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Schwerttanz und Georgiritt nun Unesco-Kulturerbe

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Die Traunsteiner Delegation: Karl Weilharter (Tanzmeister, links), Peter Graspeuntner (Kassier, Zweiter von links) und Martin Schweiger (zweiter Vorsitzender) mit der brandenburgischen Kultusministerin Martina Münch. (Foto: privat)
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Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien (links), die brandenburgische Kultusministerin Martina Münch als amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (Dritte von links) und der stellvertretende Präsident der deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf (Vierter von links), überreichten die Unesco-Urkunde an Martin Schweiger, zweiter Vorsitzender des Georgivereins. (Foto: Christoph Löffler)

Traunstein – Jetzt ist es offiziell: Der Traunsteiner Georgiritt und der Schwerttanz wurden ins Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen.


Martin Schweiger (zweiter Vorsitzender des Georgivereins), Kassier Peter Graspeuntner und Tanzmeister Karl Weilharter nahmen am Montagabend in Berlin die Urkunde entgegen.

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Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erzählte Schweiger von den Feierlichkeiten, die – wie könnte es auch anders sein – in einem bayerischen Biergarten mitten in Berlin endeten. »Dass man in der Bundeshauptstadt geehrt wird, ist schon etwas Besonderes«, so der stellvertretende Georgivereinsvorsitzende. Etwa 150 Gäste haben an dem Empfang in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern teilgenommen, darunter Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, die brandenburgische Kultusministerin Martina Münch als amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz und der stellvertretende Präsident der deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf. Insgesamt wurden 36 Bräuche neu ins bundesweite Verzeichnis aufgenommen, 13 davon aus Bayern.

»Immaterielles Kulturerbe prägt Identitäten, stärkt den sozialen Zusammenhalt und fördert den Dialog zwischen gesellschaftlichen Gruppen«, sagte Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, bei der Feier. Auch Staatsministerin Monika Grütters und die brandenburgische Kultusministerin Martina Münch sprachen über die Bedeutung der Bräuche für den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Jeder Ausgezeichnete hatte etwa eine Minute Zeit, um auf der Bühne seinen Brauch und seine Tradition vorzustellen. »Das ist nicht viel Zeit, aber die Feier war nur über zwei Stunden geplant«, so Schweiger. Er berichtet vom Austreiben des Winters beim Schwerttanz, vom Ritt zum Ettendorfer Kircherl und der Segnung der Pferde, »weil sie für die Landwirtschaft früher einfach unersetzlich waren«. Dazu wurden ein paar Bilder gezeigt.

Beim anschließenden Stehempfang fand sich genügend Zeit, um mit anderen Vereinsvertretern ins Gespräch zu kommen. Sie alle haben eines gemeinsam: Die Zuversicht, dass ihre Tradition nicht in Vergessenheit gerät, und die Hoffnung, dass mit der Eintragung als Unesco-Kulturerbe das Interesse an den Bräuchen und Traditionsveranstaltungen anhält und sogar noch wächst.

Zu den 13 bayerischen Traditionen und Bräuchen, die von der deutschen Unesco-Kommission neu aufgenommen wurden, zählen neben dem Georgiritt in Traunstein auch die Leonhardifahrt in Bad Tölz, die Mal-, Fass- und Vergoldetechniken der Kirchenmalerei, der Zwiefache, ein bayerisch-böhmischer Volkstanz, das Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald, das Wunsiedler Brunnenfest, die Festspiele »Die Kinderzeche« in Dinkelsbühl und »Der Meistertrunk« in Rothenburg ob der Tauber sowie die Friedensfeste in den Gemeinden Sennfeld und Gochsheim, der innerstädtische Erwerbsgemüseanbau in Bamberg, die Feldgeschworenen, das älteste kommunale Ehrenamt in Bayern, und die Osingverlosung (dabei teilen nach jeweils zehn Jahren Bauern verschiedener Dörfer gemeinschaftlich besessene Äcker der gemeindefreien Fläche neu unter sich auf). Weitere Details zu den Neueintragungen sind nachzulesen auf der Internetseite der Deutschen Unesco-Kommission.

Die Unesco stellt seit 2003 nicht nur Kulturstätten, sondern auch Traditionen und Bräuche unter Schutz. Jedes Beitrittsland ist aufgefordert, ein nationales Verzeichnis seines immateriellen Kulturerbes anzulegen. In Deutschland befinden sich jetzt 68 Kulturformen und vier Erhaltungsprogramme im bundesweiten Verzeichnis, darunter 16 bayerische oder überwiegend in Bayern verwurzelte Bräuche.

171 Staaten sind bis heute der Unesco-Konvention zum immateriellen Kulturerbe beigetreten. Mehr als 400 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt wurden bisher aufgenommen. Es ist nicht mit dem Unesco-Weltkulturerbe zu verwechseln, das ausschließlich Baudenkmäler, Stadtensembles sowie Kultur- und Naturlandschaften umfasst.

Georgiritt und Schwerttanz waren erst im November 2016 offiziell in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Einen Monat später erfuhren die Traunsteiner, dass es die traditionsreichen Brauchtumsveranstaltungen auch ins Bundesverzeichnis geschafft haben.

Für die Traunsteiner Delegation endete der Tag in Berlin bei einem kühlen Bier in einem bayerischen Biergarten mitten in der Landeshauptstadt. Gestern Nachmittag flogen Martin Schweiger, Peter Graspeuntner und Karl Weilharter mit der Unesco-Urkunde im Gepäck wieder nach Hause. ka