weather-image

Seeräuberverein Wössen setzt am Samstag ab 14.14 Uhr eine alte Tradition fort

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Mit dem Seeräuberspiel versetzen rund 350 Mitwirkende Unterwössen zurück in die Welt um 950 nach Christus. Zuerst gibt es einen Umzug, dann wird im Zigeunerlager in und um die Turnhalle am Zollweg gefeiert. (Foto: Archiv Flug)

Unterwössen. Mit dem Seeräuberspiel versetzen rund 350 Mitwirkende Unterwössen zurück in die Welt um 950 nach Christus. Acht Jahre nach der letzten Aufführung veranstaltet der Seeräuberverein Wössen erneut dieses Fest. Er setzt damit eine jahrhundertelange Tradition fort.


Das Volksfest geht auf eine Sage zurück: Der mutige Ritter und Herr der Rettenburg hat darin das Volk im Achental versammelt, um plündernde und marodierende Ungarn zu vertreiben. Die ungarischen Reiterscharen wüteten im Chiemgau und eroberten auch das Nonnenkloster Frauenwörth. Die Achentaler hätten die Eindringlinge aber vernichtend geschlagen, weiß die Sage.

Anzeige

Dazu passt, dass ab 899 nach Christus Ungarn in Bayern einfielen. Im Jahr darauf drangen die ersten Reiterschwärme bis zur Enns vor. 907 zerstörten sie auch die Chiemseeklöster. 954 kam es zu erneuten Verwüstungen durch die Ungarn. Ein Jahr später wurden die Ungarn vernichtend geschlagen. Es ist überliefert, dass die gefangenen Ungarn in der Region Lehndienste leisteten.

Josef Aschenbrenner weiß in seiner Unterwössner Heimatgeschichte, dass der Bevölkerung die landesherrliche Erlaubnis erteilt wurde, alle zehn Jahre mit einem Fest an den Sieg zu erinnern.

Nun ist es wieder soweit. Als Motiv für die Neugründung des Vereins sieht das 69-jährige Vorstandsmitglied Hans Michael Heser gelebte Dorfgemeinschaft. Mit der Neugründung hätten sich die alten Unterwössner dagegen gewandt, den alten Brauch zu vergessen. Sein persönlicher Wunsch wäre es, dass sich das Seeräuberspiel künftig mehr abseits des Faschingstrubels etablieren könnte.

Die Kirchenglocken der Pfarrkirche St. Martin läuten am Samstag um 14.14 Uhr, kurz darauf schnalzen beim Aperschnalzen an der Hauptstraße die Passen ihre Goaßln. Dann setzt sich der Festzug von der Einmündung Streichenweg/Burgweg in Bewegung. Er besteht aus zwei Zügen. Der Erste ist der Triumphzug, der den Sieg über die Ungarn feiert. Der zweite Zug erinnert an historische Momente, zeigt mittelalterliches Volk und steht auch für die Winteraustreibung.

Der Zug führt über die alte Dorfstraße zur Kirche und über die Hauptstraße zum Rathausplatz. Dort werden die traditionellen Tänze, der Bogentanz der Seeräuber, der Chinesen- und den Zigeunertanz, gezeigt. Höhepunkt wird der Schwertertanz in Begleitung der Reifenschwinger sein. Die Aperschnalzer setzen den Schlusspunkt. Vom Rathausplatz führt der Zug dann über den Postweg zum Zigeunerlager in und um die Turnhalle am Zollweg. Dort klingt das Fest aus. lukk

Mehr aus der Stadt Traunstein