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Seniorenheim mit 95 Pflegeplätzen geplant

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Die Bürger werden nun abstimmen, ob auf dieser »grünen« Wiese am Ortseingang von Grassau ein Senioren- und Pflegeheim errichtet werden soll. (Foto: T. Eder)

Grassau – Zwar hat die Marktgemeinde Grassau bereits ein Seniorenheim, doch entspricht dessen Ausstattung nicht mehr der Zeit. Ein neues, modernes Senioren- und Pflegeheim mit zusätzlichen vier Wohnhäusern für Betreutes Wohnen könnte auf der großen Rossanger-Wiese, gleich gegenüber der Tankstelle, entstehen. Das Projekt wurde in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung vorgestellt. Eine Bürgerbefragung hierzu soll folgen.


Schon mehrfach scheiterten Bauprojekte auf dem Rossanger. Sollte vor vielen Jahren hier ein Discounter errichtet werden, verhinderten die Bürger diese Bebauung. Auch die Aussiedelung der »BayWa« erfolgte nicht. Mit dem neuen Projekt eines Senioren- und Pflegeheims sowie einer Wohnanlage für Betreutes Wohnen auf insgesamt 10 000 Quadratmetern zeigte sich der Rat zufrieden.

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Zunächst informierte Bürgermeister Rudi Jantke, dass auch das Rossangergebiet im kürzlich festgelegten Überschwemmungsgebiet mit Veränderungssperre liege. Es wurde aber von dem Planungsbüro Aquasoli eine Stellungnahme eingeholt, wonach das Gebiet unter bestimmten Auflagen bebaut werden kann. Auch ein schalltechnisches Gutachten müsse gemacht werden. Zudem hatte der Rat einst beschlossen, dass vor einer Überplanung eine Bürgerbefragung durchgeführt werde. Jantke sah etliche Vorteile für die Bürger, darunter die Möglichkeit, dass die Bewohner des Grassauer Seniorenheims in das neue umziehen können. Zudem werden Grassauer Bürger bevorzugt aufgenommen und rücken bei einer möglichen Warteliste nach oben. Im bestehenden Seniorenheim sollen Mitarbeiterwohnungen entstehen.

Die Firmen Wohnbaulinie Grassau und Erlbau, Deggendorf planen neben dem großen Seniorenheim mit 95 Plätzen auch vier Einzelhäuser mit jeweils acht betreuten Wohnungen. Ein weiterer Vorteil sei, so Jantke, dass die Gemeinde die Fläche für den Bau eines dieser vier Gebäude, also 25 Prozent, erhalte. Dort könnte die Gemeinde ihr Gebäude als sozialen Wohnungsbau für bedürftige Grassauer Senioren realisieren, habe das Belegungsrecht und könne damit entscheiden, wer einzieht, so Jantke. Um Zweitwohnungen zu verhindern, werden die drei anderen Gebäude mit einer Dienstbarkeit belegt, wonach die Bewohner in Grassau ihren ersten Wohnsitz haben müssen.

Mehr als 35 neue Arbeitsplätze möglich

Die restliche Fläche des Rossangers würde als landwirtschaftliche Fläche festgelegt. Jantke verwies auch auf die zusätzlichen Arbeitsplätze, die sich von derzeit 35 auf über 70 erhöhen werden. Geplant ist neben vier Einzelhäusern ein großes Pflegeheim in »H-Form«. Die zwei langen Gebäudeteile werden knapp 17 Meter breit, 54 und 45 Meter lang.

Ein mittlerer Zwischenbau verbindet diese Teile. Planer Hans Hornberger erklärte, dass die Gebäude 10,5 Meter hoch werden sollen und damit genauso hoch wie das bestehende ehemalige Hotel »Hansbäck«. Die umgebende Bebauung liegt zwischen 9,6 und 8,5 Metern Wandhöhe. Nur das Heftergebäude ragt mit 12,5 Wandhöhe heraus. Ein Bebauungsplan sollte ausschließlich für die 10 000 Quadratmeter und für den Bau des Seniorenheims aufgestellt werden. Eine andere Nutzung sei dann ausgeschlossen.

Detailliert beschrieb der Geschäftsführer von Erlbau, Alois Erl, die mögliche Einrichtung mit Veranstaltungs- und Aufenthaltsräumen, Pflegeappartements, vorwiegend Einzelzimmer, jeweils mit Pflegebad. Die Wohnanlage mit vier Einzelhäusern für Betreutes Wohnen solle eine Eigentumswohnanlage werden, die die Käufer selbst nutzen oder vermieten können. Auskunft über das Betriebskonzept erteilte Georg Anagnostopoulo, Mitinhaber der »Anthojo« Gruppe, die auch das Grassauer Seniorenheim betreibt. Im Achental sei man seit mehr als 20 Jahren tätig. Seit 2016 gebe es das neue Wohnbauqualitätsgesetz mit neuen Anforderungen. Hierdurch entstehe eine Not, an dem bisherigen Seniorenheim etwas zu ändern. Man wolle aber in Grassau und möglichst in der Ortsmitte bleiben. Er informierte, dass eine eigene Abteilung im Erdgeschoß für Demenzerkrankte entstehen solle und auch eine Palliativstation sei vorgesehen.

Aufbau einer Tagespflegestation

Die Unterbringungskosten werden etwas höher, da die Investitionspauschale, ein Baustein der Kostenrechnung, steigen wird. Im bestehenden Seniorenheim sollen die Räume später in Personalzimmer umgewandelt werden. Zudem sei der Aufbau einer Tagespflegestation vorgesehen.

Wie hoch der Bedarf an Pflegeplätzen in Grassau sei, wollte Olaf Gruß wissen. Laut Anagnostopoulos sei Grassau zu 97 Prozent ausgelastet, wobei 80 Prozent der Bewohner aus dem Landkreis kommen. 42 Pflegeplätze werden derzeit in Grassau angeboten. Der Bedarf steige aber ständig. Auch die Kurzzeitpflege werde berücksichtigt, informierte er auf Anfrage von Daniela Ludwig (CSU). Suchtkranke werden jedoch nicht aufgenommen. Stefan Kattari (SPD) fragte nach den Arbeitsplätzen. Diese werden von 32 auf 70 aufgestockt, so der Geschäftsführer. Der Rathauschef verwies nochmals auf die Möglichkeit der Gemeinde, ein eigenes Gebäude zu errichten. Dieses würde von der Regierung sogar mit 30 Prozent bezuschusst. Alfred Körner (SPD) verwies auf den fehlenden Gehweg. Dieser müsste natürlich auf Kosten des Antragstellers weitergeführt werden, so Jantke. Mit einer Gegenstimme sprach sich der Rat für das Projekt aus.

Zunächst werde aber eine Bürgerbefragung durchgeführt, wobei in einem Informationsblatt die Fakten zusammengetragen werden und die Bürger dann im Rathaus sich für oder gegen das Vorhaben aussprechen könnten. tb