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Anschöringer Böllerschützen feierten ihr Jubiläum – Derzeit gibt es 20 aktive und vier passive Schützen

Seit 30 Jahren »an gscheidn Krach machan«

Kirchanschöring. Im eigens für sie verfassten »Anschöringer Böllerschützenlied«, mit dem sie ihren Verein besingen, heißt es, vor 30 Jahren hätten einige im altehrwürdigen Schützenverein »Schützenlust« herausgefunden, mit dem Luftgewehr sei kein großer Krach zu machen. Sie beschlossen das zu ändern und »seitdem kracht's, dass d' Haar obn und untn aufstehn«. Sie haben sich nämlich Böller gebaut, mit denen sie seitdem bei besonderen Anlässen »an gscheidn Krach machan«.

Rauchen tut's und krachen, wenn die »Anschöringer Böllerschützen« loslegen, wie hier bei ihrem 30. Jubiläum. (Foto: Albrecht)

Das 30. Jubiläum dieses »Krachmachens« feierten sie zunächst am Kriegerdenkmal, wo sie es richtig krachen ließen. Mit Salutschüssen erinnerten sie an verstorbene Mitglieder und Kameraden. Danach zogen sie hinüber in die Kirche zum Gedenkgottesdienst für ihre verstorbenen Kameraden.

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Beim gemütlichen Teil der Feier blickte Vorstand Josef Ramgraber auf die Geschichte der »Anschöringer Böllerschützen« zurück. Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts seien im Rupertiwinkel mehrere Böllerschützenvereine gegründet worden, und auch in der »Schützenlust« hätten sich Interessenten gefunden, die das Brauchtum des Böllerschießens pflegen wollten. Der damalige Vorstand der »Schützenlust«, Herbert Mangelberger habe sich der Idee gegenüber aufgeschlossen gezeigt. Auch die Gesamtversammlung des Vereins gab ihren Segen. So sei er selbst zum Leiter der Böllerschützen gewählt worden.

Mit großem Aufwand hätten Herbert Mangelberger, Erhard Ramgraber, Josef Ramgraber, Hans Rosmer und Alfred Schwangler, die Böller für den Verein gebaut. Stolz konnten sie dann die Früchte ihrer Arbeit bei einem gemeinsamen Schießen mit den Alt-Fridolfinger, Laufener, Schönramer und Weildorfer Böllerschützen beim 75. Jubiläum der »Schützenlust« demonstrieren. Damit die »Böllerei« nicht ausarten würde, wurden die Anlässe, zu denen es richtig krachen durfte, von der Gemeinde auf Hochzeitsfeiern, hohe Geburtstage, Beerdigungen, Weihnachts- und Silvesterschießen, Übungsschießen in Breitwies sowie auf zuvor abgesprochene, besondere kirchliche und gemeindliche Ereignisse beschränkt.

Schon 1986 kamen unvorhergesehene Kosten auf die Abteilung zu. Das Landratsamt Traunstein verlangte damals für die Einlagerung von Schwarzpulver einen Pulverbunker im Außenbereich. Dankenswerterweise habe die Familie Danzl in Lackenbach ein geeignetes Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem ein mit einer dicken Betonschicht ummantelter, gestifteter Banktresor in 400 Arbeitsstunden verbaut wurde. Natürlich war danach die Feier zur Einweihung dieses Bunkers eines der herausragenden gesellschaftlichen Ereignisse in der Vereinsgeschichte, meinte Ramgraber verschmitzt.

1996 sei die Anschaffung neuer Böller beschlossen worden, deren Einzelteile aber wieder von Josef Ramgraber, Hans Rosmer und Alfred Schwangler gefertigt wurden. Fertiggestellt worden seien die Böller dann vom Profi-Böllerbauer Herman Schillinger aus Vachendorf. Die Metallteile seien aus rostfreiem Stahl und damit fast für die Ewigkeit konzipiert, meinte Ramgraber. So gut gefielen die Böller den Schützen, dass sich gleich fünf neue Mitglieder einfanden. Vier weitere kamen bis zum 25. Jubiläum 2009 dazu.

Seit Februar 2013 zieren die Köpfe der Anschöringer Böllerer auch neue, fesche Hüte, ließ Ramgraber wissen. Der Verein verzeichnete drei weitere Zugänge. Die Anschöringer Böllerschützen hätten damit einen aktuellen Stand von 20 aktiven und vier passiven Schützen. Mit einer Fülle von Bildern, einigen Videos, in denen auch das »Anschöringer Böllerschützenlied« zum Besten gegeben wurde sowie vielen humorvollen Anekdoten ließ der Verein seine Geschichte Revue passieren.

In seinem Grußwort meinte Bürgermeister Hans-Jörg Birner, ein Böllerschütze sollte mehr können als Lärm machen, nämlich auch Singen und Dichten. Es sei aber auch an sich etwas Wert; »wenn's gscheid kracht« und die Spezialitäten des Brauchtums erhalten blieben. Die Rückschau habe auch gezeigt, was die Böllerschützen geschaffen hätten. Er hoffe sehr, sie würden auch weiterhin da sein, um das Brauchtum zu erhalten. al