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»Schwarzen Schafen« gemeinsam auf den Pelz rücken

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Traunstein. Um das »Verbissgutachten«, das Staatsminister Helmut Brunner vorgestellt hat, ging es bei einem Runden Tisch auf dem Hochberg, zu dem CSU-Stimmkreisabgeordneter Klaus Steiner als Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geladen hatte. Dabei betonte er, dass es ihm darauf ankomme, für alle Beteiligten, Waldbesitzer und Jäger, einvernehmliche Lösungen bei der Verbissproblematik zu finden, die ein möglichst harmonisches Miteinander zwischen den Interessengruppen ermöglichen.


Zum Einstieg stellte Hans Lechler vom Traunsteiner Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens für den Landkreis Traunstein vor. Er stellte eine allgemein positive Entwicklung bei der Verbissbelastung und der natürlichen Waldverjüngung fest. »Die Problematik liegt jedoch im Detail«, sagte er und belegte anhand des Gutachtens, dass gerade in den Revieren, in denen der Verbiss seit Jahren sehr hoch ist, in der Regel keine Verbesserung stattfindet.

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Pro und Contra Winterfütterung

Der Vorsitzende der Kreisgruppe Traunstein im Landesjagdverband (BJV), Sepp Haiker, meinte, durch die revierweise Erfassung hätten jetzt die Jagdgenossenschaften die Möglichkeit, auf ihre Jagdpächter wegen des Abschusses einzuwirken. Ferner sprach er sich für eine Verbesserung der Äsung, also der Nahrung des Wildes, durch Waldbauern und Landwirte sowie für die gesetzlich erlaubte Winterfütterung in Notzeiten aus.

Hans Poller, Sprecher der Jagdgenossenschaften, hielt ihm entgegen, auch der Jagdverband könne mit seinen Jägern reden und forderte: »Der BJV und die Hegeringgemeinschaften sollen sich nicht länger hinter die schlechten Revierpächter stellen.« Für ihn war die Rechnung nämlich einfach: Wenn es weniger Rehe gebe, reiche auch die natürliche Äsung. Zum Einfluss auf die schlechten Jäger stellte er fest: »Man kommt aus einem Ehevertrag leichter heraus als aus einem Jagdpachtvertrag.« Der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverband, Reinhard Lampoldshammer, forderte daher, die Pachtzeiten von heute neun Jahren deutlich zu verkürzen.

Der Fridolfinger Jagdvorstand Joachim Käs war gegen die Winterfütterung. Bei ihm werde in drei Revieren im Winter nicht gefüttert. Im vierten, in dem gefüttert werde, sei der Verbiss viel größer, weil sich das Wild dort konzentriere. Ihm gab Paul Höglmüller von den Bayerischen Staatsforsten recht. Dort habe man die Fütterung eingestellt und die jagdlichen Strategien geändert. »Beide Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich die Situation im Wald von einem katastrophalen zu einem tragbaren Zu-stand verbessert hat«, betonte er.

Für die Winterfütterung setzte sich Jagdberater Anderl Wimmer ein. »Dort, wo die Verbisssituation schlecht ist, wird nicht wiederkäuergerecht gefüttert«, stellte er fest.

Der Leitende Forstdirektor Alfons Leitenbacher vom AELF Traunstein unterstrich, dass die Fütterung nicht die Lösung des Verbissproblems sei, auch wenn es Ausnahmen gebe. Beim Verbiss und Abschuss habe man bei zwei Dritteln der Reviere eine tragbare Verbisssituation.

Steiner: »Die Schlachten finden woanders statt«

Nur bei einem Fünftel der Reviere sei der Verbiss deutlich zu hoch.»Das sind die Reviere, um die wir uns gemeinsam kümmern müssen.« Er forderte daher den BJV als Partner der Grundeigentümer auf, nicht länger die »gestrigen« Jäger zu verteidigen. Seine Wunschvorstellung war es, wenn man sich künftig bei der Abschussplanung nur noch auf die Reviere konzentrieren müsse, in denen die Verbisssituation nicht passt.

Bezirksrat Markus Fröschl riet den Waldbesitzern und Jägern eindringlich, nach außen hin untereinander eine andere Sprachregelung zu finden, um zu verhindern, dass ihnen Gesetze übergestülpt werden, weil der Gesetzgeber sagt: »So geht es nicht weiter.« Dem pflichtete auch Steiner bei: »Die Schlachten finden woanders statt.« Es gebe bereits Angriffe sowohl auf die Jäger als auch die Waldbesitzer. Als Beispiele nannte er die zunehmende »Vermenschlichung« von Wildtieren und die damit einhergehende Ablehnung der Jagd sowie die drohende Zwangsstilllegung von Flächen. »Wir tun daher gut daran, im Landkreis einen vernünftigen Dialog zu führen«, mahnte der Abgeordnete. Bjr

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