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Sein Lebenselixier ist das Schreiben

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Das Schreiben ist für Karl Robel einfach ein Grundbedürfnis. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Sein Zimmer im Seniorenheim St. Elisabeth lässt eher an ein Schreibbüro als an ein Altenheim denken. Ein volles Bücherregal, ein Computer mit großem Bildschirm, ein Fax und ein Kopierer gehören für Karl Robel zur Grundausstattung. Der 91-jährige ehemalige Konditormeister sprach mit dem Traunsteiner Tagblatt nicht nur über sein neues Buch »So is iatz und a so wars im Rupertiwinkel«, sondern auch darüber, was ihm das Schreiben bedeutet und wie er dazu kam. »Schuld« an seinem ersten Gedicht waren Stechmücken.


Der hintergründige Humor, der seine Gedichte und Erzählungen prägt, leuchtet aus den wachen Augen in dem charaktervollen Gesicht. »Ich kann noch lesen, mich noch unterhalten«, zeigt sich Robel dankbar über seine – trotz so mancher Altersgebrechen – im Vergleich zu anderen Heimbewohnern passable Verfassung. Und er kann noch schreiben, sein Lebenselixier.

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»Gibt’s das auch gedruckt?«

»Schuld« an seinem ersten »richtigen« Gedicht waren lästige Stechmücken in einer Herbstnacht in den 60er Jahren. Er gab den in rastlosen Nachtstunden entstandenen Versen den Titel »Eine kleine Nachtmusik«. Vorher hatte er schon für Kolping Nikolausgedichte geschrieben. Karl Robel trug seine gefragten Gedichte wie »Rupertiwinkler Wörterbüchl«, »Antenjagd« oder »Ballade vom Schedlinger Hans« öfter im privaten Kreis vor. Mit der Zeit kamen auch auswärtige Interessenten. Die Zuhörer erkundigten sich immer wieder: »Gibt’s das auch gedruckt?« – So erschien 1982 Robels erstes Buch »Iatz werd da Summer langsam müad«. 15 Bände, darunter zwei Neuauflagen, mit insgesamt etwa 150 Gedichten und rund 80 Erzählungen, kamen im Laufe der Jahre zusammen. Berühmt wurde Robel durch seine legendäre »Rupertiwinkler Weihnachtsgschicht«.

»Hi und do hot’s mi g’juckt«, in den Fingern, meint Robel. Der Auslöser waren auch öfter Naturthemen, Robel war ja auch ein engagierter Naturschützer und autodidaktischer Naturforscher. »Ich habe jahrzehntelang ein Aquarium auf dem Fensterbrett gehabt«, erzählt er. Das habe ihm viele Einsichten gebracht. Er beobachtete die Larven von Köcher- oder Eintagsfliegen und war Zeuge, wie eine Libelle sich eine Kaulquappe schnappte. In der Erzählung »Bayerische Bienenkunde« schilderte er eine Drohnenschlacht. »Mein Vater wollte einen Imker aus mir machen; es ist ihm nicht gelungen. Ich wollte mein Interesse an der Vogelwelt meinen Kindern weitergeben, es ist mir auch nicht gelungen«, stellt der zweifache Vater und zweifache Opa weise lächelnd fest.

Seit zehn Jahren schreibt Robel alle Bücher am PC. Den findet er sehr praktisch, auch, wenn er ein Geburtstagsgedicht braucht. Er hat ein Muster abgespeichert. »Dann ändere ich nur noch die Daten und die Jahreszahlen.« Internetzugang hätte er auch, »aber i kimm net dazua«, gesteht er. Zudem wäre Surfen im Internet oder Fernsehen für ihn reine »Zeitverschwendung«.

Wenn er von früher erzählt hat, baten ihn seine Kinder immer wieder: »Schreib’s halt auf.« Dieser Bitte kam er in der Beschreibung der Nazi-Zeit in seinem Heimatort im Buch »Teisendorf 1933 – 1945« nach. In »So iatz und so wars« näherte er sich auf verschiedene Weise dem Rupertiwinkel an. In der Erzählung »Buchham« hat Robel dem Dorf, in dem sich die geschilderten wahren Begebenheiten in der Zeit nach der Währungsreform 1948 zugetragen haben, einen Fantasienamen gegeben, damit das Ganze nicht sofort zugeordnet werden kann. Denn er beschreibt mit leichter Wehmut, wie erste Verkäufe von Baugrundstücken an fremde, zahlungskräftige Neubürger die Profitgier erwachen lassen und die vorher intakte Dorfgemeinschaft gefährden.

»Dann muss ich keine Zeile bereuen«

Auf die Frage, warum er in seinem Alter immer noch schreibt, sagt er, das Schreiben sei ihm einfach ein Grundbedürfnis. Manchmal lässt er angefangene Texte auch länger liegen, wie einmal ein Gedicht über den Philosophen Sokrates. »Des muaß zeitig werd’n.« Hinterher ist er dann oft froh, so lange geduldig gewartet zu haben. »Dann muss ich keine Zeile bereuen.« Vor kritischen Äußerungen schreckte er nie zurück, etwa im Gedicht »Zeitgeist und Zivilcourage«. vm

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