weather-image
20°

Seit 140 Jahren Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Gründungsmitglieder  der  Freiwilligen  Feuerwehr Rückstetten im Jahr 1875:  Johann Helminger (von links),  Matthias Reiter, Matthäus Kain, Josef Fuchs, Franz Zenz und Georg Spiegelsberger.

Teisendorf – Der Wert und Nutzen der Feuerwehr bemisst sich heute nicht mehr nur aus dem Blickwinkel der Brandbekämpfung. Technische Hilfeleistung, vorbeugender Brandschutz und aktiver Umweltschutz sind gleichberechtigt neben die eigentliche Aufgabe getreten. Diese immer zahlreicheren und vielfältigeren Einsätze hat die Feuerwehr Rückstetten dank eines guten Ausbildungsstandes und des Engagements der Einsatzkräfte immer gut gemeistert. An diesem Sonntag kann die Freiwillige Feuerwehr Rückstetten auf ihr 140-jähriges Bestehen zurückblicken.


Bereits 1840 wurde in der damaligen Gemeinde Rückstetten eine »Feuerlöschmaschine« zum Preis von 90 Gulden erworben, die von jedermann ohne besondere Ausbildung bedient werden konnte. Als 1875 die erste Druck-Saugspritze angeschafft wurde, für die eine ausgebildete Bedienungsmannschaft notwendig war, führte dies praktisch zur Gründung der Feuerwehr. Zum ersten Kommandanten wurde Georg Auer, Bauer in Lacken, gewählt. Weitere Gründungsmitglieder waren Johann Helminger aus Lacken, Matthias Reiter aus Gastag, Matthäus Kain aus Griesacker, Josef Fuchs aus Solling, Franz Zenz aus Lacken und Georg Spiegelsberger aus Kapell. Bereits nach einem Jahr wechselte die Kommandantur an Matthäus Schmid, Bauer aus Lacken, am 27. Mai 1877 wurde die Freiwillige Feuerwehr Rückstetten in das Grundbuch, dem heutigen Vereinsregister, eingetragen.

Anzeige

Der Fortschritt machte auch vor den Feuerwehren nicht Halt, es wurden mehrmals bessere und leitstungsfähigere Spritzen angeschafft, zu deren Finanzierung der 1877 gegründete Feuerwehrverein einen guten Beitrag leistete, wie aus der von Andreas Helminger geschriebenen Chronik hervorgeht. Er hatte mit großer Sorgfalt und durch Befragung noch lebender Gründungsmitglieder ab 1934 eine Chronik für die Feuerwehr Rückstetten zusammengestellt.

1934 erhielt die Rückstettener Feuerwehr auch eine Fahne, die bei einem Festgottesdienst in Oberteisendorf geweiht wurde. Die Feuerwehr zählte damals bereits 103 aktive Mitglieder, 37 zahlende Ehrenmitglieder und 6 Ehrenmitglieder mit über 50 Jahren Dienstzeit. Es folgte eine nicht ganz leichte Zeit, auch viele Rückstettener wurden zum Militärdienst eingezogen, einige kamen nicht mehr heim. Die Fahne war während der Nazizeit beim Stöckl in Kleinrückstetten versteckt, die Bänder beim Hell in Schnaitt.

Nach dem Krieg ging es wieder aufwärts, 1951 wurden eine neue Tragkraftspritze TS 4 gekauft, die von einem Schlepper auf einem extra dafür gebauten Anhänger gezogen wurde, und ein gebrauchter VW-Bus in Eigenleistung zum 1. Feuerwehrauto umgerüstet. Die Automatisierung schritt immer weiter voran und so wurde der Wunsch nach einem »richtigen Löschfahrzeug« immer größer. Unter Kommandant Georg Spiegelsberger wurde dieser Wunsch 1969 Wirklichkeit. Doch hierfür war das bisherige Feuerwehrhaus zu klein, also galt es wieder fest zusammenzuhelfen und ein Jahr später stand das neue Feuerwehrhaus, das total durch unentgeltliche Eigenleistung der Feuerwehrler und der Mithilfe der Rückstettener Bürger erstellt wurde.

Mit der Gebietsreform 1972 musste die Rückstettener Feuerwehr ihre Eigenständigkeit aufgeben und wurde der Oberteisendorfer Feuerwehr als Löschzug eingegliedert. Durch das gute Verständnis und die gute Zusammenarbeit gibt es aber keine Schwierigkeiten. So werden Ausbildung und Übungen gemeinsam betreiben. Auch in der Jugendfeuerwehrgruppe, bei der ein Großteil der Jugendlichen aus dem Rückstettener Bereich kommen, sind die Rückstettener voll integriert. Der Feuerwehrverein, dessen 1. Vorstand Martin Helminger ist, blieb selbstständig.

Dem Löschzug Rückstetten gehören heute 26 Aktive an, davon drei Frauen. Löschzugführer ist schon seit vielen Jahren Andreas Lamminger. Im vorigen Jahr hat der Löschzug Rückstetten die Oberteisendorfer Kameraden bei 20 Einsätzen, davon 16 Technischen Hilfeleistungen unterstützt.

Am Sonntag kann nun das 140. Gründungsfest gefeiert werden. Beginn ist um 8 Uhr mit einem Frühschoppen und der 7er-Blech. Um 9.30 Uhr erfolgt die Aufstellung zum gemeinsamen Kirchenzug zur Kapelle nach Kleinrückstetten. Dort beginnt um 10 Uhr der Festgottesdienst, den Kaplan Stefan Leitenbacher mit den Gläubigen feiern wird.

Im Anschluss daran findet der Festzug zurück zum Festzelt nach Großrückstetten statt mit anschließendem gemütlichen Beisammensein. wh