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»Schockiert« über enorme Kostensteigerung für Hospiz

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Euro-Banknoten liegen übereinander. Foto: Daniel Reinhardt/Archiv Foto: dpa

Traunstein – Die enorme Kostensteigerung für den Neubau des Chiemseehospizes in Bernau an der Baumannstraße von anfangs grob geschätzt etwa vier Millionen Euro einschließlich 800 000 Euro für Grunderwerb auf zuletzt 6,2 Millionen Euro ohne Grundstück erntete im Kreisausschuss Traunstein gestern harsche Kritik. Niemand stelle aber die für Südostbayern sehr wichtige Einrichtung als solches in Frage, das konstatierten die Gremiumsmitglieder wie auch Landrat Siegfried Walch in der Sitzung ausdrücklich. Der Vorstand des Hospiz-Verwaltungsrats, Günther Pfaffeneder, konnte gestern nicht mal die Zusage geben, dass sich das Projekt nicht noch weiter verteuert. Das Hospiz mit zehn Betten soll Ende 2019 fertig sein.


Der Kreistag Traunstein hatte im Oktober 2016 beschlossen, sich an einem Kommunalunternehmen zusammen mit den Landkreisen Rosenheim und Berchtesgadener Land sowie der Stadt Rosenheim zu beteiligen. Gegründet wurde das Unternehmen mit einem Traunsteiner Anteil von gut 29 Prozent am Stammkapital im Januar 2017. Vorsitzender des Verwaltungsrats ist Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler. Zum Vorstand bis Ende 2019 wurde Günther Pfaffeneder bestellt. Dem Beirat des Kommunalunternehmens gehören vier Hospizvereine aus Südostbayern an. Außerdem entstand ein Förderverein mit den beiden Landkreisen, der Stadt Rosenheim und der Gemeinde Bernau sowie den vier Hospizvereinen und der Caritas Traunstein als Mitgliedern. Erster Vorsitzender des Fördervereins ist der frühere Landtagspräsident Alois Glück.

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Grundstück für 65 Jahre auf Erbpacht angeboten

Wie Landrat Walch dem Kreisausschuss mitteilte, sind sich die Beteiligten in Sachen Grundstück einig. Günther Pfaffeneder erläuterte die Details. Zunächst habe der Freistaat Bayern für das Areal auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Bernau eine Million Euro gefordert. Das sei dem Verwaltungsrat zu teuer gewesen. Das Ministerium habe eingelenkt und das Grundstück für 65 Jahre auf Erbpachtbasis mit eventueller Verlängerung um 35 Jahre angeboten. Anfang April sei mit dem Abbruch des auf der Fläche stehenden, nicht mehr für Mitarbeiterwohnungen benötigten Gebäudes begonnen worden. Pfaffeneder informierte über einen Staatszuschuss von 100 000 Euro oder 10 000 Euro je Pflegeplatz. Den Bezirk Oberbayern werde man noch ansprechen. Üblicherweise übernähmen die Kassen 95 Prozent der Aufenthaltskosten in einem Hospiz. Für den Rest müsse der Träger aufkommen über Eigenmittel und Spenden.

Die Planung umfasst nach Pfaffeneder einen großen Flachbau, auf einem kleinen Teil aufgestockt mit einer Etage und einem Dachgeschoß. Die Bewohnerzimmer gehen alle nach Süden oder Westen. Der gesamte Pflegebereich ist im Erdgeschoß vorgesehen, dazu Küche, Ess- und Aufenthaltsbereich sowie Büros. Im ersten Obergeschoß werden zwei wie Pflegezimmer ausgestattete Gästezimmer, ein »Raum der Stille« und eine kleine Dachterrasse eingerichtet, im Dachgeschoß ein Leichenraum einschließlich Kühlmöglichkeit. Der Referent betonte, man sei im Zeitplan. Die Einweihung werde 2019 oder 2020 erfolgen.

Grundsätzlich sei es »ein positiver Schritt zusammen mit den Gebietskörperschaften, das Thema Hospiz anzugehen«, leitete Landrat Walch die Diskussion ein. Die letzte Phase im Leben eines Menschen müsse würdevoll gestaltet werden. Der Landkreis Traunstein erwarte, dass Zeit- und Kostenpläne strikt eingehalten werden: »Wir mögen die Kostensteigerungen überhaupt nicht.«

Gebäude später nicht erweiterbar

Dr. Lothar Seissiger, FW/UW, meinte, das Hospiz entlaste die Palliativstationen – in denen eigentlich Schmerzen gestillt werden, die Patienten dann nach Hause zurückkehren sollten. 6,2 Millionen Euro für diesen schlichten Bau ohne Grundstück seien »wirklich nicht preiswert«. Auf Frage Dr. Seissigers antwortete Günther Pfaffeneder, das Gebäude sei später nicht erweiterbar. Zu den Kostenberechnungen erläuterte der Vorstand: »Bislang gibt es noch keine Ausschreibungen. Wir haben aber eine gute Chance, den Rahmen einzuhalten.«

Dazu Walch: »Ich bin schockiert, was da passiert.« Die Kostenmehrungen hätten überwiegend mit dem schlechten Untergrund in Bernau zu tun. Über den Standort habe man mit dem Landkreis Rosenheim nicht streiten wollen. Leider gebe es keine Alternative: »Ich traue mich nicht zu sagen, ob die Kosten auf dem jetzigen Stand bleiben.«

Das Gebäude gefalle ihr nicht, müsse es aber auch nicht, hob Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, SPD, heraus. Der Bedarf an Hospiz-Plätzen nehme zu. Hoffentlich werde man von den Zahlen langfristig nicht überholt. Bei den zwischendurch genannten Kosten von 5,3 Millionen Euro habe sie gedacht: »Da ist das Grundstück mit dabei.« Vorstand Pfaffeneder erwiderte, die Kostensteigerungen seien vorwiegend auf »Wünsche nach technischen Einrichtungen« zurückzuführen wie ein »Wohlfühlzimmer« statt einem Pflegebad oder doppelte Flügeltüren statt normaler Türen. Die Wünsche, auch für den Außenbereich, summierten sich. »Das ist untragbar. Die Schätzungen sind gschlampert. Hinterher wird die Genehmigung eingeholt. Das ist entweder Taktik oder Versagen«, reagierte der Landrat. Wer die Abbruchkosten trage, wollte Willi Geistanger, Bündnis 90/Die Grünen wissen. Das Kommunalunternehmen müsse das übernehmen, gab Pfaffeneder Auskunft. kd

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