weather-image
26°

Schon die Oma sagte: »Du wirst Pfarrer oder Goldschmied«

2.9
2.9
Bildtext einblenden
Pfarrer mit grünem Daumen: Der von Martin Klein gepflanzte Zwetschgenbaum im Obinger Pfarrgarten ist voller Früchte. Nicht nur zum Ernten will Martin Klein hin und wieder in Obing vorbeischauen. Der Abschied von dort fällt ihm schwer, er freut sich aber auch auf seine neue Aufgabe im Pfarrverband Teisendorf-Oberteisendorf-Neukirchen. (Foto: Auer)

Je näher der Abschied aus Obing rückt, desto bewusster werde ihm, dass er ein Stück Heimat zurücklasse, sagt Pfarrer Martin Klein. So sehr er sich auch auf seinen neuen Pfarrverband Teisendorf-Oberteisendorf-Neukirchen mit derzeit 6363 Mitgliedern freue, der Abschied aus Obing falle ihm schwer.


»In Obing hat es von Anfang an gepasst« – die Lebensart habe ihm getaugt, betont der gebürtige Ruhpoldinger. Als sich 2002 das Personalkarussell gedreht habe und unter anderem auch Pfarreien wie Bad Endorf, Holzland, Altfrauenhofen und Glonn zur Wahl standen, habe ihm der Vater geraten, sich nach Obing zu bewerben, »denn da versteh'n dich die Leut' am ehesten«. Da habe er wohl Recht gehabt, schmunzelt Klein im Nachhinein.

Anzeige

Wechselnde Haarpracht und Ohrring

Das gute Miteinander ist dem 51-Jährigen besonders wichtig. Von den Mitgliedern der kommunalen und kirchlichen Gremien war zu hören, dass der Pfarrer immer um eine gemeinsame und gute Lösung bemüht sei. Seine Mitarbeiter schätzen ihn als guten Chef, der immer objektiv, selten impulsiv und nie nachtragend sei. Außerdem wird seine geradlinige und lockere Art gelobt, aber auch die würdevolle Gestaltung der Gottesdienste.

Geprägt wurde Klein, der sich von seinem äußeren Erscheinungsbild mit wechselnder Haarpracht und Ohrring von vielen seiner Berufskollegen abhebt, neben seiner Familie, von seinem idyllischen gelegenen Heimatort. Umgeben von Wald, Wiesen, Bergen und Wasser habe er in Kindertagen das Gefühl großer Freiheit erlebt und den Sinn für die Schönheit der Natur und die Schöpfung entwickelt, schwärmt Klein, der mit ganzem Herzen »Rauschbergler« ist und sich mit den Ruhpoldinger Trachtlern und ihrer »Musi« tief verbunden fühlt.

Klein hat nach seinem Abitur erst Lehramt für Deutsch und Musik an der Universität Eichstätt und parallel dazu vier Semester Instrumentalpädagogik am Mozarteum studiert. Das sei nicht verkehrt gewesen, denn ein Pfarrer, der musikalisch ist und eine Predigt halbwegs formulieren kann, schade nicht und im Religionsunterricht, der ihm großen Spaß mache, komme auch manchmal der Lehrer durch. Nach dem ersten Staatsexamen sei für ihn aber klar gewesen, dass er Priester werden möchte. Schon die Oma habe immer gesagt, »du wirst Pfarrer oder Goldschmied«, weil er bereits als Kind Gefallen an schönen Dingen gefunden habe, erzählt Klein lachend. Damals habe er aber noch von einer Familie mit vier Kindern geträumt. In der elften Klasse am Chiemgau-Gymnasium hatte Klein dann ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, ans Studienseminar St.   Michael in Traunstein zu wechseln. Der damalige Leiter und seine Mama hätten ihm aber geraten: »Lern' erst mal was Gscheids.« Die Entscheidung, Priester zu werden, habe er aber nie bereut. Er habe seinen Platz in der Welt gefunden. Der gute Draht zum Herrgott, der einen immer halte, sei wichtig für ein gutes und friedliches Miteinander. Nur so könne die Gemeinschaft auf Dauer bestehen, so Klein.

Ratgeber und Türöffner

Das Schönste an seinem Beruf seien die Menschen, zu denen oft ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis bestehe. Viele ließen ihn in ihr Inneres schauen, häufig sei er Ratgeber und Türöffner, um die Herzen für den Herrgott aufzuschließen. Deswegen predige er auch so gerne, »weil ich die Leute berühren und mitnehmen möchte.«

Nach seinem Urlaub wird Martin Klein ab September den Pfarrverband Teisendorf-Oberteisendorf-Neukirchen übernehmen. Er sei neugierig auf seine neue Pfarrgemeinde und er freue sich auf die große Aufgabe. In naher Zukunft soll noch Weildorf zum Pfarrverband kommen, der dann gut 7200 Mitglieder zählt. ac