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Sehr großes Interesse an der ISEK-Bürgerwerkstatt

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Sehr groß war das Interesse der Traunsteiner Bürger an der ersten Bürgerwerkstatt zum  Integrierten Stadtentwicklungskonzept im Großen Ratssaal. Sie konnten ihre zahlreichen Ideen, Anregungen und Vorschläge mit Karten an eine große Pinnwand heften.

Traunstein – Das Interesse an der ersten Bürgerwerkstatt zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) übertraf die kühnsten Erwartungen der Stadt. Zahlreiche Bürger drängten sich im Großen Ratssaal, sodass etliche nur noch im Stehen teilnehmen konnten. In den kommenden Monaten wird mit ISEK für die Stadt Traunstein eine Zukunftsperspektive entwickelt. Die Bürger sollen mit eingebunden werden und sich äußern, wie sie sich ihre Stadt in der Zukunft vorstellen, was sie sich wünschen und was sie für verbesserungswürdig halten. Oberbürgermeister Chris-tian Kegel bezeichnete ISEK als eine große Chance für die Stadt.


Stärken und Schwächen der Stadt aufspüren

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ISEK soll im Dialog mit den Bürgern die Stärken und Schwächen der Stadt aufspüren, die Richtung der künftigen Stadtentwicklung festlegen und die Schwerpunkte beschreiben, sagte Christian Hörmann von der CIMA Beratung + Management GmbH in München. Es binde die einzelnen Maßnahmen nachvollziehbar in eine langfristige Perspektive der Ortsentwicklung ein. »ISEK bildet die Grundlage zur Förderung von Projekten und Maßnahmen«, so Hörmann. ISEK dauere ein Jahr und werde nach Fertigstellung vom Stadtrat beschlossen. ISEK sei aber nur eine formelle Planung. Baurecht entstehe keines. Die Idee sei, im Dialog mit der Stadt Verbesserungen herbeizuführen.

Ihre Eindrücke über die Stadt zeigte Sylvia Haines von Schirmer Architekten + Stadtplaner in Würzburg anhand von Fotos. Dabei stellte sie fest, dass der Entrée in die Stadt oftmals nicht stimme, zum Beispiel in die Scheibenstraße. Die Bahnlinie bilde eine Zäsur. Der Maxplatz sei ebenfalls eine Zäsur. Er sollte eigentlich der Entrée zur Altstadt sein, diene aber dem Verkehr. Für den Stadtplatz hatte sie jedoch nur Lob übrig. Er sei das Aushängeschild der Stadt mit den historischen Gebäuden, der Aufenthaltsqualität und der Gastronomie. Die Fuchsgrube und Höllgasse seien dagegen Schwachpunkte und hätten Potenzial für die Zukunft. Den Salinengebäuden in der Au bescheinigte sie lebendige Geschichte mit touristischem Potenzial. Im Quartier zwischen Mühlbach und Traun erkannte sie eine »gewisse Investitionszurückhaltung«.

In der Wirtschaft und im Gewerbe sah Hörmann große Unterschiede. Während das produzierende Gewerbe schwach sei, seien die Dienstleistungen sehr stark. Eine Stadt, wo andere arbeiten können, hätte einen Nachteil: den Individualverkehr der Pendler. Deshalb müsse man die Verkehrsbewegungen kanalisieren.

Bei der Kaufkraft liege Traunstein über dem Bundesdurchschnitt. Dies sage aber nichts darüber aus, wo das Geld ausgegeben wird. Der Einzelhandel müsse daher die Kaufkraft binden. Traunstein habe ein riesiges Einzugsgebiet. Der Umsatz betrage 266 Prozent der Kaufkraft der Bevölkerung. Die Nahversorgung sei nicht schlecht. Zum Thema »Tourismus« meinte er, Traunstein werde nicht der Urlaubsstandort. Die Leute machten Urlaub in der Region. Potenziale sah er bei der Salinen- und Brautradition.

Nach dieser Einführung hatten die Bürger die Möglichkeit, eine halbe Stunde lang ihre Gedanken und Anregungen auf Karten aufzuschreiben und an eine Pinnwand zu heften. Jeder bekam drei Karten, auf denen er aufschreiben konnte, was ihm am Herzen liegt und wo in Traunstein verstärkt angepackt werden soll. Es gab sechs Themenbereiche: Wohnstandort, Stadtbild, Freizeit und Kultur, Einzelhandel und Versorgung, Gewerbe und Wirtschaft sowie Tourismus.

Am Ende stellte Hörmann fest, dass es viele Themen aus dem Ortsteil Kammer gebe. Dies bedeute so viel wie »Vergesst uns nicht«. Themen waren Wohnungsbau, Versorgung und Bildung. Gefordert wurden ferner bezahlbares und stadtnahes Wohnen, Schule und Bildung. Beim Stadtbild wurden mehr Rad- und Fußwege verlangt. Hingewiesen wurde auch auf die geringen Möglichkeiten, Kultur zu betreiben. Angebote bei Theater sollten verbessert werden.

Geteilte Meinungen bei den Gewerbeflächen

Beim Gewerbe war die Meinung geteilt. Die einen forderten mehr, die anderen weniger Gewerbeflächen. Der Handel in der Innenstadt solle besser gefördert und durch Magnetgeschäfte ergänzt werden. Beim Tourismus wurde ein Stadthotel gewünscht. Mehr Angebote bei schlechtem Wetter standen ebenfalls auf den Karten. Hörmann versprach, dass alle Karten mitgenommen und in die Feinauswertung kommen würden.

Oberbürgermeister Kegel war höchst glücklich über das große Mitmachen. »Traunstein kann Demokratie. Traunstein ist die Stadt der Bürger und nicht des Oberbürgermeisters«, meinte er. In insgesamt vier Bürgerwerkstätten sind die Bürger aufgerufen, bei ISEK mitzureden und mitzugestalten. Bjr