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Sextäter missachtete Kontaktverbot zu Kindern

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Traunstein. Einen 70-jährigen Altöttinger verurteilte die Jugendkammer am Landgericht Traunstein gestern zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren – weil der 19-fach vorbestrafte Sextäter trotz eines strengen Kontaktverbots in Altötting Kinder angesprochen und mit Süßigkeiten und Namensanhängern »angefüttert« hatte.


Der aus Ellwangen stammende Angeklagte wurde seit 1965 – er war damals 22 Jahre alt – regelmäßig straffällig, auch wegen sexuellen Missbrauchs. Er war in psychiatrischer Unterbringung und zuletzt in Sicherungsverwahrung. Insgesamt verbrachte der 70-Jährige rund 25 Jahre in Gefängnissen, dazu zehn Jahre in Unterbringung und in Sicherungsverwahrung. Dazu Vorsitzender Richter Klaus Weidmann: »Die Hälfte seines Lebens bestand aus Freiheitsentzug.« Im Dezember 2012 wurde der Mann aus der Psychiatrie entlassen. Nach zwei Therapien landete er im Februar 2013 in einem Pflegeheim in Altötting. Nach den Sommerferien 2013 saß der 70-Jährige nach Besuchen bei seiner Schwester in Neuötting in Bussen, die auch Kinder nutzten.

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Zunächst sprach er ein Geschwisterpaar mehrfach an – später weitere vier Kinder – und versuchte die Kinder mit Geschenken zu ködern. In der Wohnung des homosexuellen Angeklagten, der auch die ihm verordneten elektronischen Fußfesseln nicht trug, fanden die Ermittler neben Nacktfotos junger Männer eine Menge Süßigkeiten, Stofftiere und Schlüsselanhänger mit Namen. Außerdem unternahm er Fahrten mit einem Pkw – obwohl er auch das laut Weisung nicht gedurft hätte. Der Grund: Er hatte 1988 ein elfjähriges Mädchen in ein Auto gelockt und es dort sexuell schwer missbraucht.

Der 70-Jährige beteuerte in einem Brief an Richter Klaus Weidmann, er sei seit mehr als sechs Jahren impotent und gesundheitlich schwer angeschlagen, somit keine Gefahr mehr für Kinder. Vor 1993 habe er »in Richtung Sex ein sehr bewegtes Leben geführt«. Bei den Vorfällen im Bus in Altötting habe er natürlich gewusst, dass er Kinder nicht ansprechen dürfe.

Ein Sachverständiger bezeichnete den Mann als »massiv dissozial entwickelte Persönlichkeit«. Weder eine Kernpädophilie noch eine Alterspädophilie lägen vor. Der Angeklagte bevorzuge junge Männer. Wohl durch »mangelhafte Attraktivität und aufgrund seines Alters« habe er sich wieder Buben zugewandt.

Verteidiger Erhard Frank betonte: »Ich schätze eine milde Strafe nicht höher ein als das Schutzbedürfnis von Kindern.« Nicht bewiesen sei, dass das »Anfüttern der erste Schritt zu weiteren Straftaten war«. Maximal zwei Jahre Haft seien angemessen. Staatsanwalt Markus Andrä beantragte drei Jahre Haft. Die Annäherungen an die Kinder seien laut Gesetz nicht nur eine abstrakte, vielmehr eine konkrete Gefahr. Im Urteil begründete Richter Weidmann, der Angeklagte habe gegen »zwei zentrale Weisungen« verstoßen – das »Kontaktverbot« einschließlich dem Verbot, Orte aufzusuchen, an denen sich typischerweise Kinder aufhalten, sowie Auto zu fahren. Für den Angeklagten spreche sein Geständnis. Dem 70-Jährigen gab er mit auf den Weg: »Wir hoffen, Sie stehen zum letzten Mal vor Gericht und dass die Altersweisheit mal greift.« kd