weather-image
32°

»Schnitzen ist wie eine Therapie«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Georg Gröbner schnitzt zurzeit an einer Heiligenfigur, die er nach eigenen Vorstellungen gestaltet und formt. (Foto: Mix)

Traunreut. Eine Gruppe von zehn Hobbyschnitzern, darunter auch drei Frauen, trifft sich in den Wintermonaten alle zwei Wochen im Werkraum der Schule in St. Georgen zum gemeinsamen Schnitzen. Am Anfang stand vor vielen Jahren ein Kurs der Volkshochschule. Einige der Teilnehmer waren damals so fasziniert von diesem Hobby, dass sie seitdem regelmäßig schnitzen. In all den Jahren entstanden unzählige kleinere und größere Figuren, Tafeln und Kreuze – allesamt wahre Kunstwerke aus Holz.


Die Frauen, die in der Gruppe mitschnitzen, entdeckten ihren Spaß an der Arbeit mit Holz vor rund 15 Jahren, als für den Maibaum in Stein neue Figuren angefertigt werden sollten und viele helfende Hände gesucht waren. »Was die Männer können, das können wir schon lange, dachten wir uns«, erinnert sich Manuela Fuchs. Heute schwärmt sie, wie schön es sei, mit Holz zu arbeiten: »Es ist ein warmes Material und es riecht so gut.« Wie die übrigen Teilnehmer der Schnitzgruppe empfindet sie das Schnitzen als sehr erholsam und beruhigend.

Anzeige

Von der Heiligenfigur bis zum Murmeltier

Willi Neuhauser, der aufgrund seiner umfangreichen Erfahrung im Arbeiten mit Holz die Gruppe anleitet, geht sogar noch weiter: »Schnitzen ist wie eine Therapie. Man muss sich voll konzentrieren, kann dabei herrlich abschalten und seine Alltagssorgen vergessen.« Jeder in der Gruppe schnitzt etwas anderes, hat seine eigenen Vorlieben.

Georg Gröbner arbeitet gerade an einer Heiligenfigur, die er nach eigenen Vorstellungen gestaltet und formt. Er hat auch die Maria geschnitzt, die der Siedlerverein vor drei Jahren in der Mariensäule in St. Georgen aufgestellt hat. Konrad Fuchs sitzt zurzeit an einem großen Wappen der ehemaligen Gemeinde Stein, das im Frühjahr an den neuen Maibaum in Stein kommen soll. Manuela Fuchs erstellt gerade ein Kreuz mit einer Christusfigur und ihre Mutter Brigitte Hübler macht ein kleines Murmeltier. Bei diesen feineren Arbeiten ist viel Fingerspitzengefühl notwendig und es fällt auch nur wenig Abfall ab.

Anders ist es da bei Alfons Maier. Er sagt: »Bei mir miassn de Schoatn fliagn«, zumindest, bis er die grobe Form der Figur vor sich hat. Alfons Maier verwendet grundsätzlich nur eigenes Holz, das bei ihm auf dem Bauernhof und im heimischen Wald anfällt. Auch entwirft er seine Figuren ganz nach eigenen Ideen und oft weiß er am Anfang noch gar nicht so recht, wie es am Ende aussehen soll. »Das ergibt sich einfach beim Schnitzen und die Figur entwickelt sich nach und nach.«

Der Ruheständler hat sich vor rund fünf Jahren intensiv seinem Hobby, dem Schnitzen, zugewandt. Zuvor hatte er zum einen zu wenig Zeit dafür, heute sei er aufgrund von Knieproblemen nicht mehr so mobil. Da kommt es gerade recht, dass er zu Hause und im Sitzen arbeiten kann. Die große Vorliebe von Alfons Maier sind Engel in jeglicher Variation, Madonnen und Krippenfiguren. Sie dienen dann sowohl als Schmuck für die eigene Wohnung oder auch als Geschenk. Für ein paar seiner Enkel hat er zur Erstkommunion jeweils einen Engel geschnitzt, zu dessen Füßen das jeweilige Kind sitzt. »So was hat sonst niemand«, freut er sich und erntete auch bei den Enkelkindern große Dankbarkeit.

Die richtige Schärfe des Schnitzmessers

Die anderen Schnitzer aus der Gruppe entwerfen auch selber Figuren, kaufen aber auch teilweise vorgefertigte Rohlinge. Bei Letzteren ist die Figur dann schon in etwa dargestellt, wird aber dann in stundenlanger Arbeit verfeinert. So erhielt etwa Manuela Fuchs einmal eine 60 Zentimeter hohe Madonna als Rohling zu Weihnachten, an der sie dann viele Monate zu schnitzen hatte. Diese Madonna hat heute einen Ehrenplatz in ihrem Haus.

Für die sehr großen Kunstwerke ist Willi Neuhauser zuständig. Er hat zum Jubiläum des Burschenvereins vor zwei Jahren einen lebensgroßen Mann im Relief geschnitzt. Dieser trug dann sogar die Hosenträger des Burschenvereins. Außerdem hat Neuhauser schon mehrmals Scheite fürs Patenbitten erstellt und Vereinstafeln geschnitzt, die bei Festumzügen mitgeführt werden.

Wenn bei den anderen mal was daneben geht und sie vielleicht etwas mehr vom Holz weggenommen haben, als geplant, kann der Willi meist helfen. »Solange noch Holz da ist, ist es kein Problem, da kann man immer noch nachbessern«, ist seine Devise. Er ist es auch, der den übrigen Hobbyschnitzern beigebracht hat, wie man seine Schnitzmesser selber schärft. Denn die richtige Schärfe sei das A und O beim Schnitzen, diese Erfahrung haben sie alle gemacht. mix