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Schluss mit Camping nach 55 Jahren

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Zum Abschied nach 55 Jahren dankte Campingplatz-Betreiber Rudi Kupka Josefa Pröbst für ihre Treue. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Josefa Pröbst aus Vilsbiburg, von allen »Tante Bobbi« genannt, hat nach 55 Jahren Abschied genommen vom Campingplatz in Tettenhausen. In all der Zeit war sie jedes Jahr zu Gast, oft auch mehrmals. Jetzt, mit bald 89 Jahren, verschenkte sie ihren riesigen Wohnwagen, der auch schon in die Jahre gekommen ist, und beendete bei einem kleinen Umtrunk einen langen Lebensabschnitt.


Die Waginger Tourist-Info-Leiterin Eva Gruber ließ sich diesen Anlass nicht entgehen. Mit Blumen und einem Erinnerungsgeschenk dankte sie Josefa Pröbst für ihre ungewöhnlich lange Verbundenheit zur Marktgemeinde Waging beziehungsweise zu Tettenhausen. Die begeisterte Camperin war von dieser Geste ganz gerührt. Auch Campingplatz-Betreiber Rudi Kupka sprach ihr seinen Dank aus. Als alle anschließend gemütlich zusammensaßen, gab es reichlich interessante Erinnerungen zu hören.

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Tettenhausen war demnach mehr als nur ein Campingplatz für Josefa Pröbst, es war die sprichwörtliche zweite Heimat. »Ich gehöre schon zum Inventar«, scherzte sie. »Ich möchte keinen Tag missen.« Immer wenn sie und ihr inzwischen verstorbener Mann Zeit hatten, seien sie nach Tettenhausen gekommen. Sie hätten hier wunderschöne Zeiten verbracht.

Als sie noch jünger war, sei sie stets eine der ersten gewesen, die am Morgen in den See sprangen – auch dann noch, wenn sich auf den Bergen schon der erste Schnee zeigte: »'s Wasser war oiwei warm.« Und auch Segeln stand ganz oben auf der Liste der Lieblingsbeschäftigungen.

Ganz am Anfang hatten die Pröbsts in einem Zelt auf dem Campingplatz geschlafen, schon sehr bald wurde dieses aber durch einen Wohnwagen ersetzt. Vor rund 45 Jahren schaffte sich das Ehepaar dann für rund 10 000 Mark den riesigen Wohnwagen an, der jetzt noch immer auf dem Campingplatz steht; in wenigen Wochen geht auch das mobile Heim in Rente, nach Rumänien.

Der große Wohnwagen war viele Jahre lang ein Treffpunkt für die Menschen in der Camping-Umgebung, wo man sich zu langen Spielrunden traf: »Rummikub« war das angesagteste Spiel. Eine feste Einrichtung war auch der regelmäßige Nachmittagskaffee, zu dem Josefa Pröbst meist selbst gebackenen Kuchen beisteuerte: »Ich hab' schließlich 13 Jahre lang eine Bäckerei geleitet.«

Dass sie jetzt das Camping aufgebe, liege an ihrer etwas angegriffenen Gesundheit, erklärte Josefa Pröbst. Zu Hause in Vilsbiburg versorgt sie sich in ihrer Wohnung aber noch weitgehend selbst. he