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Seit 65 Jahren eisern zusammengehalten

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Marianne und Joachim Brudna aus Traunstein feierten »Eiserne Hochzeit«. (Foto: Buthke)

Traunstein. Bei guter Gesundheit feierte das Ehepaar Marianne und Joachim Brudna aus Traunstein seine »Eiserne Hochzeit«. Vor 65 Jahren gaben sich die beiden in der damals noch selbstständigen Gemeinde Haslach das Ja-Wort. Der Not der Nachkriegszeit gehorchend, trug die Braut dabei ein Brautkleid aus feinster Fallschirmseide, das mit Nahrungsmitteln gekauft wurde.


Marianne Brudna, Jahrgang 1921, ist ein echtes Traunsteiner »G’wachs«. Ihr Vater war von 1935 bis Mitte der 1950er Jahre Wirt im Aubräukeller an der Wegscheidbrücke. »Ich hatte deshalb die Ehre, die Bierdimpfl bedienen zu dürfen«, lacht sie herzhaft.

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Joachim Brudna, Jahrgang 1927, ist gebürtiger Düsseldorfer. Kriegsbedingt war die ganze Familie über halb Europa verstreut. Weil die Eltern gute Bekannte in Traunstein hatten, vereinbarte die Fami-lie – frei nach dem braven Soldaten Josef Schwejk, der sich von seinem Freund Woditschka mit den Worten »Nach dem Krieg um halb sechs im Kelch« verabschiedet –, sich nach dem Krieg in Traunstein zusammenzufinden. So kam er hierher und half den Eltern seiner Frau im Aubräukeller, der beim Bombenangriff auf den Traunsteiner Bahnhof im April 1945 durch eine Bombe beschädigt worden war, beim Wasser holen, Eis machen usw. Von seiner künftigen Frau wurde er beim Wirtshausbesuch dafür bevorzugt bedient, weil er in schweren Zeiten sehr hilfsbereit gewesen war. So lernten sie sich dabei kennen und lieben.

Joachim Brudna lernte zunächst ein Jahr lang Zimmerer im Baugeschäft Schuhböck, ging aber dann nach Mün-chen, um Volkswirtschaft zu studieren. »Am Wochenende kam ich dann nach Traunstein, um bei meiner Frau meine ‘Fresspakete’ für München einzustecken«, so Joachim Brudna. »Denn Luxus gab es damals keinen«, sagt seine Frau.

Später zog das Ehepaar nach München, wo er unter anderem bei der BASF und Esso als Verkaufsleiter arbeitete. Der Nebenwohnsitz blieb jedoch immer Traunstein. »In München war der Arbeitsplatz, in Traunstein der Bereich für die Freizeit und schöngeistigen Dinge«, berichtet der begeisterte »Bücherwurm«. Auch haben die beiden viele Reisen unternommen, unter anderem nach Asien, Afrika und Amerika. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Inzwischen sind neun Enkel und eine Urenkelin dazugekommen.

Zum Schluss kommt natürlich die obligatorische Frage, wie man es denn 65 Jahre miteinander aushält? Weil es ei-gentlich nie echte Probleme gegeben und man stets zusammengehalten habe, lautet die einhellige Antwort. Aus allen Kindern sei etwas geworden. »Und weil ich so gutmütig bin«, fügt Joachim Brudna schmunzelnd an. Der heutigen Jugend gehe es vielfach zu gut. Die Not nach dem Krieg hat Marianne und Joa-chim Brudna zusammengeschweißt. Bis heute. Bjr