und manchem geht es danach wieder besser.«

Natürlich gibt es da auch unangenehmere Aufgaben: etwa wenn Bettler weggeschickt werden müssen oder wenn Jugendliche mit Alkohol erwischt werden. Aber auch da könnten die Mitglieder der Sicherheitswacht mit genügend Einfühlungsvermögen die jeweiligen Situationen meistern. Gerade bei Jugendlichen, so versicherte Rita Blum, habe die Sicherheitswacht Vertrauen gewonnen. Und das anfängliche Belächeltwerden gebe es auch längst nicht mehr.

Insgesamt stünden den Mitarbeitern einer Sicherheitswacht die gleichen Rechte und Pflichten zu wie jedem anderen Bürger auch. Darüber hinaus können sie Personen anhalten, sie befragen und ihre Personalien feststellen, sofern dies notwendig ist. Außerdem können sie bei Gefahr im Verzug einen Platzverweis erteilen.

Bürgern ein Gefühl der Sicherheit geben

So gelinge es der Sicherheitswacht, den Bürgern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, fasste Rita Blum zusammen. Und ihr selbst mache die Aufgabe nach wie vor viel Spaß, auch nach sechs Jahren; sie und auch ihre Kollegen seien mit Feuereifer dabei. Sie führte bei dem Treffen in Waging auch die Dienstkleidung vor, die bei T-Shirt und Winterjacke neben der Aufschrift »Sicherheitswacht« auch das polizeiliche Hoheitszeichen aufweist.

Am Ende des Abends konnten sich die Besucher Bewerbungsformulare mitnehmen. Bis Mitte November, so wäre es der Wunsch der Polizei, sollten sich Interessenten melden, die zwischen 18 und 65 Jahre alt sein und eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung haben sollen. Wer nach einem Vorstellungsgespräch für geeignet erkannt wird, der muss dann, bevor er seinen Dienst antreten kann, noch eine 40-stündige Ausbildung absolvieren und eine Prüfung ablegen. Für den Dienst gibt es eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde bei einem Maximum von 15 Stunden im Monat.

Von der Gemeinde erhofft sich die Polizei, falls eine Sicherheitswacht mit mindestens acht Mitarbeitern zustande kommt, einen Raum, in dem sich diese treffen und ihre Utensilien vom Funkgerät über Pfefferspray bis hin zur Dienstkleidung deponieren können. »Das wäre kein Hinderungskriterium«, sagte Bürgermeister Herbert Häusl. Die VG-Gemeinschaftsversammlung hatte ja für die Einrichtung einer Sicherheitswacht bereits Grünes Licht gegeben. he