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Schutz vor den bösen Geistern

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Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: Räuchern in der Thomasnacht.


Mit dem (alten) Thomastag und der Thomasnacht am 21. Dezember verbinden sich vielfältige Bräuche. Dieses Datum bezeichnet die Wintersonnenwende und damit werden die Tage, ob man's glauben mag oder nicht, schon wieder länger. Der kürzeste Tag und die längste Nacht mit ihrer Finsternis waren den Menschen seit alters her nicht ganz geheuer. Da, so glaubte man, trieben die Geister ihr Unwesen ganz besonders arg und würden viel Unheil in Haus und Hof, Flur und Feld anrichten, wenn man sie nicht irgendwie verscheuchen könnte.

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Wir aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts, in unserer lichtdurchfluteten Welt mit allem Wissen über mögliche Zusammenhänge, haben dafür natürlich kein Verständnis mehr – und trotzdem feiern Rituale aller Art an Zeitpunkten, die eine Schnittstelle zwischen Gegenwart und Zukunft bilden, wieder fröhliche Urständ'.

Unsere Vorfahren hielten das Ausräuchern des persönlichen Umfelds in Haus, Hof und Stall für das probateste Mittel, sich vor unliebsamen Überraschungen wie Krankheiten, Ernteausfällen und Unglücken aller Art bei Tier und Mensch schützen zu können.

Ab dem 21. Dezember, genauer in dessen Nachtstunden und in den folgenden Tagen bis zum Heiligen Abend, so glaubte man, hätten die bösen Geister eine besondere Macht. Daher kommt auch der Glaube, dass der Teufel mitginge, wenn an einem Donnerstag nach dem 21. Dezember noch »geklöpfelt« würde.

Man nahm also Weihwasser und das Räucherpfandl zur Hand und die gesamte Familie räucherte, was das Zeug hielt. Gemeinsam ging man seinen gesamten Hofbereich ab. Nicht selten wurden dabei auch Gebete gesprochen. Im Räucherpfandl spielte und spielt – neben anderen Kräutern – auch heute noch der Wacholder eine ganz besondere Rolle, weil man ihn aller Orten als besonders abwehrkräftiges Mittel gegen unheilbringende Mächte ansah.

Nach dem Grundsatz »Nix g'wiss woaß ma net« hat sich das Ausräuchern zwar weniger am Thomastag, dessen Nachtstunden man ja als »Rauchnacht (nicht »Rauhnacht«) bezeichnet, wohl aber da und dort am Heiligen Abend, in der Silvesternacht und in der Nacht vor dem Dreikönigstag bis in unsere Tage erhalten. fb