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Schulausfälle: »Jetzt wird es schon auch Zeit, dass wir wieder anfangen«

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In 17 Gemeinden im südlichen Landkreis fällt der Unterricht noch bis einschließlich Freitag aus.

Was sind das für lange Weihnachtsferien: statt 16 Tagen schulfrei haben viele Schüler im Landkreis ganze 30 Tage Ferien. Das gab es noch nie. Die Kinder und Jugendlichen freut's. Endlich Zeit zum Spielen, zum Schneeschaufeln, Schneemann-Bauen, Ratschen, Rumhängen. Geschenkte Tage! Viele Eltern müssen sich jedoch gehörig durch die schulfreien Tage jonglieren.


Die meisten Arbeitgeber zeigen zwar größtes Verständnis, wenn ihre Mitarbeiter freinehmen müssen. Urlaubstage gibt es deshalb aber auch nicht mehr. Und so werden viele berufstätige Eltern überlegen müssen, wie sie die übrigen 14 regulären Schulferien-Wochen abdecken können. Von Betroffenen hörte man immer wieder, ob denn der lange Schulausfall sein muss.

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»Ja«, sagen alle Verantwortlichen. Denn wer würde die Verantwortung übernehmen, wenn den Kindern auf dem Weg zur Schule etwas passiert? Und angesichts der Schneemassen entlang der Straßen und auf Gehwegen kann man diese Ansicht nur teilen.

»Die Schulen wären durchaus in der Lage gewesen, Unterricht zu führen«, sagt Bernd Amschler, Schulleiter am Annette-Kolb-Gymnasium, fast schon rechtfertigend. Auch er wird immer wieder mit der Frage konfrontiert, warum nicht unterrichtet wird. »Aber der sichere Schulweg war einfach nicht gewährleistet« und deshalb sei der Schulausfall auch gerechtfertigt. Überhaupt sieht Amschler die Situation relativ unaufgeregt. »So eine Situation hatten wir noch nie und wir haben uns das auch nicht ausgesucht.« Aber im Lehrplan gebe es für solche Fälle Puffer und »damit müssen die Lehrer jetzt dann umgehen«. Er sei lange genug im Schuldienst, um einschätzen zu können, dass das auch möglich sei. Aber: »Jetzt wird es schon auch Zeit, dass wir wieder anfangen.«

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte bereits am Wochenende im Bayerischen Rundfunk angekündigt: Die ausgefallenen Schulstunden müssen nicht nachgeholt werden. »Im Lehrplan ist immer Luft drin, gerade für solche Verhältnisse.« Die Lehrer können nach Angaben seiner Sprecherin den ausgefallenen Unterricht über das gesamte Schuljahr nachholen. Inhalte könnten dabei geschoben werden.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. In Klartext heißt das, die Schulen müssen, wenn der Unterricht wieder beginnt, »den Fokus primär auf den Unterricht setzen«, bestätigten Amschler und Günther Miller, Rektor der Achental-Realschule. »Die schönen Sachen im Schulalltag wie Veranstaltungen, Projekte, Wettbewerbe müssen leider gekürzt werden, um sich auf den Lehrstoff zu konzentrieren«, bedauert Miller.

Die Lehrer der Achental-Realschule haben per E-Mail Aufgaben an die Schüler verschickt, »dass sie dran bleiben und ein bisschen etwas tun können«, erläutert der Schulleiter. Auch am Annette-Kolb-Gymnasium halten die Lehrkräfte vor allem mit den Abiturklassen engen Kontakt und stellen im Internetportal Mebis Aufgaben bereit. »Diese Arbeitsaufträge können den Unterricht aber nicht ersetzen«, fügt Amschler an.

Um die Zwischenzeugnisse macht sich keiner der Schulleiter ernsthaft Gedanken. »Leistungen sind ja bereits da«, sagt Amschler. Und Günther Miller meint: »Ich bin optimistisch, dass wir die nötigen Prüfungen noch gut unterbringen. Ich glaube nicht, dass groß was anbrennt.«

Noch entspannter sehen die Rektoren der Grundschulen die Lage. »Warum sollen wir was nachholen?« fragt zum Beispiel Joachim Müller von der Grundschule Waging. »Bis jetzt ist das noch unproblematisch.«

Erstaunlich gut gehen die Eltern wohl mit den Schulausfällen um. Zumindest tauchen so gut wie keine Schüler in den Schulen auf, wo trotz Unterrichtsausfall eine Betreuung gewährleistet wird. Allerdings fehle bei manchen schon das Verständnis über die lange Zeit des Schulausfalls, so Miller vor allem im Hinblick auf die erneute Verlängerung bis Ende der Woche. ka