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Schulen stellen auf Digitalunterricht um – Probleme, aber auch neue Möglichkeiten

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Traunstein: Schulen stellen auf Digitalunterricht um
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Verwaist sind seit Montag auch die Klassenzimmer in den Gymnasien und in der Beruflichen Oberschule im Landkreis Traunstein. Die Schulen stellen auf digitalen Unterricht um – was alles andere als einfach ist.

Landkreis – Not macht erfinderisch. Wie die anderen Schulen hat der Staat auch die Gymnasien und die Berufliche Oberschule im Landkreis Traunstein – bedingt durch die Corona-Krise – geschlossen. Seit Anfang der Woche herrscht gähnende Leere in den Klassenzimmern. Die Schulleitungen suchen einen Ausweg aus dieser Notlage: Sie digitalisieren den Unterricht.


Über Plattformen im Internet unterrichten die Lehrer die Schüler – so gut es geht. Denn: Der Aufbau des Digitalunterrichts ist, wie eine Umfrage des Traunsteiner Tagblatts ergeben hat, alles andere als einfach. Die Schulen geben sich einfallsreich.

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Auch und gerade in den Gymnasien im Landkreis Traunstein ergeben sich besondere Herausforderungen. Auf digitalem Wege Wissen zu vermitteln ist in den Tagen der Corona-Krise vor allem deshalb ein schwieriges Unterfangen, weil die Internetplattform »mebis«, die das Kultusministerium zur Verfügung stellt, nicht so funktioniert, wie sie eigentlich funktionieren sollte. Das System ist, bedingt durch die vielen Zugriffe, überlastet, wer Glück hat, bekommt einen Zugang, wer nicht, muss warten.

Das Chiemgau-Gymnasium (CHG) in Traunstein fühlt sich laut stellvertretendem Schulleiter Markus Gnad »ein bisschen überrollt« davon, dass mebis nicht so funktioniert wie gewünscht. »Die Lernplattform mebis des Bayerischen Kultusministeriums ist seit Tagen überlastet. Aus diesem Grund können Schüler und Lehrer nur bedingt zugreifen.« Der einzige Tipp, den die Schulleitung geben kann, sei, die Zugriffe auf nachfragearme Zeiten wie frühmorgens oder spätabends zu verlagern. Die Schule hoffe, so Gnad, dass sich die »Performance« des Internetportals in den nächsten Tagen verbessert.

Unabhängig von diesen Vorgängen, die die Schule nicht beeinflussen kann, verfolge das Chiemgau-Gymnasium vor Ort in Traunstein auch »andere Lösungen«, den Digitalunterricht auf sichere Beine zu stellen. So arbeite das CHG daran, den Schülern eine digitale Kommunikations- und Lernplattform eines kommerziellen Anbieters – und zwar Office 365/Teams – zur Verfügung zu stellen. Sobald eine Lösung gefunden ist, erhalten die Eltern laut Gnad Informationen. »Unabhängig davon haben viele Lehrkräfte mittlerweile begonnen, die Arbeitsmaterialien per E-Mail zu verschicken.«

Was die Vorbereitungen für das Abitur betrifft, so bemühen sich die Lehrer laut dem stellvertretenden Schulleiter »sehr stark, den Schülerinnen und Schülern Material zur Verfügung zu stellen«. Unter anderem erhalten sie laut Gnad etwa auch die Möglichkeit, Aufgaben zu bearbeiten oder Aufsätze zu schreiben, die dann vom Lehrer korrigiert werden.

Ein Programm für die Schüler aufgelegt

»Mebis ist in die Knie gegangen«, sagt Bernd Amschler, der Schulleiter des Annette-Kolb-Gymnasiums (AKG) in Traunstein. Jede Schule sei nun angehalten, ihren eigenen Weg zu finden. Das AKG habe ein »Lern- und Beschäftigungsprogramm« aufgelegt, das die Schüler über die Homepage der Schule abrufen können und sollen. Laut Amschler erteilen die Lehrer den Schülern über diesen Weg Arbeitsaufträge – einschließlich Hinweisen auf Tutorials und andere Hilfen, die das Arbeiten zuhause erleichtern.

Die Schüler seien unter anderem auch aufgefordert, so Amschler weiter, ein »Lerntagebuch« zu führen. Und auch eine Kontrolle durch die Lehrer sei gegeben – was jedoch keine Leistungserhebung sei, die sich in Noten ausdrückt. Ziel sei, eine Kommunikation zwischen dem Lehrer und dem Schüler herzustellen.

Der Schulleiter macht kein Hehl daraus, dass der Aufbau eines digitalen Unterrichts ein schwieriges Unterfangen ist – und dass immer ein Schritt nach dem anderen erfolgt. »Wir fahren auf Sicht«, sagt Bernd Amschler. Und er fügt hinzu, dass auch das Annette-Kolb-Gymnasium nicht einfach von »null auf 100« komme und von heute auf morgen eine neue Unterrichtsform via Internet auf die Beine stellen könne.

Digital arbeitet auch das Landschulheim (LSH) Marquartstein. »Der Unterricht läuft«, sagt Katharina Brachmann, die stellvertretende Schulleiterin. Auch das LSH setzt auf mebis und parallel zu dieser Internetplattform auch auf Office 365. Der Digitalunterricht, der nun an die Stelle des gewöhnlichen Unterrichts in den Klassenzimmern tritt, sei »extrem vielfältig« und biete viele Möglichkeiten – und damit etwa auch die Chance, sich regelmäßig auszutauschen. »Wir haben ausgegeben, dass die Schüler zweimal pro Woche neue Impulse bekommen«.

Sie seien dann aufgefordert, diese Anstöße eigenverantwortlich abzubauen. Die Erfahrungen der ersten Tage belegen laut Bachmann, dass der ungewohnte Unterricht schon recht gut klappt: Lehrer gehen ihren Angaben zufolge über das normale Maß der Wissensvermittlung hinaus und stellen zum Beispiel auch Videokonferenzen auf die Beine.

Die stellvertretende Schulleiterin sieht in der krisenbedingten Umstellung des Unterrichts nicht nur Nach-, sondern auch Vorteile. Der Digitalunterricht bringe, wie sie sagt, »sehr viel«. Denn wer sich bisher geweigert habe, diese Technik anzunehmen, »hat nun keine Wahl mehr«.

Einen digitalen Unterricht, der Wissen aus der Schule in die Haushalte bringt, hat auch die Berufliche Oberschule Traunstein eingerichtet. Die Lehrer der unter diesem Dach vereinten Fachoberschule (FOS) und Berufsoberschule (BOS) stehen nach Angaben von Schulleiterin Barbara Spöttl über digitale Plattformen – über Skype-Konferenzen, Cloud-Lösungen, Vibos und WebUntis sowie Mail – mit den Schülern in Kontakt. Die Lehrer erteilen ihr zufolge auch Arbeitsaufträge, die dann von den Schülern eigenverantwortlich ausgeführt werden müssen.

Die Schüler seien, so Spöttl, zum regelmäßigen Lernen angehalten. Wer keinen Vibos-Zugang hat, den fordert sie auf, mit dem jeweiligen Klassenleiter oder Klassenleiterin Kontakt aufzunehmen. Spöttl weiter: »Abhängig von der jeweiligen Lehrkraft können Leistungen eingefordert werden, die auch benotet werden.«

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