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Schutz der Familie als Hauptaufgabe der Kirche

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Pfarrvikar Christoph Nobs nahm kein Blatt vor den Mund: Auch von der »Unwahrhaftigkeit und Lebensverlogenheit eines Teils des Klerus« war die Rede. Das sture Festhalten am Zölibat wurde von ihm kritisiert. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Eine Gesprächs- und Diskussionsrunde zu den Ergebnissen des ersten Teils der Familiensynode der Katholischen Weltkirche fand in der Pfarrei Heilig Kreuz in Traunstein statt. Organisiert wurde das Treffen von der Pfarrei, vom Katholischen Kreisbildungswerk Traunstein, dem Bildungs- und Exerzitienhaus St. Rupert Traunstein und der Reformgruppe Gemeindeinitiative.


Die Familiensynode fand im Oktober vergangenen Jahres in Rom statt, im Herbst 2015 soll sie ihre Fortsetzung finden. Dabei gab es auch eine Reihe von revolutionären Aussagen zu den Themen Sexualität, gleichgeschlechtliche Beziehungen oder die Abschaffung des Zölibats. Auch die Frage nach dem Umgang von Scheidung und Wiederverheiratung deckte sich nicht mit den derzeitigen, traditionellen kirchlichen Standpunkten, in dem Abschlussdokument fehlten diese aber.

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Die Bischofssynode und die Erzdiözese für München und Freising hatten die Gläubigen ausdrücklich eingeladen, am Meinungsprozess teilzunehmen – Form und Art des Prozesses stießen aber bei den gut 30 Teilnehmern in Heilig Kreuz auf deutliche Kritik. So sagte beispielsweise Christian Weisner von »Wir-sind-Kirche« in Richtung der deutschen Bischöfe: »Bewusst verschlafen, bewusst verschlampt!«. Der den Kirchenmitgliedern jetzt im Nachgang zur Verfügung gestellte Fragebogen, sei »ein Mittel zur Abschreckung«, es bestünden bei den Deutschen Bischöfen »alte Seilschaften«, es werde der »positive Franziskus-Effekt an die Wand gefahren.«

Ursula Lay, Vorsitzende des Katholischen Kreisbildungswerks Traunstein, betonte, dass man gesellschaftliche Entwicklungen nicht aufhalten könne. Gleichzeitig sei es wichtig, jungen Menschen eine »Wertebasis für Familie« nahezubringen. Theologe Jonas Weinzierl aus München (Queer-Gottesdienst-Gemeinde mit monatlichen Eucharistiefeiern für Schwule und Lesben), selbst seine homosexuelle Orientierung öffentlich bekennend, äußerte die Hoffnung, dass »die Kirche nicht über Homosexuelle redet, sondern mit ihnen.« Die Kirche dürfe bezüglich der Lebensrealitäten nicht die Augen verschließen. Er erhoffe sich in der Kirche eine Willkommenskultur aufgrund der »Kindschaft, ein Kind Gottes zu sein.« Das Ziel müsse eine absolute Gleichwertigkeit von heterosexuellen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in der Kirche sein.

Pfarrer Christoph Nobs, Pfarrvikar in Heilig Kreuz, kritisierte, dass fähige Leute vom höheren kirchlichen Dienst ausgeschlossen seien, da die Voraussetzungen »Mann, heterosexuelle Einstellung und zölibatärer Lebensstil« viele Gläubige ausgrenzen würden. Die Folge wäre unter anderem eine »Versonderbarung des Priesterberufes« mit immer weniger jungen Menschen im kirchlichen Dienst. Er forderte grundlegende Änderungen in der Einstellung zu den Themen Leiblichkeit, Familie und Sexualität in der katholischen Kirche. Mit deutlichen Worten prangerte er die »Unwahrhaftigkeit und die Lebensverlogenheit eines Teils des Klerus« an.

Im Anschluss wurde in Kleingruppe weiter diskutiert. Die Ergebnisse der Arbeiten wurden dann kurz vorgestellt. Dabei wurde der Schutz der Familie als eine der Hauptaufgaben der Kirche benannt. Außerdem wurde die klerikale Machtstruktur versus einer neu zu schaffenden Begegnungskultur in der Kirche thematisiert. Die Veranstaltung schloss mit der Aussage und der Hoffnung der Initiatoren, man vertraue darauf, dass sich etwas bewege. Kirchen- und Gottesvolk seien selbst verantwortlich und alle müssten sich auf den Weg machen. Hausherr Pfarrer Christoph Nobs zeigte sich mit der Mitwirkung zufrieden, die Teilnahme von über 30 Personen sei beachtlich gewesen.

Die in der Abschlussrunde zusammengefassten Statements werden nun – wie in anderen Regionen in Deutschland – weiter konkretisiert und den zuständigen Bistümern zur Verfügung gestellt. Von dort sollen sie in den Meinungsbildungsprozess im zweiten Teil der Familiensynode mit einfließen. awi