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Schreinerlehre und gleichzeitig Abitur: »Einfach bärig«

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Aus dem sprichwörtlichen Nähkästchen plauderten gestern die fortgeschrittenen auszubildenden Schreiner am Landschulheim Marquartstein mit Kultusstaatssekretär Bernd Sibler. Er informierte über die in Bayern einzigartigen Möglichkeiten, an der Schule neben dem regulären Unterricht eine Ausbildung zum Schreinergesellen zu absolvieren. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Seit dem Schuljahr 2004/2005 haben bereits zehn Schreinergesellen mit dem bestandenen Abitur in der Tasche das Staatliche Landschulheim Marquartstein verlassen. Diese duale Ausbildung ist eine einzigartige Möglich-keit, die es in Bayern nur an diesem Gymnasium gibt.


Derzeit lassen sich 13 Lehrlinge, darunter ein Mädchen, neben der Schule von Schreinermeister Michael Huber in der schuleigenen, modern ausgestatteten Schreinerei in dem Handwerk unterweisen. Über dieses bayernweit bisher einzigartige Projekt »Handwerk und Schule« informierten sich am gestrigen Montag Kultusstaatssekretär Bernd Sibler und Peter Brendel, Sprecher und Koordinator der öffentlichen Internatsschulen in Bayern. Neben dem stellvertretenden Schulleiter Martin Bauhofer führte auch der ehemalige Schulleiter Hans Schwab durch die Schreinerei und die übrigen Werkstätten der Schule. Schwab hatte die professionelle Schreinerausbildung an der Schule in die Wege geleitet und den Bau des neuen Schreinerei-gebäudes koordiniert.

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Handwerk als Tradition der Schule

Schwab beantwortete die Frage Siblers, warum es gerade am Landschulheim diese Kombination von Schule und Handwerk gebe, mit der Tradition der Schule. Hermann Harless, der die Schule vor 85 Jahren, also im Jahre 1928, gegründet hatte, legte bei seinem pädagogischen Konzept schon damals größten Wert auf geistige und handwerkliche Arbeit, dazu Sport und musische Erziehung. Deshalb gab es am Landschulheim schon immer für die Schüler der fünften Klassen Werkkurse in Töpfern, Schreinern, Gärtnern und Elektrotechnik. In Wahlkursen wird in kleinen Gruppen in gut ausgestatteten Werkstätten gearbeitet, wo die Schüler von Handwerksmeistern unterrichtet werden.

Vor nunmehr acht Jahren, im Schuljahr 2004/2005 hatte die Schule mit der Handwerkskammer für München und Oberbayern, dem Fachverband für Schreinerhandwerk und dem Kultusministerium ein Konzept für die duale Ausbildung am Gymnasium erarbeitet.

Hohe Anforderungen an die Schüler

Bernd Sibler befragte auch einige Schreinergesellen aus der elften Klasse, die in diesem Jahr sowohl die Gesellenprüfung als auch die Abiturprüfung ablegen werden. Auf die Frage, ob nicht beide Ausbildungen zusammen sehr anstrengend seien, meinte einer der Schreinerlehrlinge »man gewöhnt sich total daran«, es sei einfach »ein bäriger Job« und auch »bärig, wenn man so eine Ausbildung hat«.

An die Schüler, die sich fünf Jahre lang neben dem regulären Schulunterricht nachmittags und am Wochenende dieser Ausbildung unterziehen, werden hohe Anforderungen gestellt. An zweieinhalb Nachmittagen haben sie praktischen Unterricht in der Schreinerei von Schreinermeister Michael Huber, der an der Schule angestellt ist. Dazu kommen in den Ferien Betriebspraktika und Fachkundeunterricht von Lehrern aus der Berufsschule in Traunstein. Obwohl die Schule anfangs fürchtete, die verkürzte Schulzeit im G8 könnte weniger Interessenten für diesen dualen Ausbildungsgang bringen, zeigte sich, dass bei leis-tungsstarken Schülern die Ausbildung auch bei der verkürzten Schulzeit machbar ist.

Die kleine Delegation aus dem Kultusministerium besichtigte auch die übrigen Werkstätten, zum Beispiel die Töpferei mit Keramikmeisterin Majlis Dobel, die gerade mit Mädchen aus der fünften Klasse arbeitete, ebenso die Gärtnerei, wo Gärtnermeister Josef Dirnberger den Mädchen gerade zeigte, wie Salatpflänzchen richtig eingesetzt werden. gi