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Seit 125 Jahren für die Erforschung der Heimatgeschichte tätig

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Der Vorsitzende Hans Helmberger (links) und sein Stellvertreter Herbert Klein (rechts) ernannten Werner Paul Hellmuth (2. von links) und Helmut Kölbl zu Ehrenmitgliedern. Links im Hintergrund ist eine neue Max-Fürst-Skulptur von Walter Angerer dem Jüngeren zu sehen. (Fotos: Buthke)
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Der Vorsitzende des Gesamtverbandes der Bayerischen Heimat- und Geschichtsvereine, Prof. Manfred Treml (links), zeichnete den langjährigen Vorsitzenden Alfred Maier aus.

Traunstein. Ein großer Festabend bildete den Auftakt für eine Reihe von Veranstaltungen, mit denen der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein heuer sein 125-jähriges Bestehen feiert. Wichtigster Programmpunkt ist die Ausstellung über den Traunsteiner Künstler Max Fürst (1846 bis 1917) im April und Mai, nach dem der renommierte Preis des Vereins für Heimatforscher benannt ist.


Ehrung verdienter Mitglieder als Höhepunkt

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Werner Hellmuth und Helmut Kölbl hätten bereits fleißig Material zusammengetragen, berichtete der Vorsitzende Hans Helmberger beim Auftaktabend im Rathaus. Die musikalische Gestaltung des Festabends hatte das Cello-Ensemble der Musikschule übernommen. Helmberger begrüßte im Rathaus rund 200 Vertreter des öffentlichen Lebens. Walter Angerer der Jüngere enthüllte eine von ihm geschaffene Skulptur von Max Fürst. Helmberger wertete dies als Zeichen dafür, welch großes Ansehen der Historische Verein in der kulturbewanderten Öffentlichkeit genieße.

Höhepunkt des Abends waren die Ehrungen verdienter Vereinsmitglieder. Der Vorsitzende des Gesamtverbandes der Bayerischen Heimat- und Geschichtsvereine, Professor Manfred Treml, der auch den Festvortrag hielt, zeichnete den langjährigen Vereinsvorsitzenden Alfred Maier mit der Ehrennadel des Verbandes aus. Maier sei der Typus des engagierten Bildungsbürgers, sagte Treml. Er sei über 25 Jahre, davon 20 Jahre als 1. Vorsitzender, in der Vorstandschaft tätig gewesen. Als Vorsitzender habe er sich erfolgreich für einen hauptamtlichen Leiter des Heimatmuseums sowie für die Schaffung des Max-Fürst-Preises eingesetzt.

Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft ehrten Helmberger und sein Stellvertreter Herbert Klein Helmut Kölbl und Werner Paul Hellmuth, die in der Rente ihren Lebensmittelpunkt praktisch mit in das Heimathaus verlegt hätten und für die das Archiv und die Bibliothek quasi eine zweite Heimat geworden seien. Kölbl hatte die Idee »Traunsteiner Straßenbücher« zu machen, für die er bisher rund 27 000 Fotos bearbeitet hat. 120 Bände gibt es bereits, aber auf ihn warten in Traunstein noch 160 weitere Straßen. Für das Leben und Werk von Max Fürst begann sich Hellmuth zu interessieren. »Er hat dafür gesorgt, dass Max Fürst wieder mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt wird«, so der Vereinsvorsitzende. Er habe es geschafft, zum Jubiläum eine Max-Fürst-Ausstellung zu ermöglichen.

Holzschnitt für Landrat Steinmaßl

Einen Holzschnitt von Walter Angerer dem Jüngeren bekam Landrat Hermann Steinmaßl. »Er ist Überzeugungstäter«, so Beiratsmitglied Dr. Alfred Kotter, denn er habe aus Überzeugung den Max-Fürst-Jugendpreis gefördert. Steinmaßl habe die Möglichkeiten seines Amtes genutzt, um Geldpreise zu ermöglichen und dem Preis einen Rahmen zu verschaffen. Weit über 200 Arbeiten seien im Laufe der Jahre eingereicht worden.

Geschichte habe immer dazu beigetragen, den Blick zu schärfen, und geholfen, konkrete Fakten zu ermitteln, sagte Professor Manfred Treml in seinem Festvortrag. Die Gesichtsvereine seien Kultureinrichtungen der bürgerlichen Gesellschaft und der Bürgerkultur. »Ohne sie wäre das Geschichtsbewusstsein nicht so ausgeprägt«, so Treml. Die regionalen Museen seien als Schatzkammer und Schulzimmer hoch einzuschätzen. Die Bildungsarbeit der Geschichtsvereine sei in vieler Hinsicht gefragt und habe Zukunft, weil der gesellschaftliche Bedarf bestehe.

Auch für Oberbürgermeister Manfred Kösterke ist Heimat ein entscheidender Teil der kulturellen Identität. »Vermehrte Kenntnis und vertieftes Verstehen der Heimatgeschichte sind von großer Bedeutung für die Identitätsfindung einer Stadt und ihrer Bürger.« Erinnern und Bewahren, aber nicht Ikonisieren stünden im Mittelpunkt der Arbeit des Historischen Vereins, der seit nunmehr 125 Jahren umfassende Heimatforschung und Heimatpflege betreibe. Seine 310 Mitglieder leisteten für Traunstein, den Chiemgau und für ihre Mitmenschen ehrenamtlich wertvolle Arbeit.

Eng verknüpft sei der Historische Verein auch mit der Stiftung Heimathaus, die 1951 gegründet worden sei. Mit der Stiftung sei es gelungen, den Fortbestand des Heimathauses als Heimatmuseum zu sichern. »Die Arbeit der Mitglieder des Vereins wird aber auch in den Jahrbüchern sichtbar«, fuhr er fort. Darin finde man Beiträge aller Art zur Heimatforschung und Heimatpflege, die interessante Themen der regionalen Geschichte und Kultur aufgreifen.

Kulturlandschaft ist nach den Worten von Landrat Steinmaßl der Spiegel der Gesellschaft, die sie geschaffen hat, die sie erhält und weiterentwickelt. »Wir können im Chiemgau stolz in diesen Spiegel schauen«, meinte er. Als Landrat habe er zudem durch die Verleihung des Max-Fürst-Preises einen besonderen Bezug zum Historischen Verein. Bei den Preisträgern habe der Verein stets das richtige Gespür gehabt, den richtigen zu finden. Bjr