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Seeräuber begeisterten in Unterwössen

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Foto: Flug

Unterwössen. Mit großer Begeisterung hat die Bevölkerung in der Region die erneute Aufführung des traditionellen Seeräuberspiels in Unterwössen verfolgt. Deutlich mehr als 1000 Besucher umsäumten den bunten Zug. Hohe Herrschaften und fahrendes Volk, Sieger und Besiegte der alten Sage von der Vertreibung der Ungarn aus dem Chiemgau um das Jahr 1000 bestaunten Jung und Alt am Straßenrand.


Um 14.14 Uhr läuteten die Kirchenglocken das Fest ein. Aperschnalzer eröffneten mit ihren bis zu vier Meter langen Goaßln das Fest. Als der letzte Schnalzer von den Hauswänden zurückgeworfen wurde, bog bereits der Kopf des Festumzugs in die Hauptstraße ein.

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Den Tafelbuam folgte das Festkomitee des Seeräubervereins um Vorstand Michael Frank im Frack und mit Zylinder. Die Ehrengäste, sehr häufig festlich und in alter Tradition gewandet, folgten zu Fuß oder im Wagen. Den Takt gab die Musikkapelle Wössen mit einem Tross ihrer Angehörigen vor.

Eine Vorreiterin kündete den Chiemgau-Grafen Otto I. an. Besonderen Eindruck machte der hoch zu Ross durch die berittenen drei Mohren seines Gefolges. Alle waren in edle Gewänder und mit Turban gewandet. Es folgte das Ritterspektakel, angeführt von den Fahnenschwingern aus Oberwössen. Ihren Schildknappen folgten die Ritter hoch zu Ross. Edelleute, darunter feine Fräulein, trugen prächtige Kleider.

Seeräuberschiff zog alle Blicke auf sich

Höhepunkt des Umzuges bildete das Seeräuberschiff, das von zwei Rössern durch die von Zuschauern beengte Hauptstraße gezogen wurde. Lanzenträger gingen zur Seite. An Bord winkten die Seeräuber mit den Schwertträgern, dem Reifenschwinger und der Meerjungfrau. Am langen Strick wurden die gefangenen Chinesen geführt. Nach Fahnenschwingern folgte zum Abschluss dieses ersten Zuges der Hofstaat der Rettenburger.

Der vom Impresario angeführte zweite Zug mit Marketenderinnen, Kasperln und der Musikkapelle Schleching stand für das fahrende Volk und die Vertreibung des Winters. Wössner Bauern führten den wilden Mann, ein Bärentreiber seinen Bären. Dazwischen hohe Männer auf Stelzen, Perchten und Zigeuner.

Der Rathausplatz war bis auf den letzten Winkel besetzt. Aufmerksam verfolgten die Zuhörer die launige Begrüßung des Seeräubervorstands. Chinesen und Seeräuber führten die traditionellen Tänze auf. Temperamentvoll tanzende Zigeunerinnen auf der Bühne rissen das Publikum zu Begeisterungsrufen hin. Dazwischen tummelten sich die Kasperl und stellten Unfug an.

Im Abschluss sprach Bürgermeister und Schirmherr Hans Haslreiter allen Beteiligten eine große Anerkennung aus. Er fasste seine Eindrücke von den herrlichen Kostümen, den Tänzen der Chinesen und Seeräuber zusammen. Er erinnerte an Kunststücke der Gaukler und die Musik. Damit habe die Dorfgemeinschaft wieder ein Stück Wössner Vergangenheit aufleben lassen. Das sei im besten Sinne ländliche Kultur, die auf eine lange Tradition mit einem Ursprung weit vor dem Ersten Weltkrieg zurückgeht.

Haslreiter: Ausdruck lebendiger Dorfgemeinschaft

Für diesen Ausdruck lebendiger Dorfgemeinschaft dankte er den Vereinen, Geschäfts- und Privatleuten, den Unter-, wie den Oberwössnern. Sie hätten viel Freizeit und vorbildlich gelebten Bürgersinn investiert. Neben anderen hob Haslreiter den ersten Vorstand Michael Frank hervor, weil er sich zu dem arbeitsreichen Amt bereiterklärt hatte und unermüdlich zum Erfolg beigetragen habe.

Im Festumzug ging es ins Zigeunerlager an der Unterwössner Turnhalle. Bei Musik der beiden Musikkapellen aus Unterwössen und Schleching, zuletzt der heimischen Band Zünd-Up, klang ein schönes Fest erst weit nach Mitternacht aus.

Traditionelles Wössner Seeräuberspiel, 1. März 2014