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Schulleben in Grassau in der Nachkriegszeit

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Begeistert zeigten sich Verwaltungschef Robert Höpfner (von links) und 2. Bürgermeisterin Doris Noichl über die Seminararbeit von Veronika Buchner. Gelobt wurde sie auch von Jugendreferentin Daniela Ludwig, Bürgermeister Rudi Jantke und Stefan Kattari, der ihr Material zur Verfügung gestellt hatte. (Foto: T. Eder)

Grassau. Über das Schulleben in der Nachkriegszeit von 1945 bis 1955 in Grassau schrieb die 22-jährige Veronika Buchner ihre Abschlussarbeit für das Abitur an der Beruflichen Oberschule Traunstein und wurde dafür mit dem Max-Fürst-Preis des historischen Vereins Traunstein ausgezeichnet. Jetzt wurde die Preisträgerin im Rathaus von Bürgermeister Rudi Jantke, 2. Bürgermeisterin Doris Noichl, Jugendreferentin Daniela Ludwig und vom Archivbetreuer und Autor des Chronikbandes »Grassauer Schulgeschichte« empfangen.


Für Grassau habe diese Seminararbeit eine besondere Bedeutung, so Jantke. Er gratulierte der angehenden Studentin zur Auszeichnung. Sie habe ein Stück Grassauer Geschichte aufgearbeitet. Veronika Buchner erzählte, dass sie eigentlich über das Schulleben während der Nazizeit schreiben wollte, hierzu aber kaum Informationsmaterial vorhanden war. So nahm sie eine andere Zeitspanne. Da sie selbst Lehramt für das Gymnasium studieren werde, war die Schulgeschichte naheliegend.

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In ihrer Seminararbeit geht Veronika Buchner unter anderem auf die Auseinandersetzung des damaligen Pfarrers Hausladen mit dem Rektor Limmer, der als fanatischer Nationalsozialist galt, ein. Ihre Informationen bezog sie aus dem Gemeindearchiv, dem Archiv der Pfarrei und der Grassauer Volksschule sowie aus Interviews mit Zeitzeugen. Grund des Konfliktes 1941 war das Entfernen der Kreuze aus den Klassenzimmern. Gegen den Willen des Schulleiters kamen die Kreuze 1943 auf Druck der Grassauer Landwirte wieder in die Klassenräume zurück.

Die Abiturientin beschreibt die Situation nach dem Krieg und beginnt mit dem Einzug der Amerikaner, die im Schulgebäude untergebracht worden waren. Sie berichtet über Plünderungen und das Unterrichtsverbot vor der endgültigen Entnazifizierung sowie vom erweiterten Suizid des Dorflehrers Limmer. Weiter widmet sie sich dem Platzmangel in der Schule, bedingt durch die wachsende Zahl der Schüler. Unter den 440 Schülern waren 108 Flüchtlinge. Heute kaum vorstellbar wurde damals aufgrund fehlender Klassenräume im Schichtbetrieb unterrichtet. Einige Klassen drückten vormittags die Schulbank, während andere am Nachmittag zum Zuge kamen. Auch an Unterrichtsmaterial mangelte es und die Weihnachtsferien wurden verlängert, da kein Brennstoff vorhanden war.

Stefan Kattari, der 1955 eingeschult und selbst auch als Zeitzeuge interviewt wurde, erklärte, dass die Schulzeit von den meisten im Nachhinein verklärt werde. Umso schwieriger sei daher heute das Filtern von Informationen. tb