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Schulen bis in den Mai geschlossen: »Da hilft nur gelassen bleiben«

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Traunstein: Schulamtsleiter Otto Mayer rät Kindern und Eltern zur Ruhe
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Lernen daheim am Balkon – sieht zwar ganz idyllisch aus, ist aber für viele Eltern und Schüler nur schwer bis gar nicht zu bewerkstelligen. Schulamtsleiter Otto Mayer rät: »Eltern sind in erster Linie Eltern und nicht Lehrer. Was geht, das geht, was nicht geht, eben nicht. Da hilft nur gelassen bleiben«. (Foto: Hohler)

»Seit heute sind die wichtigsten Termine definiert – zumindest zunächst einmal«, sagt Schulamtsleiter Otto Mayer. Alles Weitere hänge natürlich von der weiteren Entwicklung der Corona-Infektionen in Bayern ab.


Ab dem 27. April kehren demnach die Abschlussklassen in die Schulen zurück, alle anderen voraussichtlich ab dem 11. Mai. »Dabei wurde jetzt konkretisiert, dass die vierten Klassen keine Abschlussklassen sind«, sagt Mayer. Eine Frage, die viele Viertklässler-Eltern umgetrieben habe.

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Moderate Klassenstärken sind jetzt hilfreich

Wie das Ganze an den Schulen im Landkreis Traunstein umgesetzt werden kann, da seien vor allem die Schulleiter gefragt. »Aber bei unseren relativ moderaten Klassengrößen von um die 20 Schüler tue ich mir da natürlich leichter als jetzt Kollegen an den Gymnasien mit oft 30 Schülern pro Klasse«, sagt Mayer. Und manche Grundschule habe heute auch weniger Schüler als früher.

Unterschiede gebe es auch bei der Größe der Räume. In neuen Schulen seien die genormten Klassenzimmer oft kleiner, »in Altbauten mit großen Räumen kann ich da sicher anders planen. Da muss der Schulleiter schauen, was er wie unterbringt.«

Denkbar sei etwa, Klassen auch zeitlich zu trennen, etwa von 8 bis 10 Uhr den einen Teil der Klasse zu unterrichten, den anderen von 11 bis 13 Uhr. Dazu müsste natürlich der Unterrichtsstoff auf das absolut Nötigste heruntergebrochen werden, also die Kernfächer wie Deutsch, Mathematik und in den Abschlussklassen Englisch. »Aber das ist bisher reine Spekulation«, sagt Mayer mit Verweis auf immer neue, ständig aktualisierte Verordnungen.

Der Knackpunkt für ihn, und dazu gebe es bisher keine verbindliche Aussage, sei die Frage, ob man etwa in den Pfingstferien den Unterricht weiter laufen lasse. »Wenn bis dahin noch niemand verreisen darf, wäre das durchaus denkbar. Das brächte mehr Unterricht und Gelegenheit, den Stoff zu wiederholen, für die Abschlussklassen. Aber da warten wir noch auf die Entscheidung.« Aber er habe das nicht zu entscheiden, da seien jetzt die Politiker gefragt, es hätten zahlreiche Lobbygruppen mitzudiskutieren. »Aber wenn schon, dann wäre Pfingsten da sicher eher geeignet, als die Sommerferien. Aber die Entscheidung darüber steht mir nicht zu. Da ist jetzt die Politik gefragt.«

Auf jeden Fall gebe es Anweisungen für Lehrer, dass diese in den ersten Tagen und Wochen nach Schulöffnung die Kinder wieder auf einen einheitlichen Wissensstand bringen. »Die Versorgung mit dem Lehrstoff hat ja völlig unterschiedlich gut geklappt. Und ich verstehe das gut, dass Eltern nicht gleichzeitig im Homeoffice arbeiten und die Kinder unterrichten können.«

»Eltern sind keine Lehrer, das erwartet auch keiner«

Generell rät Mayer aber allen Beteiligten zur Gelassenheit. »Eltern sind keine Lehrer, das erwartet auch keiner ernsthaft. Also bitte bleiben Sie gelassen.« Auch die Lehrer, die zum Großteil unglaublich engagiert und bemüht seien, seien trotz allen Engagements gehalten, das Maß zu wahren. »Das Ganze ist auch für unsere Kollegen ein fruchtbarer Lernprozess.«

Ansonsten sei das Schulamt im Fluss – also im ständigen Austausch mit dem Kultusministerium, dem Landratsamt und auch den Schulleitern. So sei das Landratsamt derzeit bemüht, auch für die Schulen Desinfektionsmittel und Schutzmasken zu beschaffen, »aber, ob das dann nur die weiterführenden, also vom Landkreis betriebenen, Schulen betrifft oder auch die Grundschulen, das muss man noch abwarten.« Denn Sachaufwandsträger der Grundschulen seien die Gemeinden, die sich um derartige Dinge kümmern müssten. »Auch da sind wieder die örtlichen Schulleiter gefragt«, so Mayer.

Die Schulleiter hätten auch in den Ferien jeden Tag Bereitschaftsdienst geleistet, um die Koordination organisatorischer Fragen jederzeit möglich zu machen. »Jede Schule stellt außerdem die Notbetreuung sicher. Diese soll ja auch ausgeweitet werden, um Eltern zu entlasten. Aber das Wie ist auch noch unklar«, so Mayer weiter. Das Ganze sei an kleinen Schulen sicher einfacher zu organisieren als an großen. »Durchschnittlich hatten wir in den letzten Wochen im Landkreis zwischen 30 und 35 Kinder in der Notbetreuung.«

»Wir brauchen belastbare Grundstrukturen«

»Wie auch immer, wir brauchen auf alle Fälle belastbare Grundstrukturen, um weiter zu planen«, sagt Mayer. Er müsse dabei auch sein »kritisches Personal« im Blick haben, etwa 40 schwangere Kolleginnen oder ältere Kollegen mit Vorerkrankungen. »Die muss ich natürlich besonders schützen«. Und es habe auch infizierte Kollegen gegeben, deren Kontaktpersonen ermittelt werden mussten, »da sind die Schulleiter gut beschäftigt.«

Einige hätten auch besondere Herausforderungen zu meistern, wie der Schulleiter in Grassau, dessen Unterrichtsräume seit dem Wasserschaden im vergangenen Jahr die Container seien. Aber generell seien die Kollegen ausgesprochen motiviert. »Und der Großteil ist auch sehr kreativ unterwegs, was die Suche nach Lösungen anbelangt, zum Teil auch analog. Manche Lehrer haben Arbeitsblätter erstellt oder in den letzten Tagen vor der Schließung der Schulen Bücher und Hefte mit heim gegeben. Aber für alle Beteiligten gelte es jetzt erst einmal, die Ruhe zu bewahren: Da hilft nur gelassen bleiben.« coho

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