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Seit jeher ein unverzichtbares und geachtetes Handwerk

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Verdiente langjährige Mitglieder wurden bei der Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen der Innung des Bekleidungshandwerks geehrt. Von links: Innungsobermeister Rudolf Erl aus Emertsham, Kreishandwerksmeister Peter Eicher (er überreichte die Urkunden), Brigitte Huber aus Engelsberg, Irmengard Anner aus Piding, Anton Langseder aus Engelsberg, Eva Schweiger aus Ruhpolding, Eberhard Ludwig aus Freilassing und Rosina Aschauer aus Berchtesgaden. Auf dem Bild fehlen: Franz Ehrenlechner aus Teisendorf, Otto Hofer aus Grassau und Lieselotte Reithmaier aus Traunstein.

Traunstein. Jubiläumsstimmung bei der Innung des Bekleidungshandwerks Traunstein-Berchtesgadener Land. Im Schrannensaal des Traunsteiner Rathauses wurde das 100-jährige Bestehen der Innung mit einem Festakt begangen.


Innungsobermeister Rudolf Erl aus Emertsham betonte in seinem Rückblick die 100 Jahre des Bestehens der Innung, dass das Schneiderhandwerk selbst in Traunstein eine viel längere Tradition habe, die mindestens bis in das Jahr 1576 zurückreiche, wie aus einer urkundlichen Erwähnung hervorgehe. Die Schneider seien über die Jahrhunderte bei den stärksten Berufsgruppen gewesen. Elf Schneiderbetriebe habe es beispielsweise im Jahr 1771 gegeben. Die Schaffung gesetzlicher Grundlagen, nach denen sich Zünfte, die heute Innungen heißen, gebildet werden konnten, führten dazu, dass die drei Innungen Achental, Trostberg und Traunstein im Jahr 1912 zu einer Innung mit Namen Traunstein zusammengefasst wurden. Ein steigendes Lohnniveau machte es in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend schwierig, Kleidung handwerklich zu einem erträglichen Preis herzustellen was zu großen Veränderungen und Anpassungen für das Schneiderhandwerk führte betonte der Obermeister.

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Eva Schwaiger aus Ruhpolding zeigte im Nachgang zu den Ausführungen des Obermeisters Bekleidung in bester handwerklicher Ausführung, wobei gerade die historischen Trachten besondere Beachtung fanden.

Kreishandwerksmeister Peter Eicher aus Inzell betonte die Jahrhunderte alte Tradition des Schneiderhandwerks. Die Bekleidung sei mit dem Entstehen der Städte einem Wandel unterworfen worden. War frühere Kleidung einfach und zweckmäßig, wurde diese nun zum Statussymbol. Für die Schneider blieb trotz der aufwändigen Kleider finanziell oft nicht viel übrig – und so war »das arme Schneiderlein, das wir aus dem Märchen kennen, oft bittere Realität«, so der Kreishandwerksmeister. Die industrielle Revolution, die auch im Schneiderhandwerk durch Zuschneide-, Näh- und Knopflochmaschinen im Gewerbe Einzug hielt, verdrängte das Schneiderhandwerk teil- und zeitweise ganz, sodass in der heutigen Zeit neben einfachen Änderungs- und Reparaturschneidereien nur noch wenige Handwerksbetriebe übrig geblieben seien, die sich auf Maßkleidung spezialisiert haben.

Fachoberlehrerin Irmengard Anner aus Piding machte in ihrem Vortrag deutlich, dass die Mode immer schon dem Wandel der Zeit unterworfen war und spannte in ihren Ausführungen einen weiten Bogen vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Mode sei ein »lebendiges Spiegelbild einer Kultur, einer Epoche oder eines Landes.«

Dass das Thema »richtige Bekleidung« nicht immer so ganz einfach ist, machte Wolfgang Erl vom Erl Mode Atelier Altenmarkt deutlich: in seiner Präsentation »Bekleidungsknigge – Immer richtig gekleidet« zeigte er, auf was es bei der »richtigen«, der Etikette entsprechenden Bekleidung ankommt und gab den Rat, in der Bekleidung »lieber einen draufzusetzen, dann ist man auf der richtigen Seite«. Bekleidung habe viel mit der Persönlichkeit von Menschen zu tun: »Manchmal ist Mode ein Spagat zwischen dem, was man ist, und dem was man sein will.«

Viele Ehrungen

Dass es unter den Innungsmitgliedern ein oft über Jahrzehnte hinweg andauerndes Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander und zur Handwerkervertretung hin gibt, wurde bei den Ehrungen deutlich: Zehn Innungsmitglieder wurden für ihre langjährige, treue Mitgliedschaft geehrt: Irmengard Anner aus Piding, Rosina Aschauer aus Berchtesgaden, Franz Ehrenlechner aus Teisendorf, Innungsobermeister Rudolf Erl aus Emertsham, Otto Hofer aus Grassau, Brigitte Huber aus Engelsberg, Anton Langseder aus Engelsberg, Eberhard Ludwig aus Freilassing, Lieselotte Reithmaier aus Traunstein, Eva Schweiger aus Ruhpolding und Hertha Zimmer aus Bad Reichenhall erhielten jeweils eine Ehrenurkunde der Innung.

Innungsobermeister Erl betonte in seinem Blick in die Zukunft, dass er auch vor dem Hintergrund der Massenproduktionen nicht Angst um das Schneiderhandwerk habe: »Da erhält die Individualität einen immer größeren Stellenwert und es tun sich Nischen auf, an die wir heute gar nicht denken.« Er würde keinem jungen Menschen abraten, den Schneiderberuf zu ergreifen. awi