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Schwangere Ehefrau brutal erschlagen

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Ein 30-jähriger, psychisch kranker Mann aus Rosenheim hat gestern vor dem Schwurgericht Traunstein über seinen Verteidiger Dr. Markus Frank gestanden, auf Befehl innerer »Stimmen« seine 29-jährige Ehefrau, die im fünften Monat schwanger war, getötet zu haben. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Um die Unterbringung in der Psychiatrie geht es in einem Prozess am Traunsteiner Landgericht gegen einen 30-jährigen Mann aus Rosenheim. Er ist wegen Totschlags an seiner 29-jährigen, schwangeren Ehefrau, Tötung des ungeborenen Kindes sowie wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung an einem 28-jährigen Nachbarn angeklagt.


Über seinen Verteidiger ließ der psychisch kranke Beschuldigte die Taten vom 20. Juli 2015 einräumen. Das Motiv laut Anwalt Dr. Markus Frank: »Er hat Stimmen gehört, die ihm die Taten befohlen haben.« Nach medizinischen Gutachten litt der Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter einer akuten Psychose. Der Prozess wird am morgigen Donnerstag um 9  Uhr fortgesetzt.

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Psychiater berichtete Details aus seinem Leben

Der Beschuldigte äußerte sich nicht selbst. Details aus seinem Leben lieferte der psychiatrische Gutachter Rainer Gerth vom Bezirksklinikum Gabersee. Der im weißrussischen Minsk geborene Mann kam 2003 nach Deutschland. Er lernte Deutsch, schaffte den Hauptschulabschluss, die Mittlere Reife und 2009 in Passau das Fachabitur. Nach der Bundeswehrzeit in Freyung-Grafenau schrieb er sich an der Hochschule Rosenheim ein.

2014 lernte er in der Ukraine seine Frau kennen. Nach der Hochzeit im August 2014 besuchte sie in Rosenheim eine Sprachschule. Das Paar lebte in einem Dreiparteienhaus in Rosenheim. Ein Baby war unterwegs. Viele Zeugen beschrieben die Ehe als harmonisch, den 30-Jährigen als »normalen, netten, zurückhaltenden Menschen«, wie ein Polizist meinte.

Nach zehn Semestern stand der Student im Sommer 2015 vor den Prüfungen. Zweimal hatte er versagt und stand unter großem Druck, drohte doch die Exmatrikulation. Wenige Tage vor der Tat sollen die »Stimmen« begonnen haben, dem Studenten sein Handeln vorzugeben. Anfangs empfand er sie laut Gerth als »lustig«, ehe sie »deutlich schlimmer« wurden. Aufgrund der inneren Unruhe des Beschuldigten gab es oft Streit mit der Ehefrau.

Am frühen Morgen des 20.   Juli 2015 hatte der Mann das Gefühl, »dass was passiert«. Wie ein Roboter habe er die Aktionen ausgeführt, die ihm »die Stimme« befahl. Er war damals in die Hochschule gefahren und hatte dem Dekan erzählt: »Meine Frau wird sterben.« Der Zeuge verständigte die Polizei, die den verwirrten Studenten heimbrachte. Die Ehefrau beruhigte die Beamten, alles sei »in Ordnung« und schickte sie weg.

Laut Oberarzt Rainer Gerth eskalierte die Situation anschließend. Der 30-Jährige hörte Befehle wie »Bring sie um«, »Mit dem Messer« und »Einstampfen«. Er warf seine Frau zu Boden, trat ihr gegen Hals, Kopf und Bauch. Als er kein Lebenszeichen mehr bemerkte, ging er ans Fenster und rief: »Hilfe, Hilfe, meine Frau ist tot. Sie ist umgebracht worden.« Im Hausflur traf er auf den 28-jährigen Nachbarn. Die »Stimmen der Dämonen« sagten: »Bring auch ihn um.« Dem Psychiater erklärte der Beschuldigte: »Er war zur falschen Zeit am falschen Ort.«

Nachbar musste notoperiert werden

Auf die nächtlichen Hilfeschreie gingen bei der Polizei viele Notrufe ein. Der 28-Jährige kam mit schweren Stichverletzungen ins Klinikum Rosenheim. Eine Notoperation, vier Tage auf der Intensivstation und noch fünf Tage in der Klinik folgten. In der Wohnung, aus der die Hilferufe gekommen waren, entdeckten die Beamten die bewusstlose 29-Jährige. Mit massivsten Kopfverletzungen, Brüchen des Schädels und eines Halswirbels wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Durch die Tritte gegen den Bauch war das Kind im Mutterleib tödlich verletzt worden. Es starb im fünften Schwangerschaftsmonat.

Die Anklageschrift von Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner wirft dem Beschuldigten in diesem Tatkomplex »Schwangerschaftsabbruch in besonders schwerem Fall« vor. Die in Lebensgefahr schwebende 29-jährige Ehefrau verstarb am Nachmittag des 26. Juli an zentraler Lähmung im Krankenhaus rechts der Isar.

Rosenheimer »bedauert alles zutiefst«

Der Beschuldigte wurde noch am gleichen Abend gefasst. Seither befand er sich in vorläufiger Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Aus heutiger Sicht gehen ihm die Taten sehr nahe. Dazu Oberarzt Gerth: »Er bedauert alles zutiefst, findet sein Handeln unerträglich. Er fragt sich oft, was gewesen wäre, wenn er damals einen Arzt aufgesucht hätte.« kd