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Schlüssel von Munitionshaus Nummer 1 gefunden

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Diese Schlüssel gehörten zum Munitionshaus Nummer 1. (Foto: P. Mix)
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Das Munitionshaus Nummer 1 war mit großer Wahrscheinlichkeit ein P-Haus. Auf dem Archiv-Bild, das circa 1960 entstand, ist das Haus (Bildmitte) zu erkennen. (Foto: Stadtarchiv Traunreut)

Traunreut – Christoph Absmaier aus Trostberg übergab einen alten Schlüssel, der einst zum Munitionshaus Nummer 1 der Heeresmunitionsanstalt gehörte, an das Traunreuter Archiv. Der verrostete Schlüssel mit Anhänger aus verzinktem Blech wird dokumentiert und aufbewahrt.


Der Trostberger hat den Schlüssel schon vor über 30 Jahren gefunden, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Er erinnerte sich wieder an ihn, als er gelesen hatte, dass für ein künftiges Museum Exponate gesucht werden. Die Kulturwissenschaftlerin Stephanie Steiner inventarisiert und dokumentiert alle Ausstellungsstücke und recherchiert die Geschichte der einzelnen Teile, soweit dies noch möglich ist. Sie fand heraus, dass das Munitionshaus Nummer 1 mit großer Wahrscheinlichkeit ein P-Haus (Pulver-Haus) war und sich im jetzigen Egerweg befand, in etwa dort, wo heute der Schilderladen ist. Ab den 1950er Jahren habe sich darin die Spenglerei Holzmayer befunden.

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Christoph Absmaier interessiert sich schon seit seiner Kindheit sehr für Geschichte und vor allem für die »finsteren Jahre« der beiden Weltkriege. Zur Muna hat der Trostberger einen persönlichen Bezug, da seine Großmutter dort ein Jahr lang in der Abfüllung tätig war. Sie war damals dienstverpflichtet worden und hatte ihrem Enkel über diese Zeit erzählt. Den Schlüssel fand er vor Jahren im Nordosten von Traunreut, wo die Straße von Oberwalchen her kommt. »Damals war dort noch Wald und ich bin auf Betonfragmente einer Grube gestoßen, in der offenbar Schrott aus der Munazeit entsorgt worden ist«, erzählt der 49-Jährige. Neben Werkzeugen, Teilen von Gasmasken und anderem fand er auch den Schlüssel und ihm war sofort klar, was er da in den Händen hat. Umso mehr freute es ihn dann, als Stephanie Steiner den Schlüssel einem bestimmten Haus zuordnen konnte.

Seit Christoph Absmaier mit 14 Jahren sein erstes Metallsuchgerät gekauft hat, ist es sein Hobby, sich in der Umgebung auf die Suche nach allem Möglichen zu machen. Er arbeitet seit einigen Jahren als Bestatter, »Totengräber« wie er selber sagt. »Dabei komme ich immer wieder mit alten Leuten ins Gespräch, die noch viel wissen über frühere Zeiten«, erläutert er und gibt zu, diese Geschichten alle »aufzusaugen wie ein Schwamm«. Aus den diversen Erzählungen und aus Heimatbüchern oder anderen Quellen holt er sich viele Anregungen. Regelmäßig macht er sich auf die Suche. »Man kriegt über die Zeit ein Gespür dafür, wo etwas liegen könnte«, erklärt er. Jede Menge Recherche-Arbeit  steckt  hinter     seiner Freizeitbeschäftigung. Wenn er etwas gefunden hat, versucht er herauszufinden, als was es einst diente. Früher wurden die Gegenstände, die er heute findet, für nutzlos angesehen und als Abfall entsorgt. Dies geschah nach seiner Erfahrung gerade auf dem Land oft in Odelgruben und mit dem Odel gelangten sie dann auf die Felder und durch beständiges Umgraben irgendwann wieder an die Oberfläche.

Vor allem auf Feldern wird der Trostberger immer wieder mal fündig. Die Landwirte hätten nichts dagegen und ließen ihn in der Regel ohne Probleme auf ihren Grund. »A bisserl was geht immer her«, ist die Erfahrung des Suchenden, »und wenn nicht, dann war es auch nicht umsonst, dann war ich an der frischen Luft unterwegs und hab' es trotzdem genossen«.

Es sind gerade die kleinen Dinge, die er aufspürt und die ihm Freude bereiten. In seiner Wohnung sind einige davon ausgestellt und gern erzählt er die Geschichten dazu. In der Umgebung seiner Heimatstadt fand er auch schon einige Tuchplomben. »Trostberg war ja in früheren Zeiten eine Tuchstadt und die Tuchballen waren damit verplombt«, berichtet er. Aus der Muna in Traunreut hat er unter seinen »Schätzen« auch eine Erkennungsmarke des Kriegsgefangenen-Baubataillons. Diese Männer verrichteten Bauarbeiten in der Heeresmunitionsanstalt, wie er recherchiert hat. Christoph Absmaier hat bei all dem kein finanzielles Interesse, von großem Wert sind die Dinge eh nicht und er will sie auch gar nicht verkaufen. Vielmehr fühlt er sich als »Bewahrer von Geschichten« und hebt gerne Erinnerungsstücke aller Art auf. mix