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Schnittige PS-Giganten und herzige Isettas

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Mit diesen beiden Isettas fuhren Thomas Hutzmann und Franz Brame aus Trostberg nach deren Restaurierung nach Italien.Weitere Fotos im Internet unter www.suedost-news.de. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Blank polierte, liebevoll gepflegte Unikate glänzen in der Sonne. Mancher Besitzer präsentiert unter der geöffneten Motorhaube stolz die Kraftzentrale seines BMW. Grüppchen oft sehr junger Autofans räkeln sich in Campingstühlen lässig in der Sonne und genießen das Fachsimpeln. Der Platz vor der Max-Aicher-Arena war beim ersten Internationalen BMW-Treffen in Inzell ganz in der Hand der Fans der PS-Giganten made in Bavaria.


Wegen des zunächst regnerischen Wetters liefen zwar etliche der angemeldeten mehreren Hundert Fahrer erst nach Mittag ein oder blieben ganz zu Hause. Dies tat jedoch der Stimmung keinen Abbruch. Den internationalen Part vertraten vor allem die Österreicher, wie Stefan Lohfeyr aus Unken. Er hat einen M 3 E 30 liebevoll wie einen Rennwagen hergerichtet und fährt damit hobbymäßig am Salzburg-Ring. Früher fuhr er Berg-Slalom-Rennen im Salzburger Land. Aber dafür ist ihm sein M 3 zu schade; einen anderen BMW hat er dabei schon zu Schrott gefahren.

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Seinen daneben postierten BMW 323 i hat Christoph Hausch aus Bad Reichenhall voriges Jahr in seiner Garage von Grund auf neu aufgebaut. »Es ist keine Schraube nicht neu«, erklärt er stolz. Für ihn ist das Schrauben ein »absoluter Ausgleich« zum Beruf. »Die Garage ist auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt, wo alles besprochen werden kann.«

»Irgendwie mal was Anderes gesucht« hat Thomas Hutzmann aus Trostberg. Über das Internet kam er zu seinen beiden Isettas: einer weiß-blau lackierten mit 300 Kubik (Baujahr 1958) mit Kofferständer am Heck und einer hellgelb lackierten mit 250 Kubik (Baujahr 1957). Die weiß-blaue Isetta stammt von einem älteren Herrn aus Rottweil, der begonnen hatte, sie zu restaurieren und dann einen schweren Unfall hatte. 35 bis 40 Jahre stand das Auto zerlegt bei ihm, bis er mit etwa 70 Jahren zur Erkenntnis kam, dass er es wohl nicht mehr zusammenbauen wird, und es verkaufte.

Mit Franz Brame, seinem Fast-Nachbarn, richtete Thomas Hutzmann die beiden Isettas »Schräuberl für Schräuberl« her. Manche Ersatzteile, die es nicht mehr gibt, bauten sie selber, andere fanden sie auf Floh- oder Teilemärkten. »Wie sie fertig waren, sind wir mit den beiden Isettas nach Italien gefahren«, erzählt Franz Brame. Nicht mit den Frauen, sondern »mit Freunden und einem Kasten Bier«.

Bei dem Treffen in Inzell gab es aber auch sonst allerlei Raritäten und Besonderheiten zu bestaunen. Ein Tüftler aus Deggendorf zum Beispiel hat in einen 3er-BMW einen Vier-Liter- V8-Motor eingebaut, was absolute Maßarbeit ist. Detlef Quiring aus Augsburg war mit seinem gepanzerten 735 i da, der schon 448 000 Kilometer auf dem Tacho hat, immer noch mit dem Original-Motor. 1986 gebaut, hat er einen offenen Luftfilter, 225 PS und Flügeltüren.

»Zickentaxi« stand auf dem Nummernschild eines blauen 320er Cabrio E 36, Baujahr 1994, dem ganzen Stolz von Tina Beham aus Ebersberg. Dass nur wenige Frauen zu den Treffen kommen, stört die 22-Jährige nicht. Auch beruflich sitzt sie immer hinterm Steuer und fährt als Selbstständige mit ihrem mobilen Bäckerladen landauf-landab. Beides, das Geschäft und die Liebe zu Autos, hat sie von ihrem Vater »geerbt«. Was für andere ihr Urlaub ist, sind für sie ihre BMW. »Mein Urlaub ist eher, im Auto rumzuhocken.«

Fast jedes Wochenende ist sie auf BMW-Treffen unterwegs, wo sie immer viele Bekannte trifft. Die leuchtend-blaue Lackierung hat sie ihrem Cabrio selbst verpasst und alles zusammen mit Freunden umgebaut. »Da hilft jeder Jedem. Jeder kann was anderes.« Für den Alltag hat Tina, die nicht wirklich eine Zicke ist, wie sie beteuert, noch einen 3er-BMW. vm