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Seit 50 Jahren wird in Traunwalchen Musik gemacht

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Die zehnjährige Vanessa aus Chieming lernt bereits Flöte und Geige an der Musikschule. Am Tag der offenen Tür griff sie spontan zur Diatonischen Harmonika. Musiklehrer Markus Gromes gab der begabten Musikschülerin Tipps. (Foto: Rasch)

Traunreut – Musik ist nicht nur ein schöner Zeitvertreib. Musizieren fördert nachweislich auch die geistige und soziale Entwicklung. Um ein Instrument zu beherrschen, führt aber am Üben kein Weg vorbei. Ein mühsamer Weg, der sich aber »auf alle Fälle lohnt«, ist Anna Lena Mayer überzeugt. Die 18-Jährige aus Traunwalchen hat das Gesamtpaket der Musikschule von der Musikalischen Früherziehung über Flötenunterricht bis hin zum Geigenunterricht durchlaufen und das mit großem Erfolg. Die Gymnasiastin, die gerade ihr Abitur schreibt, sitzt in mehreren Orchestern und Ensembles und hat bei »Jugend musiziert«-Wettbewerben erste und zweite Preise gewonnen.


Tag der offenen Tür zum Jubiläum

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Anna Lena Mayer ist ein Paradebeispiel und Vorbild für viele Kinder, die ihren musikalischen Weg noch vor sich haben. Ihre Mutter wollte, dass sie Gitarre lernt, sie hat sich aber für die Geige entschieden. »Es ist wichtig, dass die Kinder das Instrument lernen, das sie mögen und nicht, was sich die Eltern einbilden«, sagte sie am Tag der offenen Tür der Musikschule. Der Vormittag bot den Kindern reichlich Möglichkeit, in die große Bandbreite der Instrumente hinein zu schnuppern und von den Musiklehrern alles Wissenswerte über Gitarre, Klavier, Streichinstrumente, Akkordeon bis hin zur Diatonischen Harmonika und zum Alphorn zu erfahren. Selbstverständlich durften die Kinder die Instrumente auch selber ausprobieren. Welches Instrument sich für den Anfang eignet, ist nicht leicht zu entscheiden.

Um den angehenden Musikern die Entscheidung zu ihrem Trauminstrument zu erleichtern, bietet die städtische Musikschule mit ihren Zweigstellen Chieming und Nußdorf auch einen dreiwöchigen Schnupperunterricht in den Fächern Akkordeon, Blockflöte, Diatonische Harmonika, Gitarre, Kinder-Kontrabass, Hackbrett, Harfe, Klarinette, Saxophon, Klavier, Horn, Posaune, Tenorhorn und Tuba an. Die meisten Instrumente können während dieser Testphase – die Unterrichtszeit wird nach der Anmeldung mit dem jeweiligen Lehrer vereinbart – an der Musikschule ausgeliehen werden.

Zahl der Schüler ist leicht gestiegen

Der Tag der offenen Tür ist eine unserer wichtigsten Veranstaltungen«, erklärte Musikschulleiter Josef Mayer. Er biete nicht nur den rund 170 Kindern, die derzeit den Früherziehungs-Unterricht in der Musikschule besuchen die Möglichkeit, herauszufinden, welches Instrument sie lernelpn möchten, sondern auch den Eltern und anderen interessierten Kindern Einblick in das Musikschulgeschehen. Für Fragen und Informationen standen nicht nur die Musiklehrer sondern die Vertreter des Fördervereins und des Elternbeirats zur Verfügung, die auch für das leibliche Wohl der Besucher sorgten. Dass der Musikunterricht auch Geld kostet, versteht sich von selbst. Angesprochen auf die Erhöhung der Musikschulgebühren (wir berichteten), sagte Mayer, dass es von Seiten der Eltern bis jetzt noch keine Reaktionen gegeben habe. »Wir können jetzt noch nicht sagen, wie und ob sich die Erhöhung auswirken wird.« Die Anmeldungen für das kommende Schuljahr seien gerade angelaufen. In den letzten Jahren sei die Schülerzahl leicht gestiegen und habe sich bei 840 eingependelt. Mayer: »Wir hoffen, dass wir den Level annähernd erreichen können.«

Gebühren deutlich gestiegen

Dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr »50 Jahre Sing- und Musikschule Traunwalchen« die Gebühren um durchschnittlich zehn Prozent angehoben werden müssen, liegt an den gestiegenen Personalkosten, die 90 Prozent der Musikschulgesamtkosten ausmachen. Hier wirken sich nicht nur die Tariferhöhung des Öffentlichen Dienstes, sondern auch die persönlichen Besoldungsanpassungen aus. Während in früheren Jahren die Musikschulgebühren sporadisch angepasst worden sind, hat sich der Stadtrat vor einigen Jahren entschieden, jedes Jahr die Kosten der Musikschule neu zu kalkulieren, um die Anpassung moderat zu halten. Im vorigen Jahr wurden die Gebühren um durchschnittlich 2,4 Prozent angehoben. Die Neukalkulation für das kommende Musikschuljahr 2015/2016 hat jedoch ergeben, dass die Schülergebühren um durchschnittlich 10,47 Prozent erhöht werden müssen. Der kommunale Anteil steigt sogar um durchschnittlich 13 Prozent. Durch die jährlichen Gebührenanpassungen stehen auch die Musiklehrer in der Kritik. »Jedes Jahr in der Kritik zu stehen, das ärgert die Lehrer«, betont Mayer. Die massive Erhöhung wurde im Traunreuter Stadtrat und in den Zweckgemeinden Chieming und Nußdorf heiß diskutiert, aber dann doch von allen drei Kommunen mitgetragen, um letztendlich auch das Niveau der Musikschule aufrechtzuerhalten.

835 Schüler in 14 Unterrichtsorten

Die Sing- und Musikschule Traunwalchen ist nicht nur die größte, sondern auch die älteste Musikschule im Landkreis Traunstein. Aktuell unterrichten 26 Lehrer 835 Schüler in 14 Unterrichtsorten (sechs Schulen und acht Kindergärten). Damit auch Kinder aus sozial schwächeren Familien ein Instrument lernen können, wurde auf Anregung des früheren Musikschulleiters Markus Lentz das sogenannte »Jeki-Projekt« (»Jedem Kind ein Instrument«) eingeführt, das von der Stadt Traunreut gefördert wird. Groß geschrieben wird an der Musikschule auch das Ensemblemusizieren: Es gibt ein Streichorchester, ein Weltmusik-Tango-Ensemble, ein Akkordeon-Ensemble, Kammermusik- und Volksmusikensembles und sechs Nachwuchsbläsergruppen. Komplettiert wird das Ensemblemusizieren durch eine Bigband, eine Popgruppe, einen Gitarren- und Flötenspielkreis sowie ein Musiktheater und ein Nachwuchs-Streichensemble, in dem sich auch Anna Lena Mayer ihr Rüstzeug zum Ensemblemusizieren erworben hat. ga