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SEPA: Enormer Aufwand, keine größeren Probleme

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Der Zahlungsverkehr wird in Europa vereinheitlicht. Allerdings haben längst noch nicht alle Unternehmen und Vereine auf SEPA umgestellt – ihnen kommt nun zugute, dass es wohl eine Nachfrist bis August geben wird. (Foto: Brenninger)

Bankkunden müssen sich bald umstellen: Denn das neue Zahlungssystem SEPA (steht für »Single Euro Payments Area«; übersetzt: einheitlicher Euro-Zahlungsverkehr) wird kommen, auch wenn die Europäische Union die Umstellung auf SEPA auf August verschieben möchte. Über diese Nachfrist müssen die EU-Institutionen in den nächsten Wochen aber noch beraten; laut EU-Kommission soll Mitte Februar endgültig alles geklärt sein. Die Verlängerung – sollte sie kommen – wird somit rückwirkend in Kraft treten.


»Es gibt noch viel zu tun«

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Mit dieser Nachfrist sollen vor allem Unternehmen und Vereine mehr Zeit für die Umstellung bekommen – und das scheint auch nötig zu sein. Denn obwohl die Banken schon seit Monaten darauf hinweisen, dass die Umstellung Zeit in Anspruch nimmt, läuft diese nur sehr schleppend.

Das beweist ein Blick auf die Vergabe der sogenannten Gläubiger-Identifikationsnummer, die für das neue Verfahren erforderlich ist. Diese bekommen Unternehmen und Vereine von der Deutschen Bundesbank. Bis 24. Dezember wurden erst 1,27 Millionen dieser Nummern vergeben, obwohl es in Deutschland 3,6 Millionen Unternehmen und rund 580 000 eingetragene Vereine gibt.

Der Gesetzgeber hat lediglich für die Privatkunden eine Ausnahmeregelung zugelassen, die bis 31. Januar 2016 befristet ist. Bis dahin können die Privatkunden ihre Aufträge nach wie vor mit den alten Kontonummern und Bankleitzahlen durchführen. Dennoch rät Rolf Hasslach von der Marketingabteilung der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost, dass sich auch die Privatkunden »schon jetzt an die neue internationale Kontonummer IBAN und die neue Bankleitzahl BIC gewöhnen sollen«.

Zudem rät er Unternehmen und Vereinen dringend, »sich jetzt wegen der gewonnenen Zeit, nicht zurückzulehnen, sondern das Thema wirklich in Angriff zu nehmen«. Auch Helmut Genghammer, Leiter Zahlungsverkehr bei der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg weiß, wenn er auf seine Zahlen blickt: »Es gibt noch viel zu tun.« Denn bisher wird beispielsweise nur ein Drittel aller Überweisungen per SEPA abgewickelt.

Das Traunsteiner Tagblatt hat sich im Landkreis umgehört, ob die Unternehmen und Vereine bereits fit für SEPA sind. Schon vor einem Jahr hat die Stadt Traunstein sich um die Umstellung in Zusammenarbeit mit der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) beziehungsweise entsprechenden Software-Anbietern gekümmert. »Im Laufe der vergangenen Monate wurden alle Einzugsermächtigungen – rund 8000 Fälle – geprüft«, teilt die Pressereferentin der Stadt, Carola Westermeier, mit. Die Umstellung, die für die Stadt einen enormen Aufwand darstellte, ist zum Jahresbeginn 2014 erfolgt, betont sie weiter. »Wobei bisher keine größeren Probleme aufgetreten sind«, fügt sie hinzu.

Auch die Sektion Traunstein des Alpenvereins ist für SEPA gerüstet. »Wir sind fertig«, sagt Susanne Schneider von der Alpenvereinssektion. An die 6000 Mitglieder mussten informiert werden. Bei der Umstellung habe es keinerlei Probleme gegeben, sagt sie. »Das war alles machbar.« Bei der Pferdesportgemeinschaft Traunstorf, die 140 Mitglieder hat, ist die Umstellung auf das neue Zahlungssystem ebenfalls bereits erfolgt. »Es läuft jetzt an«, sagt Kassier Reiner Finkenzellner.

Mehraufwand ist erforderlich

Das Landratsamt Traunstein hat nach Auskunft von Kreiskämmerer Karlheinz Thiel die Vorbereitung zur SEPA-Umstellung noch nicht abgeschlossen. Allerdings muss das Landratsamt die Fristverlängerung wohl auch nicht in Anspruch nehmen. »Wir sind klar in der Endphase und zuversichtlich, dass wir zum 1. Februar fertig werden«, betont er. »Die Umstellungsarbeiten bedeuten sehr viel Aufwand und fordern hohen Personaleinsatz«, fügt er hinzu. »Nicht einfach war auch, die EDV-technischen Voraussetzungen zu schaffen.«

Thiel sieht den Vorteil von SEPA darin, dass es eine Erleichterung und Beschleunigung des Zahlungsverkehrs im Euro-Raum gebe. Das neue Zahlungsverfahren sei allerdings sehr bürokratisch, erfordere einen Mehraufwand in der Abwicklung und erschwere besonders das Lastschrifteinzugsverfahren, nennt er auch Nachteile.

Und die Banken selbst? »Wir sind fit für SEPA und unsere Tochterfirmen auch; nun sind wir bemüht, auch unsere Kunden dafür fit zu machen«, sagt Rolf Hasslach. Die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost habe das Ganze sukzessive umgestellt, fügt er hinzu. Auch die Computerprogramme und das Onlinebanking seien bereit für das neue System.

Bei der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg ist seit Mitte November alles für SEPA vorbereitet. »Die Umstellung war aufwändig«, sagt Helmut Genghammer. Dafür sei auch extra ein Projektteam eingesetzt gewesen. »Wir waren praktisch in der gleichen Situation wie unsere Kunden und gleichzeitig auch Ansprechpartner für unsere Kunden«, betont er. SB